Stellungnahme zur Apotheken-Reform

ABDA bringt 320 Millionen Euro für Dienstleistungen ins Spiel

Berlin - 26.04.2019, 11:00 Uhr

Die ABDA legt ihren Mitgliedern eine Beschlussvorlage zur Stellungnahme für das Apotheken-Stärkungsgesetz vor, in der es unter anderem um die Vergütung pharmazeutischer Dienstleistungen geht. (Foto: bro/DAZ.online)

Die ABDA legt ihren Mitgliedern eine Beschlussvorlage zur Stellungnahme für das Apotheken-Stärkungsgesetz vor, in der es unter anderem um die Vergütung pharmazeutischer Dienstleistungen geht. (Foto: bro/DAZ.online)


ABDA würde Impfungen in der Apotheke zustimmen

Der Referentenentwurf sieht bezüglich der Dienstleistungen außerdem vor, dass der GKV-Spitzenverband und der Deutsche Apothekerverband innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes die genaue Ausgestaltung dieser Dienstleistungen vereinbaren. Die ABDA schlägt an dieser Stelle vor, im Gesetz eine Definition zu ergänzen, was eine pharmazeutische Dienstleistung überhaupt ist. Außerdem sollte aus Sicht der ABDA auch gesetzlich geregelt werden, welchen Umfang die Regelung hat, also die genaue Vergütung, Art und Umfang der Leistung, etc. festzulegen.

Was den Vergütungsmechanismus betrifft, ist im Entwurf ein neuer Fonds vorgesehen, der ähnlich wie der Nacht- und Notdienstfonds funktionieren soll. Konkret soll pro Rx-Packung ein fixer Cent-Betrag in den Fonds gehen. Pro geleisteter Dienstleistung soll der Fonds dann Pauschalen an die Apotheker auszahlen. Die ABDA schlägt in ihrer Beschlussvorlage dazu vor, dass der beim DAV angesiedelte Nacht- und Notdienstfonds diese Aufgaben übernimmt.

ABDA ändert Meinung zum Impfen

Ein weiterer spannender Punkt in der Beschlussvorlage für die außerordentliche Mitgliederversammlung ist die Einstellung der Apotheker zum Thema „Impfungen in der Apotheke“. Zur Erinnerung: Die ABDA hat jahrelang jegliche Ambitionen hierbei ausgeschlagen. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hatte immer wieder betont, dass er sich Impfberatungen in der Apotheke vorstellen könne, aber keine Impfungen. Die Apotheker wollten damit einem Konflikt mit der Ärzteschaft aus dem Weg gehen. Doch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn blieb dran an diesem Thema und will im SGB V nun erstmals Modellvorhaben ermöglichen, bei denen Apotheker Patienten in der Apotheke in gewissen Indikationen impfen. Über die genaue Ausgestaltung dieser geplanten Neuregelung und die genauen Bedingungen für das Impfen hatte DAZ.online bereits ausführlich berichtet.

Die ABDA will nun offenbar nicht länger Widerstand leisten gegen die Pläne des BMG und signalisiert in ihrer Beschlussvorlage eine „grundsätzliche Zustimmung“ zu den Modellvorhaben. Nur eine Anmerkung hat die Standesvertretung zu der Neuregelung: Aus Sicht der ABDA sollte klargestellt werden, dass keine Vereinbarungen mit einzelnen Apotheken oder Gruppen von Apotheken abgeschlossen werden.

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Dass die Vorschläge der ABDA dem BMG auch genauso präsentiert werden, ist aber nicht gewiss. Insbesondere beim Thema Impfungen in der Apotheke ist es vorstellbar, dass sich die ABDA-Mitglieder einbringen, um einem Konflikt mit der Ärzteschaft aus dem Weg zu gehen. Die Entscheidung über die genauen Formulierungen in der Stellungnahme trifft die ABDA-Mitgliederversammlung.

In einem zweiten Text am heutigen Freitag werden wir auf weitere wichtige Punkte in der Beschlussvorlage der ABDA eingehen, unter anderem wird es um die Gleichpreisigkeit, die Länderliste und Arzneimittel-Abgabeautomaten gehen.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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7 Kommentare

Ehrliche Antwort

von Stefan Haydn am 30.04.2019 um 19:34 Uhr

Man möge mir die deutlichen Worte verzeihen,

ABER ICH SCH..... AUF DIESES VERGIFTETE GELD!

Ich will meine Grundleistung von der ALLE Patienten profitieren erst mal vernünftig und nicht defizitär bezahlt bekommen, bevor ich die nächste "Dienstleistung" bei der Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis stehen aufs Auge gedrückt bekomme.

