Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

31.03.2019, 08:00 Uhr

Zurück zum Rx-Versandverbot? Noch ist die ABDA davon nicht überzeugt. Noch. (Foto: Andi Dalferth)

Zurück zum Rx-Versandverbot? Noch ist die ABDA davon nicht überzeugt. Noch. (Foto: Andi Dalferth)


27. März 2019

Rechtzeitig vor Ostern: Die Wiederauferstehung des Rx-Versandverbots kommt – könnte man meinen. Die bayerische Gesundheitsministerin ist vorangegangen und die bayerischen Regierungsfraktionen haben sogar einen Dringlichkeitsantrag dafür in den Landtag eingebracht. Und jetzt kommt sogar die Bayerische Landesapothekerkammer aus der Deckung und fordert wie bereits schon die Kammern von Hessen, Brandenburg und der Hamburger Apothekerverein die ABDA auf, wieder das Rx-Versandverbot zu fordern. Also, nix mit dem weichen Spahnschem Boni-Verbot, sondern harte Nägel mit Köpfen und Schluss mit dem Versand verschreibungspflichtiger Arzneimittel. Außerdem geht der bayerische Kammervorstand nicht davon aus, dass mit dem Spahnschen Maßnahmen die Gleichpreisigkeit hergestellt werden könne. Das sei alles nicht sicher, außerdem gelte sie dann nicht für Privatversicherte und eine Streichung des Rx-Boni-Verbots aus dem Arzneimittelgesetz ist sowieso nicht nach bayerischem Geschmack. Mein liebes Tagebuch, da brodelt es, zumindest ein wenig. Die ABDA sieht in den vorösterlichen Unruhen allerdings noch keine Veranlassung zu handeln. Sie zögert und will erst die genauen Formulierungen eines Referentenentwurfs zur Apothekenreform abwarten. Mein liebes Tagebuch, kann man machen, muss man aber nicht, denn was da drin steht, kann man sich an den fünf Fingern abzählen. 


Mein liebes Tagebuch, wie finden wir das denn? Die Verbraucherzentrale Hamburg warnt auf ihrer Internetseite vor Arzneimittelbestellungen bei Versandhändlern. Sie empfiehlt sogar, dringende Medikamente nie online zu bestellen. Wie drollig ist das denn? Die Landesebene erkennt die Gefahren und rät dringend davon ab, während sich der Dachverband der Verbraucherzentralen  für den Rx-Versand einsetzt. Ist schon eine verrückte Welt, oder? Vielleicht muss erst noch etwas passieren, dass auch die Verbraucherverbandsspitze aufwacht. 


Der Druck der Bundesländer ist auch „oben“ zu spüren: Sie fordern schon lange die Importförderklausel endlich zu streichen. Der Spahnsche Gsetzentwurf hält allerdings noch, wenn auch leicht modifiziert, an den Zwangsimporten fest. Jetzt hat sich das Bundeskabinett mit der Stellungnahme des Bundesrats zu diesem Thema befasst – und will eine Streichung der Importförderklausel zumindest prüfen. Mein liebes Tagebuch, vielleicht tut sich da noch was. Vielleicht wird dieser anachronistische Zopf endlich mal abgeschnitten. Wäre eine kleine Osterfreude.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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6 Kommentare

Die Meinung der Anderen

von Christian Giese am 01.04.2019 um 14:57 Uhr

Wenn ich etwas wil, muss ich mir Gedanken machen, was die Meinung meines Gegenüber ist, muss mich aufgeschlossen desen Meinung zeigen und schauen, ob ich mein Wollen dort erfolgreich unterbringen kann.
Wenn ich aber nur gebetsmühlenartig meinen Standort klopfe, nur das Problem von meiner Seite aus vortrage, mich noch aus Selbstdarstellungsgründen meine, mich darstellen zu müssen, erreiche ich gemeinhin nichts.

