DAZ.online-Geschichtentaxi mit Lutz Engelen

„Die ABDA muss mehr polarisieren“

Berlin - 03.07.2019, 07:00 Uhr

Im DAZ.online-Geschichtentaxi spricht Nordrheins scheidender Kammerpräsident über die zahlreichen Projekte zu pharmazeutischen Dienstleistungen, die er mitentwickelt hat, und seine dauerhafte Kritik an der ABDA. (Screenshot: DAZ.online)

Im DAZ.online-Geschichtentaxi spricht Nordrheins scheidender Kammerpräsident über die zahlreichen Projekte zu pharmazeutischen Dienstleistungen, die er mitentwickelt hat, und seine dauerhafte Kritik an der ABDA. (Screenshot: DAZ.online)


In der vergangenen Woche nahmen gleich mehrere Standesfürsten der Apotheker zum letzten Mal an einer ABDA-Mitgliederversammlung teil. Einer von ihnen: Nordrheins Kammerpräsident Lutz Engelen. Der Apotheker aus Herzogenrath bei Aachen zieht sich aus der Berufspolitik zurück. Im DAZ.online-Geschichtentaxi spricht er über die beiden Themen, die ihn bundesweit bekannt machten: die pharmazeutischen Dienstleistungen und seine Kritik am ABDA-System.

Am 4. September dieses Jahres wählt die Delegiertenversammlung der Apothekerkammer Nordrhein einen neuen Vorstand. Wie sich das neue Apothekerparlament zusammensetzt, steht bereits fest. Noch unklar ist derzeit aber, wer den Posten des Präsidenten übernehmen wird. Denn: Der langjährige Kammerchef Lutz Engelen hatte schon im vergangenen Jahr erklärt, dass er nicht mehr als Delegierter zur Verfügung steht.

Engelen wurde 2005 erstmals zum Präsident der AKNR gewählt. 2001 hatte er als Delegierter in der Kammerversammlung gestartet, ab 2003 war er Mitglied des Vorstands. Der Apotheker vom Niederrhein war auch jahrelang auf Bundesebene tätig und engagierte sich in der ABDA. Er war beispielsweise Vorsitzender des PR-Ausschusses. Von 2009 bis 2013 war er Vizepräsident der Bundesapothekerkammer.

Im DAZ.online-Geschichtentaxi redet Engelen über einige seiner berufspolitischen Vermächtnisse. Einige davon sind sicherlich im Bereich der pharmazeutischen Dienstleistungen zu finden. Denn während seiner Amtszeit wurden in der Kammerregion Nordrhein gleich mehrere solche Projekte erfunden, initiiert und in die Versorgung eingebracht. Engelen berichtet beispielsweise, wie es zur ATHINA-Fortbildung kam und wie sich die Idee dieser Fortbildung inzwischen in ganz Deutschland durchgesetzt hat.

               

Aber Lutz Engelen wird vielen Apothekern auch als streitbarer und berufspolitisch engagierter Pharmazeut in Erinnerung bleiben. Immer wieder kritisierte Engelen das Vorgehen der ABDA, stimmte gegen Haushaltsentwürfe, drohte mit dem Austritt seiner Kammer aus der Berliner Standesvertretung und forderte zuletzt den Rücktritt der ABDA-Spitze. Doch der Noch-Präsident stellt klar: „Ich bin da nicht alleine, sondern habe immer meine Kammerversammlung und meinen Vorstand hinter mir gehabt.“  

Für die Zukunft der ABDA wünscht er sich wieder mehr Mut zur Polarisierung. Aus Engelens Sicht werden viele Unstimmigkeiten zwischen Bundesapothekerkammer und Deutschem Apothekerverband bei einem „kleinsten gemeinsamen Nenner“ und ohne „Dynamik“ begraben, wobei man auch einmal verschiedene Positionierungen in die Politik tragen könnte.

Mehr dazu erfahren Sie in der neuen Folge des DAZ.online-Geschichtentaxis.

Mehr zum Thema

DAZ.online-Geschichtentaxi mit Michael Hennrich (CDU)

„Anfangs waren auch einige SPD-Parlamentarier für das Rx-Versandverbot“

DAZ.online-Geschichtentaxi mit Apotheker Christian Machon

Das Ende einer Dorf-Apotheke und seine Folgen


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Lutz Engelen zieht sich zurück

Genug gesagt

IndustrieApotheker Hoffmann neuer Präsident

Frischer, fränkischer Wind für die Apothekerkammer Nordrhein

Kammer Nordrhein hat getagt

Doppelte Rolle zurück

APOTHEKERKAMMER NORDRHEIN

Doppelte Rolle rückwärts

Die Delegierten der Hauptversammlung des Deutschen Apothekertages

Wer sitzt denn da?

Delegiertenversammlung der Apothekerkammer Nordrhein

ABDA-Strategie, Auszeichnungen, Apothekerversorgung

2 Kommentare

Schade

von Wolfgang Müller am 03.07.2019 um 18:34 Uhr

Ich habe den Kollegen Engelen leider nie persönlich kennengelernt, nur irgendwie "im Netz", halt, und bin daher jetzt wirklich platt. Ganz abgesehen davon, dass beste Erinnerungen an meine kölsche Praktikumschef wach werden:

Sowohl zur hervorragenden Bedeutung und praktischen Durchführung der Pharmazeutischen Betreuung von multimorbiden Patienten als auch zum Problem, dass die ABDA als "Unternehmer-Verband plus Kammern ALLER Apotheker/innen" niemals die Überlebens-Interessen der Freiberufler-Basis vernünftig vertreten kann (sondern nur den kleinsten, sozusagen "irgendwie pharmazeutischen" Nenner kleisternd kultiviert), hat noch nie jemand inhaltlich und von der Ausstrahlung her etwas Besseres gesagt. Und wird auch in Zukunft kaum jemand etwas Besseres sagen können.

Man sollte dem nur einfach folgen, dringend.

Diese Ansichten und dieses begeisterungsfähige, jung und alt zusammenführende, damit eben auch Andere begeisternde Auftreten, ergänzt durch ein ENDLICH einmal KONKRETES Konzept zur realistischen, auskömmlichen Honorierung der pharmazeutischen Dienstleistungen (NICHT gedeckelt, NICHT Selektivvertrags-Hausapothekenmodell, sondern gemäß Honorarordnung von den Ärzten per Überweisungsschein veranlasst, würde ich persönlich hemmungslos polarisierend ja sagen ....):

Wie sollte dann mit unserer Zukunft noch etwas schiefgehen können?

In diesem Sinne, lieber Kollege Engelen, von mir persönlich und damit vom manchmal nur scheinbar gaaaanz anderen Pol: Allerbeste Wünsche für die kommende Zeit, und mögen Ihre Ziele im Wesentlichen erreicht werden. Auch ich glaube weiter daran, dass es geht. Alles Gute!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Gut geht, mäßig bleibt und wenig kommt nach ...

von Christian Timme am 03.07.2019 um 8:21 Uhr

Die Apotheker-Uhr läuft ... rückwärts ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.