Digitalisierung im Gesundheitswesen

Estland und Portugal ermöglichen den Austausch von E-Rezepten

Remagen - 07.05.2019, 09:30 Uhr

Estland und Portugal wollen bei E-Rezepten zusammenarbeiten. (c / Foto: imago images / epd)

Estland und Portugal wollen bei E-Rezepten zusammenarbeiten. (c / Foto: imago images / epd)


Zwei Länder im äußersten Nordosten und im äußersten Südwesten Europas machen es vor. Mit der Unterzeichnung eines Abkommens wollen Estland und Portugal den grenzüberschreitenden Austausch elektronischer Rezepte auf den Weg bringen. Das kleine Land im Baltikum gilt in Sachen E-Health als Musterknabe, und auch die Portugiesen haben diesbezüglich schon wichtige Schritte unternommen.

Der estnische Minister für Unternehmertum und IT, Rene Tammist, und Portugals Gesundheitsministerin, Marta Temido, haben ein Abkommen über den Austausch elektronischer Verschreibungen unterzeichnet. Dies meldet die Baltic Times.

Noch in diesem Jahr soll es losgehen. Bis zum Jahresende soll das System voll funktionsfähig sein. „Portugal gehört auf dem Gebiet von E-Health zu den Vorkämpfern in der Europäischen Union und will nun auch zu den ersten gehören, die elektronische Lösungen in die Tat umsetzen“, lobt Estlands IT-Minister Tammist den Vertragspartner aus Südeuropa. „Bislang gab es noch keine E-Health-Projekte zwischen den beiden Ländern. Das Projekt zum Austausch digitaler Verschreibungen könnte zum Vorbild für ganz Europa werden.“ Darüber hinaus wollen die beiden Länder ihre Erfahrungen über E-Health austauschen und Möglichkeiten für weitere Kooperationsprojekte sondieren.

Finnen können Rezepte schon in Estland einlösen

Erste Pflöcke haben die Esten schon mit dem Nachbarland Finnland eingeschlagen. Bereits seit Januar dieses Jahres können finnische Patienten digitale Rezepte aus ihrem Heimatland auch in Apotheken in Estland einlösen. In der zweiten Hälfte soll der umgekehrte Weg für die Bürger Estlands eröffnet werden. Auf lange Sicht soll die Belieferung von E-Rezepten eines Tages dann grenzüberschreitend in allen Mitgliedstaaten möglich sein, so die Hoffnung des estnischen Ministers.

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Estland als Vorreiter bei digitalen Lösungen

Nach der kürzlich vorgelegten Vergleichsstudie „#SmartHealthSystems“ der Bonner Forschungsgesellschaft „empirica – Gesellschaft für Kommunikations- und Technologieforschung“ im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung gehört Estland in Sachen Digitalisierung europaweit zu den fortschrittlichsten Ländern. Die Studie vergleicht die Digitalisierungsstrategien und -fortschritte in Deutschland und 16 weiteren Gesundheitssystemen. Big Data oder telemedizinische Dienstleistungen seien in Estland schon seit mehreren Jahren vollständig umgesetzt, berichten die Autoren. Seit 2009 gebe es ein Netzwerk zum Austausch von Gesundheitsinformationen (ENHIS), seit 2010 einen E-Rezept-Dienst. Mithilfe dieses Dienstes können die Bürger ihre Medikamente auf der Grundlage ihrer elektronischen Identifikation in jeder Apotheke Estlands abholen. Stellt ein Arzt ein E-Rezept aus, so wird es automatisch in das ENHIS hochgeladen. Apotheker können die Verordnung dann herunterladen, den Abgabestatus einsehen, die Abgabe der Medikamente vermerken und andere verschriebene Arzneimittel einsehen. Derzeit sollen nach der Studie mehr als 75 Prozent aller Rezepte in Estland elektronisch sein.

Über das ebenfalls seit 2009 bestehende Gesundheitsinformationsportal „digilugu.ee“ hat jeder estnische Bürger Zugang zum E-Rezept-Dienst. Außerdem können darüber Termine bei niedergelassenen Ärzten online gebucht und persönliche Gesundheitsdaten im ENHIS eingesehen werden. Videokonsultationen und Ferndiagnosen (Arzt-zu-Patient und Arzt-zu-Arzt) sind in dem kleinsten der baltischen Länder ebenfalls gesetzlich erlaubt und routinemäßig in die ambulante Versorgung integriert.

E-Rezept in Portugal seit 2016 Pflicht

In Portugal liegt der  Verbreitungsgrad elektronischer Systeme zur Dokumentation von Gesundheitsdaten bei mehr als 75 Prozent. Jede Gesundheitseinrichtung ist an das nationale Gesundheitsinformationsnetzwerk angeschlossen, und mehr als drei Viertel der Bevölkerung sind davon erfasst. Nach einem Gesetz aus dem Jahr 2016 werden im ambulanten Sektor Rezepte ausschließlich digital ausgestellt und verschickt.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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