DAZ.online-Geschichtentaxi mit Apotheker Christian Machon

Das Ende einer Dorf-Apotheke und seine Folgen

Berlin - 31.05.2019, 07:00 Uhr

Apotheker Christian Machon (li.) und DAZ.online-Chefredakteur Benjamin Rohrer im Gespräch über das Ende der Kreuz-Apotheke in Unsleben. (Screenshot: DAZ.online)

Apotheker Christian Machon (li.) und DAZ.online-Chefredakteur Benjamin Rohrer im Gespräch über das Ende der Kreuz-Apotheke in Unsleben. (Screenshot: DAZ.online)


Am Beispiel der Kreuz-Apotheke im unterfränkischen Unsleben zeigt sich exemplarisch, welche Auswirkungen die sinkende Apothekenzahl auf örtliche Infrastrukturen hat. Das Dorf ist seit einiger Zeit ohne Arzt, alle Mediziner gingen weg. Apotheker Christian Machon hielt seine Apotheke trotzdem am Leben, schrieb aber rote Zahlen. Nun musste er schließen. In der Folge entwickelte sich ein Konflikt mit dem Bürgermeister, die Apotheke zieht nun vorübergehend ins Rathaus. Im DAZ.online-Geschichtentaxi erzählt der Apotheker, welche Auswirkungen seine Entscheidung hatte.

Das Dorf Unsleben liegt in Unterfranken im Landkreis Rhön-Grabfeld und hat etwa 940 Einwohner. Bis vor Kurzem gab es in Unsleben eine Apotheke, die seit fast 70 Jahren existiert. Der Inhaber Christian Machon hat diese Apotheke nun aber geschlossen. „Ich musste eigentlich jeden Monat Geld raufpacken“, erklärt Machon im DAZ.online-Geschichtentaxi. In den vergangenen Jahren mehrten sich die Probleme rund um seine Apotheke, die er von seinem Vater übernommen hatte: Erst gingen die Ärzte in Rente, Machon fand kein neues Personal, die Kundenzahl sank und sank. Zuletzt habe er nur noch vier Kunden pro Stunde in der Offizin gehabt, erzählt der Apotheker.

Doch die eigentliche Geschichte begann erst nach der Schließungsentscheidung. Der Bürgermeister präsentierte ihm eine potentielle Nachfolgerin, die Verhandlungen um die Übernahme scheiterten aber. Weil der Mietvertrag der Apothekenräume erst Ende des Jahres ausläuft, hat der Bürgermeister nun kurzerhand entschieden, sein Rathaus umzubauen und die Apotheke vorübergehend dort unterzubringen, bis sie Ende des Jahres in die eigentlichen Apothekenräume ziehen kann.

Die Gemeinde Unsleben informiert die Bürger derzeit über die provisorische Apotheke im Rathaus. (Foto: privat)

Christian Machon wurde zum öffentlichen Feindbild: Die Lokalmedien ließen den Bürgermeister und die Gemeinderäte zu Wort kommen, sie warfen dem Apotheker vor, seine Gemeinde im Stich zu lassen. Im DAZ.online-Geschichtentaxi berichtet Machon, wie die Geschichte aus seiner Sicht abgelaufen ist, warum die Apotheke einfach nicht mehr tragbar war und was aus seiner Sicht passieren müsste, damit solche Apotheken lukrativ bleiben. Hier sehen Sie das gesamte Video:


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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