DAZ.online-Wahlcheck zur Europawahl (Teil 3)

Was sagen die Parteien zu Lieferengpässen und zum Parallelhandel?

Berlin - 22.05.2019, 17:50 Uhr

Nicht lieferbar: Lieferengpässe bei Arzneimitteln tauchen in ganz Europa auf und haben teils grenzübergreifende Zusammenhänge. Was sagen die Parteien dazu? (Foto: imago images)

Nicht lieferbar: Lieferengpässe bei Arzneimitteln tauchen in ganz Europa auf und haben teils grenzübergreifende Zusammenhänge. Was sagen die Parteien dazu? (Foto: imago images)


Grüne

  • Insbesondere durch den sogenannten Lunapharm-Skandal wurde deutlich, dass es inzwischen ein komplett undurchsichtiges Netzwerk von zahlreichen Händlern und Zwischenhändlern gibt, über das Arzneimittel innerhalb Europas hin- und her verkauft werden. Sollte sich am Parallelhandel in Europa etwas ändern?

Das Securpharm-System sieht vor, dass Arzneimittelimporteure selbstständig ausländische Arzneimittelpackungen aus dem System ausbuchen und unter deutscher Identifikation neu in das System einbuchen. Hier muss zukünftig genau geprüft werden, ob diese Vorgehensweise kein Einfallstor für Fälschungen darstellt. Im Sinne einer sicheren Arzneimittelversorgung ist es aber auch notwendig die Anforderungen an alle mit dem Handel von Arzneimitteln beteiligten Unternehmen zu überprüfen. Allein in Deutschland gibt es etwa 4.000 Unternehmen mit einer Lizenz zum Handel mit Arzneimitteln (Großhandelslizenz). Wir halten es daher für notwendig, die Anforderung an die Unternehmen zum Umgang mit und zur Sicherheit von Arzneimitteln, deutlich zu erhöhen.

  • Im Zusammenhang mit Arzneimittel-Lieferengpässen hört man Forderungen, dass die EU versuchen sollte, die Produktion von Arzneimitteln wieder nach Europa „zurückzuholen“. Wie beurteilen Sie diese Forderung? Und wie könnten die Konzerne überzeugt werden, nach Europa zurückzukommen?

Die gesamte Produktion von Arzneimitteln oder deren Wirkstoffe zurück nach Europa zu verlagern ist wenig realistisch. Es sollte jedoch geprüft werden, wie besonders kritische Arzneimittel, wie beispielsweise Antibiotika, wieder verstärkt innerhalb Europas produziert werden können. Hierfür werden verschiedene Modelle diskutiert, wie etwa die staatliche Bezuschussung von Herstellungspreisen oder die Vergütung der von den Herstellern bereitgestellten Produktionskapazitäten. Darüber hinaus sollte aber auch außerhalb Europas darauf hingewirkt werden, sichere und beständige Versorgungswege für Arzneimittel aufrecht zu halten und auszubauen. Bei diesen Anstrengungen sollte auch auf die Einhaltung von sozialen und Umweltschutzaspekten bei der Produktion der Arzneimittel hingewirkt werden.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

Ein europäisches Phänomen

von Karl Friedrich Müller am 23.05.2019 um 17:50 Uhr

Sind also die Engpässe bei der Arzneimittel Versorgung.
Nur komisch, dass unsere Krankenkassen so gar nichts davon mitbekommen haben, weil sie in einer gemeinschaftlichen und vermutlich abgesprochenen Aktion Apotheken bedrohen, sogar vertragswidrig retaxieren.
Nötigung und Vertragsbruch.
Wo ist der Staatsanwalt
Wo sind ABDA und DAV
Warum wird hier nicht schnell und konsequent reagiert?
Wofür bezahlen wir Beiträge?
Für Paläste und Selbstbeweihräucherung?
Spahn, Krankenkassen, SPD und CDU
Weg damit.
#rezo Video @rezomusik in YouTube ansehen

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Die Grünen

von Heiko Barz am 22.05.2019 um 18:43 Uhr

Für die „Grünen“ ist es unwirklich? Die Arzneimittelproduktion wieder national zu erstellen. Die Begriffe Lunapharm und Valsartan sind ja nur die beiden bekanntgeworden Spitzen des weltweiten Arzneimittelpfuschs.
Wenn alle chemischen Grundstoffe, die in Vorder-und Hinterasiatischen Waschküchen zusammengemixt werden, vor der Pessung zum AM vor Ort eindeutig analysiert würden, dann gäbe es wohl chaotische Zustände. Es geht aber eindeutig nur ums Geld, was die KKassen einsparen wollten, und da sind die asiatischen Billiglohnländer natürlich vorzuziehen.
AOK Herman war damals ein verblendeter Geisterreiter, dem das Patientenwohl völlig aus dem Gesichtsfeld entglitten ist. Die gleiche Interessengruppe beflügelte damals die Pflicht zur Importarznei, die sie heute aus negativer Erfahrung gerne wieder abstellen würde, siehe AOK Herman.
Wo bleibt eigentlich die partnerschaftliche Anerkennung der Leistung derer, die für die KKassenmogule mehr als 5Millarden € permanent jährlich einsparen?
Ach ja, das ist mit der Beratungsgebühr abgegolten und nach der Meinung einiger Kassenfürsten zu hoch bewertet, siehe 2Hm Gutachten.

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