Niemegk, Brandenburg

Apothekenschließung beschäftigt Ministerium und Kammer

Berlin - 09.07.2019, 13:45 Uhr

Die Schließung der Robert-Koch-Apotheke in Niemegk (Brandenburg) beschäftigt derzeit Behörden, die Landesapothekerkammer aber auch das Gesundheitsministerium. (Foto: Amt Niemegk)

Die Schließung der Robert-Koch-Apotheke in Niemegk (Brandenburg) beschäftigt derzeit Behörden, die Landesapothekerkammer aber auch das Gesundheitsministerium. (Foto: Amt Niemegk)


Rezeptsammelstelle als Übergangslösung erwünscht – in Niemegk

Vor der Antragstellung bei der LAK Brandenburg habe sie sich mit den Verantwortlichen des Ortes Niemegk abgesprochen und nachgefragt, ob auch aus ihrer Sicht ein Bedarf bestünde, so Aepler. Dies sei bejaht worden und zudem das Anbringen der Sammelstelle in Form eines speziellen Briefkastens am Rathaus in Aussicht gestellt worden. 

Amtsleiter Hemmerling bestätigt dieses und sagt: „Da hat sie bei uns natürlich sofort offene Türen eingerannt.“ Der Bedarf in Niemegk sei zudem groß, immerhin gäbe es zwei Allgemeinmediziner und auch Zahnarztpraxen in dem Ort. Eine mögliche Rezeptsammelstelle sei andererseits hoffentlich nur eine Übergangslösung, denn: „Wir wünschen uns natürlich ganz dringend, dass es hier in Niemegk eine Apotheke gibt. Also wenn es uns gelingt, einen Apotheker oder eine Apothekerin zu finden, die Interesse hätten, hier in Niemegk wieder eine Apotheke zu öffnen. Das ist natürlich unser Traum.“

Rezeptsammelstelle in Niemegk verstoße gegen Kammerrichtlinien

Für die Erteilung der Erlaubnis zum Betrieb von Rezeptsammelstellen gilt es den Paragraphen 24 der Apothekenbetriebsordnung, aber auch die Richtlinien der jeweils zuständigen Apothekerkammer zu beachten. Die LAK Brandenburg ist – zumindest nach derzeitigem Stand – der Auffassung, dass nach ihren Kammerrichtlinien im Falle Niemegk nicht die notwendigen Voraussetzungen für eine Rezeptsammelstelle vorliegen, so berichten sowohl Hemmerling als auch Aepler. 

„Die Kammer hat einen Entscheid gefällt und am 24.05. das Schreiben rausgeschickt, dass nach ihrer Richtlinie diese Sammelstelle nicht zu genehmigen ist, weil eine stündliche Busverbindung von Niemegk nach Bad Belzig und Treuenbrietzen existieren würde, durch die dann die Patienten in angemessener Zeit ihre Medikamente, die sie benötigen, vor allem eben die Rezepteinlösungen, vornehmen könnten“, erläutert die Antragstellerin Aepler.

Einzugsgebiet von Niemegk groß – Weg zur nächsten Apotheke weit

Amtsleiter Hemmerling kommentiert diese Entscheidung: „Das ist überhaupt gar keine gute Option, weil man sich eben vorstellen muss, dass das Einzugsgebiet der Stadt Niemegk 225 Quadratkilometer groß ist – damit also um einiges größer als unsere Landeshauptstadt – und sich aus 23 Orten zusammensetzt. Es ist also nicht so, dass die Leute hier alle in der Nähe der Bushaltestelle leben, sondern die brauchen in der Regel noch einen Anschlussbus, um auf ihr Dorf zu kommen.“



Inken Rutz, Apothekerin, Autorin DAZ.online
redaktion@daz.online


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5 Kommentare

Apothekengesetz könnte den Bürgern/Bürgermeister helfen

von Heiko Zimny am 09.07.2019 um 16:59 Uhr

Wie wäre es denn, wenn die Bürger oder auch einer der Bürgermeister sein Recht einklagt. Im Apothekengesetz ist in §1 Abs. 1 folgendes festgehalten:

Den Apotheken obliegt die im öffentlichen Interesse gebotene Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung der Bevölkerung.

Es wird Zeit, dass ein deutsches Gericht klärt, was ordnungsgemäß ist. Der Versand von ungekühlten Arzneimitteln quer durch Europa mit Zustellung drei Tage nach Bestellung kann da ja wohl nicht gemeint sein.
Es ist vielleicht nicht jedem bewusst, aber im §1 Abs 1 wird ein Recht eines jeden Bürgers beschrieben und wenn die Selbstverwaltung (Apothekenkammern) dieses Recht nicht mehr sicherstellen kann, ist der Gesetzgeber, also die Bundesrepublik in der Pflicht, den Bürgern dieses Recht einzuräumen. Das bedeutet am Ende, dass der Staat dazu verpflichtet sein kann, Apotheken in nicht ordnungsgemäß versorgten Gebieten zu eröffnen.
Da wünsche ich nur noch viel Spaß bei der Personalsuche!

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AW: Brandenburgkammer setzt auf Versorgung mit Bus

von Dr. Dietmar Roth, Rottenburg am 09.07.2019 um 17:38 Uhr

Schon passiert:
Märkische Allgemeine von 15:12 09.07.2019
www.maz-online.de
mit Schlagzeile:
Niemegk
Rezeptsammelstelle abgelehnt: Apothekerkammer sendet falsches Signal

Verwalteter „Verteilungskampf“ ... zusehen, warten, querstellen ...

von Christian Timme am 09.07.2019 um 15:45 Uhr

... der LAK-Brandenburg gegen die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung?. Das nenne ich eine „fürsorgliche Zukunftsplanung“ ... hoffentlich überschreitet der noch ausstehende „Weckruf“ die Kammergrenzen ... von der Wirkung dieser Brandenburg-Apotheken-PR ganz zu schweigen ...

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LAK

von Dr.Diefenbach am 09.07.2019 um 14:15 Uhr

Sehe ich das richtig?Stehen "wir" uns da ggf selbst im Weg?Wie passt das mit der grossvolumigen Aussage zusammen,dass wir flächendeckend -auf unsere Weise-versorgen??? Hat sich mal jemand Gedanken gemacht,WAS die Versender zu einem solchen Fall sagen???

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AW: Brandenburg: Kammer setzt im ländlichen Bereich auf den Bus

von Dr. Dietmar Roth, Rottenburg am 09.07.2019 um 17:02 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Diefenbach, wir stehen uns im Weg
und die Knüppel die in den Weg gelegt werden sind auch schon unterwegs:
die Märkische Allgemeine
15:12 09.07.2019
hat das Thema schon aufgenommen:
mit der Schlagzeile:
Niemegk
Rezeptsammelstelle abgelehnt: Apothekerkammer sendet falsches Signal
Mit freundlichen Grüßen
Dietmar Roth

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