Arzneimittel-Sparinstrument

30 Jahre Festbeträge – Freude und Kritik

Berlin - 19.06.2019, 17:45 Uhr

Seit dem 19. Juni 1989 gibt es die Festbeträge, inzwischen sparen die Kassen pro Jahr etwa 8,2 Milliarden Euro damit. Aber für viele sind sie auch ein Fluch. (s / Foto: imago images / Steinach)

Seit dem 19. Juni 1989 gibt es die Festbeträge, inzwischen sparen die Kassen pro Jahr etwa 8,2 Milliarden Euro damit. Aber für viele sind sie auch ein Fluch. (s / Foto: imago images / Steinach)


Festbeträge für Apotheker

Für die Apotheker sind Festbeträge fester Bestandteil des Berufsalltags und führen oft zu Erklärungsbedarf gegenüber dem Patienten. Denn: Zieht eine Firma mit der Festlegung oder Absenkung eines Festbetrages nicht mit, muss der Patient oft per Aufzahlung die Differenz bezahlen. Gesetzlich ist allerdings vorgesehen, dass es für mindestens 20 Prozent der Verordnungen und 20 Prozent der Arzneimittelpackungen einer Festbetragsgruppe keine Aufzahlung geben darf. Apotheker sind insbesondere bei neu aufkommenden Aufzahlungen oftmals in der Situation, Patienten diese erklären zu müssen. Laut GKV-Spitzenverband werden in der Apotheke aber 95 Prozent aller Festbetrags-Arzneimittel ohne eine Aufzahlung abgegeben.

Doch auch für den internen Betriebsablauf sind neue oder geänderte Festbeträge immer wieder ein wichtiges Thema für die Pharmazeuten. Passt der GKV-Spitzenverband Festbeträge an, kann es in der Apotheke zu Warenlagerverlusten kommen – immer wieder ein ärgerliches Thema für jeden Apotheker.

Festbeträge in Zahlen

  • Einsparungen: Ca. 8,2 Milliarden Euro pro Jahr
  • Es gibt etwa 30.000 Festbetragsarzneimittel
  • Bislang wurden 449 Festbetragsgruppen festgelegt.
  • 80 Prozent aller Arzneimittel-Verordnungen entfallen auf Präparate mit Festbeträgen
  • 35 Prozent des Ausgabenvolumens im Arzneimittelbereich entfallen auf Festbetrags-Arzneimittel

Zuzahlungsbefreiungen

Seit 2006 können besonders günstige Arzneimittel von der Zuzahlung befreit werden. Das gilt für Arzneimittel, deren Abgabepreis mindestens um 30 Prozent unter dem jeweils gültigen Festbetrag liegt und wenn hieraus weitere Einsparungen zu erwarten sind. Derzeit sind etwa 4.000 Arzneimittel in 155 Festbetragsgruppen für die Versicherten ohne gesetzliche Zuzahlung verfügbar. Ende 2017 waren laut ABDA 25 Prozent der rabattierten Rx-Arzneimittel zuzahlungsbefreit- oder zumindest ermäßigt. Im Jahr nach Einführung der Rabattverträge waren es noch 60 Prozent, seitdem ist diese Quote kontinuierlich gesunken.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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