Rhön, Asklepios, Fresenius

Klinikkonzerne wollen Telemedizin-Markt erobern

Berlin - 08.07.2019, 10:15 Uhr

Der größte private Klinikbetreiber Fresenius will in den Markt der Telemedizin einsteigen. Auch die Mitbewerber Rhön und Asklepios sind schon aktiv. (s / Foto: imago images / Peters)

Der größte private Klinikbetreiber Fresenius will in den Markt der Telemedizin einsteigen. Auch die Mitbewerber Rhön und Asklepios sind schon aktiv. (s / Foto: imago images / Peters)


Rhön-Kliniken wollen mit Schweizer Medgate kooperieren

Die größte Hürde bei der Einführung seien nicht skeptische Patienten, sondern analoge Prozesse, sagte De Meo. „Zum bedarfsgerechten Weiterleiten von Patienten und für eine sofortige Terminvergabe brauchen wir Zugriff auf die digitalen Kalender von Ärzten.“ Viele Mediziner führten aber Papierkalender oder öffneten diese bislang nur fürs eigene Personal. Fresenius will die Plattform auch bei der spanischen Kliniktochter Quirónsalud einführen und niedergelassenen Ärzten anbieten. So will der Konzern neue Patienten gewinnen.

Fresenius ist mit seinem Vorstoß nicht allein. Rhön-Klinikum will in der zweiten Jahreshälfte eine Gemeinschaftsfirma mit dem Schweizer Anbieter Medgate an den Start bringen und Marktführer in Deutschland werden. Rhön hält sich Kooperationen mit dritten Ärzten offen. Firmen könnten ferner für den Dienst bezahlen, um Mitarbeitern betriebsärztliche Dienste zu bieten. In Kanada ist das verbreitet.

Ärzte-Vergütung soll angepasst werden

In Deutschland indes steht die Telemedizin noch am Anfang, auch wegen der Vergütungsregeln für Ärzte: Bislang können sie eine Fernbehandlung ohne direkten Kontakt nur bei Privatpatienten problemlos abrechnen. Kassenpatienten sind weitgehend außen vor. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Honorarregeln angleichen. Anbieter erhoffen sich ein lukratives Geschäft: In Deutschland lasse sich ein zweistelliger Milliarden-Umsatz digital bewegen, heißt es in der Branche. „Die Bereitschaft von Patienten für Ferndiagnosen steigt“, sagt Thilo Kaltenbach, Gesundheitsexperte bei der Beratungsgesellschaft Roland Berger. „Die Technik für virtuelle Diagnosen in Praxen und Kliniken entwickelt sich schnell.“ Versicherungen und spezialisierte Telemedizin-Firmen drängten ebenfalls in den umkämpften Markt.

Auch Deutschlands zweitgrößter Klinikbetreiber Asklepios hat große Pläne. Noch dieses Jahr will er Telemedizin-Angebote für niedergelassene und klinische Ärzten einführen. Diese und andere digitale Prozesse könnten die Effizienz steigern, sagte Vorstandschef Kai Hankeln. „Pflegekräfte und Ärzte verbringen in Deutschland mehr als ein Drittel ihrer Arbeitszeit mit Dokumentation.“ Anders als kleine Krankenhäuser haben Fresenius oder Asklepios mit Milliarden-Umsätzen die Finanzkraft, um Softwarelösungen im großen Stil einzuführen. Die Vorstöße der Klinik-Riesen könnten in einen Wettlauf um die dominierende digitale Plattform münden. „Am Ende werden sich voraussichtlich wenige Portale durchsetzen“, sagt De Meo. „Wer besser und schneller ist, wird die Nase vorne haben.“



bro / dpa
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

das gleiche Muster

von ratatosk am 09.07.2019 um 8:42 Uhr

Wie bei den Apotheken !
Die Standardfälle werden abgegrast, mit dem Versand kombiniert und die normalen Praxen dürfen den Notdienst und alles was nicht hochlukraiv ist machen. Auch die Ärzte werden noch darüber weinen, daß sie , sicher in vielen Fällen eigentlich vernünftig, sich so für die Freigabe der Telemedizin eingesetzt haben. Leider werden bei uns positive Dinge eben durch die Großkonzerne ins gesellschaftlich Negative pervertiert. Leider blickt das weder das Gesundheitsministerium, noch das Amt für Kartellförderung!

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