Kommentar

Die Rx-Boni-Debatte ist eine Blamage für die SPD

Berlin - 10.05.2019, 17:50 Uhr

Seit Jahren wirbt die SPD für mehr Gerechtigkeit in der Gesundheitsversorgung und für eine Gleichbehandlung von PKV- und GKV-Patienten. Gleichzeitig fordert sie unterschiedliche Preise für Apothekenkunden. (Foto: imago images / Revierfoto)

Seit Jahren wirbt die SPD für mehr Gerechtigkeit in der Gesundheitsversorgung und für eine Gleichbehandlung von PKV- und GKV-Patienten. Gleichzeitig fordert sie unterschiedliche Preise für Apothekenkunden. (Foto: imago images / Revierfoto)


SPD will Preise je nach Gusto des Apothekers

Man versteht die Welt nicht mehr: Ein liberaler CDU-Minister bastelt an der Gleichpreisigkeit, während die Anti-Zwei-Klassen-Medizin-Partei unterschiedliche Preise für Apothekenkunden einführen will. Es kann doch nicht im Interesse einer sozialdemokratischen Partei sein, dass Privatpatienten in der Apotheke niedrigere – oder höhere, je nach Gusto des (Versand-)Apothekers – Preise bezahlen müssen als GKV-Versicherte. Wo ist da die Gerechtigkeit, mit der die Sozialdemokraten seit Jahren hausieren gehen?

Wie bizarr und unverständlich das Verhalten der SPD ist, verdeutlicht die aktuelle Stellungnahme des Verbandes der privaten (!) Krankenversicherungen zum Apotheken-Stärkungsgesetz. Wohl gemerkt: Es handelt sich hier um einen Verband, den man aus Sicht der Sozialdemokraten gar nicht bräuchte. Die Stellungnahme der Privatversicherer liest sich wie ein großes Plädoyer für die Festpreise und die Rx-Preisbindung. Natürlich geht es den PKV-Unternehmen auch ums Geld. Aber sie zeigen (unter anderem der SPD), dass es bei der Frage um Rx-Boni eben doch um die Gesundheit der Menschen geht: „Es sollen die Verbraucher – unabhängig vom Versicherungsstatus – und die Sicherungssysteme im Hinblick auf die Unverzichtbarkeit medizinisch notwendiger Leistungen und das Fehlen der Konsumentensouveränität vor überhöhten Preisen geschützt werden“, heißt es dort mit Bezug auf die Festpreise.

Noch hat die SPD eine Chance sich ehrlich zu machen, indem sie das Gesetzgebungsverfahren zum Apotheken-Stärkungsgesetz nutzt, um eine Aufweichung der Rx-Preisbindung zu vermeiden. Zu erwarten ist das allerdings nicht. Und so bleibt die Frage, ja vielleicht sogar die Vermutung, dass es den Sozialdemokraten in der Rx-Boni-Debatte nicht nur um die Interessen der Patienten ging.

Übrigens: Die Argumente in diesem Kommentar gelten auch für die Grünen.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Diesen Artikel teilen:


4 Kommentare

Wer so viel Übung hat ... über die eigenen Füße zu stolpern ...

von Christian Timme am 11.05.2019 um 10:19 Uhr

der wird auch noch den „Endspurt“ bravourös beenden. Wenn die Ampel dann von ... auf ... und ... springt ... sehen die Apothekers aber auch nicht viel besser aus?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Die Grünen

von Norbert Veicht am 11.05.2019 um 9:29 Uhr

Die Forderung der Grünen, die dezentralen Vertriebsstrukturen und wohnortnahen Arbeitsplätze zu zerstören ist sowieso nur mit massiver Korruption zu erklären. Das ist genauso umweltfreundlich wie die Braunkohlekraftwerke.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Spahn und Max Müller

von Conny am 10.05.2019 um 18:27 Uhr

Es wurde halt nicht genug geschrieben und erzählt über Spahn und Müller !!!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Blamage.

von Roland Mückschel am 10.05.2019 um 18:23 Uhr

Die Parteien sind einfach ausgeschämt.
So sagt man bei uns.
Es ist die Unfähigkeit Scham zu empfinden.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.