BfArM

Neue Zulassungsbeschränkungen für Ciprofloxacin und Co. – was ändert sich?

Berlin - 08.04.2019, 13:30 Uhr

Gibt es demnächst weniger Fluorchinolon-Rezepte? Das BfArM schränkt viele typische Hausarzt-Indikationen von Ciprofloxacin&Co wegen des Risikos für schwerwiegender Nebenwirkungen ein. ( r / Foto: Schwanenapotheke Stuttgart)

Gibt es demnächst weniger Fluorchinolon-Rezepte? Das BfArM schränkt viele typische Hausarzt-Indikationen von Ciprofloxacin&Co wegen des Risikos für schwerwiegender Nebenwirkungen ein. ( r / Foto: Schwanenapotheke Stuttgart)


Kein gutes Paar: Steroide und Fluorchinolone

Patienten, die älter als 60 Jahre alt sind, Corticosteroide bekommen, unter einer eingeschränkten Nierenfunktion leiden oder eine Organtransplantation hinter sich haben, ist das Risiko für eine Sehnenschädigung erhöht. Deshalb ist bei diesen Patienten die Indikationsstellung sorgfältig zu wählen. Die Kombination von Kortikosteroiden und Fluorchinolonen sollte vermieden werden.

Bei schmerzenden Extremitäten: Ruhig stellen und Arzt kontaktieren

Patienten, die schwerwiegende Nebenwirkungen bemerken, sollten die Fluorchinolon-Einnahme unverzüglich abbrechen. Zu den Anzeichen gehören Kribbeln, Brennen, Schmerzen oder auch Taubheitsgefühle in den Extremitäten. Um eine Sehnenriss zu vermeiden zu vermeiden, sollten die Betroffenen die schmerzende Extremität ruhig stellen. Darauf müssen Zulassungsinhaber in ihren Packmitteltexten hinweisen. 

Außerdem muss in Fach- und Gebrauchsinformation künftig stehen, dass die Nebenwirkungen auch erst 48 Stunden nach Behandlungsbeginn oder sogar mehrere Monate nach dem Absetzen auftreten, lang anhaltend oder gar für immer bleiben können.

Oktober 2018: Rote-Hand-Brief wegen Aortenaneurysmen

Der Rote-Hand-Brief des heutigen Montags ist nicht der einzige, den Heilberufe wegen Fluorchinolonen in den vergangenen Monaten erhalten hatten. So warnte das BfArM Ende Oktober 2018, dass systemisch und inhalativ angewendete Fluorchinolone das Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen erhöhen können, insbesondere bei älteren Personen. Bei Patienten mit einem Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen sollten Fluorchinolone nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und Berücksichtigung anderer Therapiemöglichkeiten angewendet werden. 



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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4 Kommentare

Cipro

von Nicole am 02.10.2019 um 8:41 Uhr

Hallo Zusammen,
ich habe letztes Jahr im Juni Cipro verschrieben bekommen, habe es genommen und leide nun unter einem Leaky Gut, kann weder Obst noch Fleisch, noch Brot, Nudeln, etc zu mir nehmen. Gibt es hier weitere Patienten, die nach der Einnahme unter Schäden am Darm bzw. Verdauungsaparat leiden?
Lieben Gruß.

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Endlich passiert was - für mich leider zu spät

von Stefanie am 11.04.2019 um 16:11 Uhr

Ich bin froh, dass endlich was passiert. Hatte letztes Jahr September eine akute Blasenentzündung und habe Cipro bekommen. Vier Tage später konnte ich nicht mehr laufen, akute Plantar- und Achillessehnenentzündung, vier Wochen krank geschrieben, laufen nur an Krücken möglich, 6 Monate kein Lauftraining mehr. Hatte vorher nie Probleme. Der Arzt hat bestätigt, dass das Antibiotikum schuld war, zwar kann ich langsam wieder mit joggen anfangen, aber nicht mehr in der Intensität wie vorher. Spätfolgen unklar. Daher kann ich allen nur zur Vorsicht raten.

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Ab cibrofloxacin

von Sissi Malcharek am 11.04.2019 um 9:55 Uhr

Leider gibt es viele Ärzte, die den Patienten als Dummchen hinstellen möchten. Aber Gott sei Dank ist es so, das sich viele Patienten informieren, weil sie ja von den Ärzten keine oder ungenügende Antworten bekommen. Du bist trotz Aufgeklärtheit immer noch vielen "ausgeliefert". Ich muss immer wieder diese unschöne Erfahrung machen, weil ich chronisch krank bin, und darauf angewiesen bin, mal zum Arzt zu gehen. Es gibt trotz allem ein paar, die sich den Menschen annehmen, Hut ab. Aber leider sind die mächtig überlaufen. In diesem Sinne, passt auf euch auf, und lasst eure Gesundheit nicht aus den Augen.

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Ciprofloxacin

von Birgit Klein am 11.04.2019 um 9:28 Uhr

Endlich, wurde auch Zeit, damit die Ärzte mal Bescheid wissen. Bin seit Nov. 2017 durch Ciprofloxacin geschädigt. Habe mich mühsam wieder einigermaßen durchgekämpft und habe immer noch Spätschäden. Weiß nicht wie lange das noch dauert und besser wird oder überhaupt nicht mehr anders wird. So wie früher kann ich nicht mehr arbeiten. Das ist vorbei. Niemand hat mir das bestätigt, dass diese Probleme vom AB gekommen sind. Kein Arzt. Immer nur abgewunken. Ciprofloxacin ist doch ein hervorragendes AB, das kann man mit gutem Gewissen einnehmen, hilft gut und schnell. Ja, wegen einer Blasenentzündung, die ich halt leider nicht mit verschiedenen Hausmittelchen wegbekommen habe. So, gegen diese Ärzte hätte ich gerne mal was unternommen. Aber wer hilft einem hierbei. KEINER!!! Die sind immer am längeren Hebel.

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