Also erst deutliche Honorarerhöhung, dann vielleicht der Rest!

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Die Abda schlägt vor...

von Kleiner Apotheker am 29.04.2019 um 8:29 Uhr

Für die einen ist es vielleicht ein Spiel mit Zahlen, für mich ist es eine Existenzfrage. Wenn die Rezepte der chronisch Kranken weg sind, wird es sehr eng. Da nützen mir die Impfungen und Zusatzberatungen für Summe X nichts.
Einziger Weg aus meiner Sicht ist ein Versandverbot für RX.

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Vielleicht wurde ja wirklich fleißig zuende gerechnet...

von Benjamin Schäfer am 26.04.2019 um 19:40 Uhr

Jetzt könnte man ja mal schnippisch nachfragen, ob die 320 Millionen nicht nur auf den neuen Dienstleistungen basieren, sondern auch auf einer insgeheim angepeilten Zahl X an überlebenden Apotheken. Nehmen wir mal grob an die Hälfte bliebe auf lange Sicht bestehen. Dann sind es gemäß Herr Müllers Rechnung mal eben 120 € pro Tag pro Apotheke. Das wär dann immerhin zumindest mal fast eine Vollzeit Apothekerstelle, die sich den ganzen Tag mit den neuen namenlosen Dienstleistungen beschäftigen könnte... Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Gespräche der hohen Tiere (Spahn, Schmidt, Kiefer) ohne Erwähnung einer zur Versorgung benötigten Mindestapothekendichte auskommen. Und falls bereits über solche Zahlen gesprochen und entschieden wurde, finde ich es zutiefst respektlos gegenüber den selbstständigen Apothekern und denen die überlegen es zu werden da nicht JETZT ehrlich reinen Wein einzuschenken und offenzulegen, wie viele Apotheken wir geschäftlich über den Jordan gehen lassen müssen, damit die "Reformer" glücklich sind. Vielleicht will man keine Panik verbreiten, ok, verständlich. Leises Ausbluten wird scheinbar von der Mehrzahl akzeptiert. Der Markt regelt wie man so schön sagt. Aber schuldet man denjenigen, die ihrer vollen Lebensplanung dem Thema Apotheke widmen, zig Notdienste an Feiertagen und Wochenenden geschoben haben und schieben und wesentliche Beiträge zur Versorgung unter Zurücknahme eigener Interessen über Jahrzehnte geleistet haben nicht trotzdem eine klare Aussage, ob man sie noch will und braucht? Oder wird letztlich alles schulterzuckend auf unternehmerisches Risiko runtergekürzt (was ich leider mittlerweile auch von vielen Kollegen so höre und lese) Der Versorgungsauftrag einer inhabergeführten Apotheke hatte für mein Verständnis immer ein oder zwei Stufen mehr Ehre, Verantwortung und Opferbereitschaft als die reine Selbstständigkeit zu bedeuten. Aber ok, diese Eigenschaften traut man jetzt der digitalen Welt zu, oder meint sie ja gar nicht mehr zu brauchen, weil jeder Mensch - jeder Patient mündig und compliant bis ins hohe Alter problemlos von Arzneimitteln aus Päckchen leben kann. Soziale Kontakte, Begegnungen mit echten Menschen vom Fach werden da wohl einfach überbewertet und werden genauso wenig gebraucht, wie die Pferdekutsche in einer motorisierten Stadt. Vielleicht kommt ja zukünftig der Apotheker noch an Hochzeiten traditionell zum Einsatz, indem er die Pferdeköttel geschickt mit alten übriggebliebenen Umschau-seiten aufsammelt. Nein - im Ernst So wie man romantisch den Pferdenkutschen unter der Symbolik der Entschleunigung gedenkt, wird man vielleicht auch mal uns nostalgisch unter der Rubrik der vertrauensvollen freien Berufe hinterhersinnen.

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Erneutes Nachhaken: So geht es nicht weiter

von Wolfgang Müller am 26.04.2019 um 13:17 Uhr

Auch hier wieder: Keine Eckdaten, wie die DAZ diesmal dankenswerterweise gleich selber kritisch anmerkt, diesmal von der ABDA/der BAK. Wie beim Impfen, bzgl. Gutachten Prof. May "800 Mio Einsparungen pro Jahr, wenn Apotheker Grippe-impfen".

