DAZ.online-Geschichtentaxi mit Michael Hennrich (CDU)

„Anfangs waren auch einige SPD-Parlamentarier für das Rx-Versandverbot“

Berlin - 20.05.2019, 07:00 Uhr

Neues Interviewformat: Im DAZ.online-Geschichtentaxi erklärt der CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich, was sich in der Berliner Gesundheitspolitik in den Stunden und Tagen nach dem EuGH-Urteil zugetragen hat. (Screenshot: bro/DAZ.online)

Neues Interviewformat: Im DAZ.online-Geschichtentaxi erklärt der CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich, was sich in der Berliner Gesundheitspolitik in den Stunden und Tagen nach dem EuGH-Urteil zugetragen hat. (Screenshot: bro/DAZ.online)


Das EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung vom 19. Oktober 2016 hat die apothekenpolitischen Diskussionen der vergangenen zweieinhalb Jahre geprägt. Aber was genau passierte eigentlich in den Stunden und Tagen nach der Urteilsverkündung in der Berliner Gesundheitspolitik? Wie wurde die Debatte auf das Rx-Versandverbot gelenkt? In einem neuen Interviewformat, dem DAZ.online-Geschichtentaxi, erklärt der CDU-Arzneimittelexperte, was nach dem Urteil vor sich ging und warum er unbedingt der erste sein wollte, der sich für das Rx-Versandverbot ausspricht.

Den 19. Oktober 2016 werden viele Apotheker noch sehr gut in Erinnerung haben. In den Morgenstunden verkündete der EuGH, dass sich EU-Versender wie etwa DocMorris oder Shop Apotheke nicht mehr an die Rx-Preisbindung in Deutschland halten müssen. Was die EU-Versender schon seit Jahren taten, nämlich Rx-Boni anbieten, ist seitdem höchstrichterlich bestätigt. Nur wenige Stunden nach dem Urteil war es der CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich, der öffentlich reagierte und ein Rx-Versandverbot als Reaktion forderte.

Hennrichs Reaktion kam überraschend: Schließlich hatte sich der Gesundheitsexperte selbst noch etwa ein Jahr zuvor im Bundestag gegen ein solches Verbot ausgesprochen. Außer der Linken gab es im Bundestag auch damals keine Fraktion, die das Verbot wollte. Wenige Tage nach dem Urteil und einem Besuch der ABDA-Spitze im Bundesgesundheitsministerium (BMG) äußerte sich dann auch der damalige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe  (CDU): Auch er forderte das Verbot. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Die SPD-Bundestagsfraktion und mehrere Ministerien stemmten sich bis zur Bundestagswahl 2017 erfolgreich gegen das Rx-Versandverbot.

Aber was genau passierte in der Unionsfraktion in den Stunden und Tagen nach dem Urteil? Welche Überlegungen führten zum Rx-Versandverbot? Und hatte man bei CDU/CSU wirklich jemals die Hoffnung, dass das Verbot politisch realisierbar ist? Oder war alles nur Provokation? In einem neuen Interviewformat, dem DAZ.online-Geschichtentaxi hat Online-Chefredakteur Benjamin Rohrer mit Hennrich über die Entwicklungen im Herbst 2016 gesprochen. Hier sehen Sie das ganze Video:


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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7 Kommentare

Vom Taxi zum Kamingespräch ... Format stimmt ... weiter so ...

von Christian Timme am 21.05.2019 um 6:50 Uhr

Schöne Idee ... geht auch als „après“ ... bikes jeder Art etc. ... bei den Damen der Redaktion z.B. „shopping“ ...

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Vom Taxi ... Format ... Nachtrag ...

von Christian Timme am 21.05.2019 um 7:15 Uhr

... und mehr ApothekerInnen vom Land, aus der Stadt ... dann kommt nicht nur dieser „Berliner-Murks“ noch viel besser „rüber“ ...

Das online Geschichtentaxi

von Heiko Barz am 20.05.2019 um 12:25 Uhr

Sehr erleuchtend, lieber Herr Rohrer, war dieses Gesräch sicher nicht, wenn man davon absieht, die Persönlichkeit eines Bundestagsabgeordneten zu offenbaren.
Er ist, nach seinen Aussagen, seit 2002 zu Fragen der Apotheke in wissender Position, denn er sprach von den Protagonisten der Zeit des grundsätzlichen Umbruchs der pharmazeutischen Landschaft 2004. Wir müssen davon ausgehen, dass Herr Hennrich bis ins JOTA“ alle von uns diskutieren Probleme kennen muß. Wie aber ist es dann seinerseits zu begründen, dass er anfänglich für das RxVV eintrat, dann aber nach Spahns Intervention davon Abstand nahm, nun aber wieder, so scheint es, nach Lauterbach, eine Wendung hin zum RxVV. Es erklärt es mir auch nicht, warum Herr Hennrich als „Arzneimittelfachmann“ der CDU nicht in der Lage ist, seinen Fraktionskollegen die Sachlage dieses „Arzneimittelnotstandes“ in der Weise zu erklären, dass es hier nicht nur um die Deutschen Apotheker geht sonder hauptsächlich um die Sicherheit und Versorgungsqualität der gesamten Patientenschaft.
Irrational ist zB dass das RxVV für Tierarznei europaweit als juristisch unbestritten wahrgenommen wird, während in der Humanmedizin dieses Schutzpotential überhaupt nicht zur Diskussion steht. Siehe Valsartan!
Ein faktenorientiertes Schreiben an die Kollegen seiner Fraktion mit bindender Rückantwort könnte die Meinungskultur dieser Partei endlich wiedergeben und wir wüßten nachhaltig um „Ross und Reiter“.
Vielleicht sollten Sie, Kollege Rohrer, eine solche Informationfahrt auch mit dem Fliegenprofessor machen, das wäre sicher erhellend.
Dennoch ist Ihre Aktion dankenswert.
Mit freundlichem Gruß...