Die Motivation, Meinung, eines durchschnittlichen Bundestagsabgeordneten ist ganz klar von einem "Wiedergewählt werden wollen" bestimmt. Heisst wiedergewählt in die nächste Wahlperiode Bundestag von seinem Wahlkreis zuhause.
Ein "Wiedergewählt" werden wollen schmückt sich nicht mit einem harten "Verbieten", einem "Verbot" für z.B. RxVV eines Berufsstandes. Ein "Wiedergewählt werden wollen" schmückt sich mit positiven Zukunftsabsichten, optimistischen Zukunftsplänen und Zukunftsversprechungen, eben mit Freiheiten.
Niemals mit einem negativen Verbot! Ein Verbot ist ein viel zu negatives Wort, Bild, Narrativ für einen durchschnittlichen Abgeordneten, egal welcher Partei.
Also ganz klar Sackgasse für ein RxVV!
Verbote lassen sich aber umschreiben. So wie Gleichpreisigkeit besser durch Preisbindung ersetzt wwerden könnte. Ein Verbot etwa durch eine Untersagung oder eine Nichterlaubnis o.a.
Da liesse sich noch mancher Jurist oder Soziologe befragen und bitten.
Zu all diesen beobachteten, unausgesprochenen Motivationen könnte auch unser Altherrenverein ABDA etwas mehr Aufklärung seinen Mitgliedern vorschlagen.
Es wäre erheblich mehr Zuversicht und Kampfesmut im Stall!

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Und dennoch:

von Michael Mischer am 01.04.2019 um 9:51 Uhr

Ein Rx Versandverbot wirkt, nachdem der Versand so lange möglich war und in einer Zeit, in der einige Menschen buchstäblich alles bei Lieferdiensten und Versandhändlern bestellen, wie aus der Zeit gefallen.

Auch wenn es der stringenteste Weg zur Durchsetzung gleicher Preise und zum Schutz der niedergelassenen Apotheke mit ihrem Versorgungsauftrag wäre - politisch ist das Selbstmord. Das ist meiner Meinung nach auch der Grund dafür, warum wir außer Sonntagsreden nichts dergleichen gesehen haben und sehen werden.

Vielleicht ist der Preiswettbewerb bei PKV-Versicherten die Kröte, die wir schlucken müssen - wenn es dafür ein Verbot von Boni und anderen Zuwendungen bei GKV-Versicherten gibt. Immerhin trägt da das Argument, dass die Allgemeinheit diese Boni über die Sozialabgaben finanziert und sie dem Einzelnen schlicht nicht zustehen. Gleichzeitig könnte doch die Öffnung im PKV-Markt den EuGH befrieden. Apotheker könnten dann die größen Fans der Bürgerversicherung werden. Und etwas besseres werden wir nicht bekommen.

Denn leider sehe ich nicht, wie eine gezeilte Strukturförderung der Gemeinwohlaufgaben der Apotheke funktionieren könnte, wo unsere Vorgänger doch die Niederlassungsfreieheit erkämpft haben. Ein Kassenzulassungssystem wie bei den Ärzten würde da vieles einfacher machen...

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Rücktritt

von Conny am 31.03.2019 um 12:20 Uhr

Tja, wer hat Schmidts Rücktritt immer gefordert und wurde angegriffen ? Richtig Frank ebert und Conny. Jetzt dämmerts auch manch anderen was für eine Chaostruppe wir als ABDA spitze haben.

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AW: Rücktritt ...

von Christian Timme am 31.03.2019 um 15:40 Uhr

FS suchte am Anfang seiner ersten Diensrzeit den Kontakt zur Basis. Die damals auf ihn einwirkenden Kräfte haben dieses Unterfangen abgewürgt ... mit fatalen Folgen. Er kann „mehr“ hat sich aber leider zur „Briefmarke„ machen lassen. Diese „Kräfte“ sind jetzt gefordert ... Intelligenz kann man nicht „verordnen“u ...

Bühler will “sehen“ ...

von Christian Timme am 31.03.2019 um 10:54 Uhr

Der Präsident der ABDA und der Gesamtvorstand der ABDA sollten sich jetzt am Diskussionsverhalten dieses jungen Pharmazeuten orientieren und „blitzartig“ nachvollziehbare Antworten liefern. Oder rollt hier e i n Pharma-Youngster den ganzen ganzen „ABDA-Laden“ auf und schickt diese „Grau-Kittel“ in die Rente? ... Liebe ABDA ... der Nachwuchs ist da ... A UF W A C H E N ...

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Ofenkrusti und Generationswechsel

von Ulrich Ströh am 31.03.2019 um 9:13 Uhr

-Wenn apothekerliche Ofenkrusti und Wasserweck es bis zum BGH und es auf Seite 1 der gestrigen WELT schaffen,dann brauchen wir uns nicht wundern,dass es mit einer angemessen bezahlten Medikationsanalyse nicht und nie klappen wird..

-Der Generationswechsel bei der ABDA ist überfällig..

Gut formuliert Ihr Schlusssatz, Herr Ditzel:
„Wir brauchen jüngere Apotheker,die sich nicht n der Verbandsmühle der ABDA kleinschroten lassen.“

Die fehlen aktuell.
Ein bisschen Opposition reicht nicht.

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