Falls die nun geforderten 340 statt 150 Mio. Euro pro Jahr für "Dienstleistungen" (= 17.000 pro Apotheke pro Jahr, ca. 60 Euro pro Arbeitstag) irgendwie von der BAK-Arbeitsgruppe "sauber" aus konkreten einzelnen Dienstleistungen hergeleitet worden sein sollten: Wird das jetzt auch erstmal streng geheim gehalten werden, damit böse Numbercruncher wie ich das nicht auseinandernehmen können? Es zerreden", oder wie Kiefer sagt: "Es wird immer zu wenig sein!", ohne dazu zu sagen, „Findet euch gefälligst damit ab, Elende“?

Glaubt hier irgend jemand im Ernst, bei Ärzten, Rechtsanwälten, Steuerberatern wäre es möglich, bei konkret vorliegenden "60 Euro pro Tag" seitens der Standesvertreter in diesem forgeschrittenen, hoch kritischen Stadium nicht berufsöffentlich zu konkretisieren, WAS um Himmels Willen dafür wohl geleistet werden soll? Die würden solch eine Infantilisierung niemals dulden, die selbsternannten Kindergärtner würden ausgelacht und weggeschickt (vorsichtig formuliert) werden.

Thema Impfen, zum Dritten: Wenn ich richtig liege, und Prof. May ca. 10 – 15 Mio. Patienten von Apotheken impfen lassen will, dann sind das pro Apotheke pro Impfsaison 500 - 750 Patienten, also vielleicht 7 - 15 pro Tag auf die „heißen“ 2 – 3 Monate, vielleicht stehen dann auch mal 50 - 100 dafür an. Was ist denn nun, was stellt sich die ABDA vor, wie das gehen soll? Sollen wir das ohne Honorar machen, weil wir ja schon am Impfstoff "verdienen", oder für 5000 Euro oder für 10.000 Euro? Welch Letzteres aus dem May-Gutachten zumindest ja "erahnt" werden könnte? Was ja dann langsam interessant werden könnte/oder auch nicht, wegen unnötiger Überkomplexität der Umstände?

Aber ich weiß ja: Bloß keine Flucht ins Konkrete, Herr Müller, es geht ja schließlich „nur“ um „Identitäts-Stiftung für den Beruf insgesamt“. GEHEIM bis zum allgemeinen Erbrechen, wenn es dann auf einmal vollkommen versaut aus der Geheimhaltung heraustritt. Wie die 2,50 Rx-Boni des FS/Spahn Geheimpaktes.

Ganz ehrlich, die ABDA sagt doch hier ganz versöhnlich/vernünftig selber, es muss eine konkrete Honorarordnung her. Aber hochwohlmögende Kolleg/innen, die muss von EUCH (und eigentlich: von UNS) kommen! Ihr habt doch da nach 8 Jahren "Arbeitsgruppe Honorar" und jetzt "340 Mio." schon längst was. Ist das für uns DERMASSEN schlimm/dermassen offensichtlich DEFIZITÄR, dass ihr euch nicht mit uns, euren "Kleinkindern" einfach vollkommen offen darüber zu reden traut?

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Honorar

von Anita Peter am 26.04.2019 um 11:08 Uhr

Wir brauchen erstmal eine deutliche Anhebung des Honorars für die jetzigen Leistungen! Kapiert das die ABDA nicht?

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AW: Nicht zu glauben, oder ?

von Mathias Mallach am 26.04.2019 um 12:04 Uhr

Wir können auch 100 Milliarden fordren und Spahnwürde sogar zustimmen, weil es sowieso nur fiktiv ist. Es gibt keine Leistungsübersicht, geschweige denn eine Preisliste. Das ist ein fiktiver Preis für eine fiktive Leistung. Das als Verhandlungsmasse anzubieten, ist sowas von naiv.
Ich will auch nicht mit den Ärzten streiten, ich will (und kann) nicht impfen. Und schon gar nicht für 1€ inkl. Spritze !!!

AW: Honorar

von Roland Mückschel am 26.04.2019 um 12:12 Uhr

Da kann ich nur Frau Peter beipflichten.
Weg von dieser all inclusive Einstellung, Definition der
einzelnen Leistungen, Bewertung der einzelnen Leistungen,
dann einen kräftigen Aufschlag wegen 15 jährigen
Ausschluss an der volkswirtschaftlichen Entwicklung.
Hört sich das utopisch an?
Finde ich nicht. Man muss halt mal anfangen zu fordern.
Und kein Ringelpietz mit anfassen bei Spahn.
Eher die Drohinstrumente auspacken und zeigen.
Können wir nicht? Sehr wohl.

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