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BRAVO

von Gabi Umminger am 20.05.2019 um 9:43 Uhr

gut berichtet, liebes DAZ Team. Jedoch: Geschichtentaxis in Ehren, aber was wir jetzt brauchen ist ein lautstarkes SPRACHROHR_ nicht nur für die Kollgegenschaft, auch für die Endverbraucher. Bei den Kunden ist noch die Meinung weit verbreitet, die Hälfte der Apotheken reichten dicke. Zudem gesellt sich ein gewisser Sozialneid nach dem Motto "denen geht es ohnehin zu gut" . Da die ABDA offensichtlich keine effektive Kampagne plant, sind hier alle anderen gefordert. Der Meinungsäußerung von Fr. Anita Peter mit ihrer Nachfrage nach einer neuen ABDA Spitze werden sich sicherich alle denkend en Kolleginnen und Kollegen anschließen- aber wo bleibt die ABFRAGE der Basis- Meinung? Helfen Sie mit, die Stellungnahmen öffentlich zu machen!

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Gutes Format!

von Clemens Baur am 20.05.2019 um 9:05 Uhr

Ein interessantes Format mit dem richtigen Gast. Mehr davon!
Schöner wäre es allerdings, wenn es nicht nur ein "Geschichtentaxi" wäre sondern es um die aktuelle Entwicklung und die Zukunft gehen würde.
Es ist sicher spannend, Herrn Hennrich zuzuhören, wie er die vergangenen zwei Jahre erlebt hat. Wichtiger für uns ist aber sicher, was in diesen Tagen und den kommenden Wochen passiert.

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.

von Anita Peter am 20.05.2019 um 9:00 Uhr

Auch in diesem Interview sieht man wieder die falsche Denkweise der Politiker. Selbst mit Preisbindung sind wir meilenweit von fairen und gleichen Bedingungen entfernt. Ich bin es leid vom Kontrahierungszwang über NN etc wieder alles aufzuzählen. Experten wie Herr Hennrich müssten alle Punkte aus dem FF kennen, blenden diese aber bewusst aus. Warum weiss ich nicht, ich weiss auch nicht warum man entsprechende Personen damit nicht konfrontiert.
Wenn DoMo ein Rezept nicht gefällt, weil es zu wenig daran verdient, oder der Aufwand zu groß ist, wird es unkommentiert zurückgeschickt. So stellen Sie sich faire Bedingungen vor Herr Hennrich?
Dann beschränkt den Versand innerhalb nationaler Grenzen, denn die deutschen Versender haben den Kontrahierungszwang. Bei TierRXAMs wäre eine solche Beschränkung möglich.
Dinge wir Kontrahierungszwang, Pflicht zum NN etc. sind ohne die Herstellung absolut gleicher Bedingungen nicht mehr zu halten. Um dies Durchzusetzen brauchen wir sicherlich eine neue ABDA Spitze.
Ansonsten wäre es wirklich vernünftiger die hervorragend funktionierende Versorgung mit AMs komplett über den haufen zu werfen, sprich keine PB mehr, kein FBV mehr etc...
Dann möchte ich aber Herrn Hennrich an seine Aussage im Interview erinnern: Man sollte sich immer über die Konsequenzen im klaren sein.

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Glückwunsch

von Christian Springob am 20.05.2019 um 8:58 Uhr

Ein tolles Format!!!
An Herrn Hennrich sieht man, dass es möglich ist, Meinungen zu ändern. Das sollte jeder Politiker vor einem neutralen Hintergrund können.
Hätten wir nicht diese schlafmützig verpennte ABDA, die morgens ewig lange warm duschen muss, bevor das weiche Ei in aller Seelenruhe brav gelöffelt wird, wäre mehr möglich gewesen. Diese schräge Aktion des Unterschriftensammelns Ende 2016 bis in 2017 hinein, die politisch nie als Gewicht eingesetzt wurde, diese schüchterne Verhaltenheit in der Kommunikation und letztlich das absolut nicht verständliche Einknicken im Dezember 2018 vor der Drohgebärde der Marionette Spahn. Hätten wir an der Spitze ordentliche Kommunikationsprofis, die uns auch breit medial vertreten und einen Präsi mit Rückgrat,... aber das Konjunktivieren bringt leider nichts.

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