Sotagliflozin: FDA und EMA sind uneinig

Orales Add-on bei Typ-1-Diabetes: Überwiegt der Nutzen das Risiko?

Stuttgart - 04.04.2019, 15:15 Uhr

Was, wenn Typ-1-Diabetes-Patienten ihren Blutzucker trotz optimaler Insulin-Therapie nicht in den Griff bekommen? Können orale Antidiabetika ein sinnvolles Add-on sein? (c / Foto: Creativa Images / stock.adobe.com)

Was, wenn Typ-1-Diabetes-Patienten ihren Blutzucker trotz optimaler Insulin-Therapie nicht in den Griff bekommen? Können orale Antidiabetika ein sinnvolles Add-on sein? (c / Foto: Creativa Images / stock.adobe.com)


Metformin, GLP-1-Analoga und Gliflozine bei Typ-1-Diabetes: Was die Leitline dazu sagt

In der DAZ 50/2015 wurde über zwei klinische Studien berichtet, die Wirksamkeit und Sicherheit von Metformin und Liraglutid (GLP-1-Analogon, Glucagon-like peptide-1) als Add-on-Behandlung zur Insulintherapie untersucht haben. Und auch die AWMF-Leitlinie zu Typ-1-Diabetes setzt sich mit oralen Antidiabetika als Add-on auseinander: Metformin, GLP-1-Analoga und SGLT-2-Inhibitoren.

Der Leitlinie zufolge zeigt die zusätzliche Behandlung mit Metformin bei Typ-1-Diabetes je nach Studie unterschiedliche (positive oder keine) Effekte auf HbA1c, Gewicht und Insulinbedarf. In der Fachinformation zu Metformin liest man, dass der klinische Nutzen nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Und so empfiehlt die Leitlinie, dass Metformin für das alleinige Therapieziel „Verbesserung der glykämischen Kontrolle“ zusätzlich zu Insulin bei Typ-1-Diabetes nicht erfolgen sollte. Liegen aber kardiovaskuläre Risikofaktoren und Übergewicht/Adipositas vor, könne die zusätzliche Gabe erwogen werden, wobei der Zulassungsstatus von Metformin zu beachten sei. 

Nebenwirkungen unter Gliflozinen: nicht nur bei Diabetes Typ 1

Auch bei Liraglutid zeigen sich der Leitlinie zufolge in der Kombination mit Insulin positive Effekte, allerdings gibt es als Nebenwirkung auch einen dosisabhängigen Anstieg hyperglykämischer Ereignisse mit gleichzeitiger Hyperketonämie. So stieg auch das Risiko für Diabetische Ketoazidosen (DKA). „Aufgrund dieser Gefahr bleibt der klinische Nutzen von Liraglutid bei Typ-1-Diabetes trotz der positiven Effekte auf HbA1c, Gewicht und Insulinbedarf limitiert“, heißt es in der Leitlinie. Und so liest man auch in der Fachinformation: „Liraglutid sollte nicht bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 oder zur Behandlung der diabetischen Ketoazidose angewendet werden.“ 

SGLT 1 und 2: Der Unterschied

Die beiden Gliflozine Dapagliflozin und Empagliflozin sind wie Sotagliflozin SGLT-Inhibitoren (sodium-dependent glucose transporter). Allerdings hemmen sie 1000-fach selektiver SGLT2 als SGLT1.
SGLT2 wird in der Niere stark exprimiert und ist maßgeblich für die Rückresorption von Glukose aus dem glomerulären Filtrat. Die Expression in anderen Geweben fehlt oder ist dort sehr gering.
SGLT1 ist der maßgebliche Transporter für die Glukoseresorption im Darm. Sotagliflozin soll sowohl SGLT2 als auch SGLT1 hemmen. Es wirkt also auf die Glukoseresorption in Niere und Darm. 

Übrigens: Alpha-Zellen in den Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse exprimieren auch SGLT2-Rezeptoren. Werden diese durch Gliflozine blockiert, wird eine Hypoglykämie imitiert, was die Ausschüttung von Glukagon verstärken kann. Das kann zur Entstehung von Ketoazidosen beitragen.

Was sagt die Leitlinie nun zur Kombination von Insulin mit Gliflozinen bei Typ-1-Diabetes?



Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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