Protestmarsch

Rund 500 Apotheker protestieren in Berlin gegen den Versandhandel

Berlin - 24.03.2019, 19:40 Uhr


May: Die SPD macht mich wütend!

Wilke erklärte, dass er und seine Kollegen die Arzneimittelversorgung auch in den kommenden 30 Jahren noch aufrechterhalten wollen – doch dazu brauche es sichere Rahmenbedingungen aus der Politik. Mehrfach wies er auf den Mehrwert der Apotheke gegenüber dem Versandhandel hin. Die Apotheken sind mehr als reine Medikamenten-Verkaufsstellen. Sie sind ein wichtiger Pfeiler im Gesundheitswesen. Sie sind Orte des Vertrauens, sie sind Orte der Geborgenheit, sie sind Orte der sozialen Wärme.“ Er erinnerte zudem an das Versandverbot für Tierarzneimittel, das das EU-Parlament beschlossen hatte und leitete daraus die Frage ab, was die Politik abhalte, auch für Humanarzneimittel ein solches Verbot zu beschließen.

Es folgte die Ansprache von Andreas May, Erster Vorsitzender der Apothekengewerkschaft Adexa. Die Adexa hatte in der vergangenen Woche ihre Teilnahme erklärt und in den sozialen Netzwerken sowie via Pressemitteilung zur Teilnahme am Protestmarsch aufgerufen. May erklärte, warum es auch die Vertretung der Apothekenangestellten stört, dass „Rezepte nach Holland gehen“. Denn: „Weil sie dann nicht in den Apotheken vor Ort abgegeben werden. In Apotheken, die ihre Kunden ganz persönlich und richtig gut beraten. In den Apotheken, die Nacht- und Notdienste machen – und die viele andere Gemeinwohlaufgaben übernehmen.“

Wie Wilke und später auch Maria Zoschke in ihrer Rede wies auch May auf die Gefahren hin, die die sinkende Apothekenzahl mit sich bringt. „Wenn die einzige Apotheke auf dem Land im Umkreis von 15km schließt, tut das wirklich weh! Vor allem für die Patienten dort! Aber auch für die Mitarbeiter, die keinen Arbeitsplatz mehr haben. Und für die junge Leute, die ihre Ausbildungsplätze in der Region verlieren.“ Er erklärte, dass auch die Angestellten die Unsicherheit der Inhaber spürten. „Wo wir als Angestellte diese Untätigkeit der Politik noch spüren: bei unseren Tarifverhandlungen! Die wirtschaftliche Lage ist seit zweieinhalb Jahren unsicher – und die Arbeitgeber mauern. Das ist für die Mitarbeiter in den Apotheken total bitter“, so der Adexa-Vorsitzende.

May erinnerte zudem an den Koalitionsvertrag, in dem das Rx-Versandverbot festgehalten ist. Insbesondere in Richtung SPD teilte er aus: „Was mich beim Koalitionspartner SPD erschreckt: Das ist die Gleichgültigkeit, mit der diese Partei über zweieinhalb Jahre die Arbeitsplätze von vielen Kolleginnen und Kollegen aufs Spiel gesetzt hat! Zugunsten des Großkapitals. Zugunsten multinationaler Großkonzerne wie Amazon und Co. Denn die stehen ja schon in den Startlöchern, sobald die Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente fallen würde. Das macht mich einfach wütend!“

Gegen 17.15 Uhr löste sich die Versammlung auf.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

ABDA im OFF ...

von Christian Timme am 25.03.2019 um 1:00 Uhr

Die erste Gegenstimme zum Berliner BlaBla-Monopol ... da geht hoffentlich noch mehr ... die Apotheken haben es verdient gehört zu werden ... denn die Leistung am Kunden wird täglich Vorort erbracht ... und nicht in „Videoschnipseln“ aus Berlin.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: ABDA im OFF

von Christiane Patzelt am 25.03.2019 um 9:52 Uhr

:-D

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