Nachwuchs-Initiative

Apotheker bereiten sich auf Protestmarsch vor

Berlin - 18.03.2019, 12:30 Uhr

Zahlreiche Apotheker haben die Kampagnenmotive von #rettedeineapotheke bereits in ihrer Apotheke aufgehängt. (m / Foto: privat)

Zahlreiche Apotheker haben die Kampagnenmotive von #rettedeineapotheke bereits in ihrer Apotheke aufgehängt. (m / Foto: privat)


Der von den drei Nachwuchsapothekern Maria Zoschke, Maximilian Wilke und Dr. Joachim Schrot geplante Protestmarsch nimmt Formen an. Die drei Pharmazeuten hatten die Demo kürzlich offiziell angemeldet, um für den Erhalt der Apotheken vor Ort und gegen zu viel Einfluss internationaler Großkonzerne auf das deutsche Gesundheitswesen zu protestieren. Nun gibt es die ersten Plakate der Kampagne. Immer mehr Apotheker sagen zu und hängen die PR-Poster in ihren Apotheken auf.

Die Intensivierung des EU-Vertragsverletzungsverfahrens gab den Anlass: Die drei jungen Apotheker Maria Zoschke, Maximilian Wilke und Dr. Joachim Schrot wollten ein Zeichen setzen. Kurzerhand schlossen sie sich zusammen, definierten wichtige Aussagen ihrer Kampagne und meldeten ganz offiziell einen Protestmarsch in Berlin-Mitte an. Mittlerweile stehen die Eckdaten genau fest: Am kommenden Sonntag, dem 24. März 2019, soll es ab 15 Uhr am Bahnhof Friedrichstraße (Dorothea-Schlegel-Platz) losgehen. Um 16.30 Uhr ist dann eine Abschlussveranstaltung am Brandenburger Tor geplant.

Der spontane Plan der drei Apotheker hat sich im Apothekerlager herumgesprochen, der Zuspruch in den sozialen Netzwerken ist groß. Kurzfristig haben die drei neue Accounts auf Facebook und Twitter eingerichtet und posten dort regelmäßig neue, ausgefallene Kampagnenmotive: „Apotheke weg = Innenstädte leer = Menschen traurig“, heißt es dort. Oder: „Nicht nur Bienen sind wichtig für Menschen. #rettedeineapotheke.“ Und: „Ihr so: Aua. Wir so: Helfi, helfi.“

(Foto: Wilke)

Inhaltlich richtet sich der Protestmarsch klar gegen weitere Deregulierungen im Apothekenmarkt und gegen den sich daraus ergebenden, wachsenden Einfluss der EU-Versender. In einer Pressemitteilung der drei Apotheker heißt es dazu: „Wir sind drei junge Apotheker und haben große Sorge um die Zukunft der Apotheken. Wenn das eintritt, was die EU fordert, könnte das für tausende Apotheken das Aus bedeuten. Das Nachsehen hätten dann nicht zuletzt die Patienten, denen die Stammapotheke verloren geht.“ Das EU-Notfizierungsverfahren bezeichnen sie als „Auslöser“. Zur Erinnerung: Die EU-Kommission hatte der Bundesregierung eine zweimonatige Frist gesetzt, bis Maßnahmen eingeleitet werden müssen, die zur Aufhebung der Rx-Preisbindung für EU-Versender führen.

Apotheker: Gegen die Politik für Großkonzerne!

Zoschke, Schrot und Wilke sind sich sicher: Dünnt der Apothekenmarkt weiter aus, kann dies erheblich negative Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung in Deutschland haben. „Die allermeisten Menschen wünschen sich nicht, dass die Apotheken politisch kaputt gemacht werden. Und auch das wollen wir mit unserem Protest zeigen: Hier wird Politik für internationale Großkonzerne und gegen die Menschen im Land gemacht. Wir fordern, dass die Politik den Rahmen schafft, damit wir als junge Pharmazeuten auch noch in 25 oder 30 Jahren jederzeit und mit vollem Einsatz den Menschen vor Ort helfen können.“

(Foto: privat)

Die Apotheker scheinen die Initiative ihrer drei Kollegen gut zu finden. Nach Informationen von DAZ.online haben sowohl die Kammer als auch der Verband in Brandenburg ihre Mitglieder auf die Aktion in einem Rundschreiben hingewiesen. Mehrere Apotheker haben sich die Poster der Initiative „rettedeineapotheke“ außerdem zusenden lassen, um sie in die Schaufenster zu hängen oder in der digitalen Sichtwahl zu zeigen.

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Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

Wir sind abissl zuviel selbst schuld, um "nur" zu Protestieren

von Benjamin Schäfer am 18.03.2019 um 14:44 Uhr

Stellt euch mal vor, ihr kommt grad als Kunde mit ner Tüte voller Gratisproben, Zeitungen, Kalendern, aber ohne Arzneimittel aus der Apotheke (Das Warzenpflaster für 2,35€ wird nachher kostenlos in das 20km entfernte Dorf zu Euch nach Hause geliefert) und ihr seht plötzlich eine Gruppe Apotheker mit Schildern protestieren, auf denen eindringlich vom Ende der Inhabergeführten Apotheke gewarnt wird.
Vorab: Da Kritik uncool ist, wenn man zuhause sitzt, werd ich nächsten Sonntag auch nach Berlin fahren. Warum ich aber mit Apothekerprotestmärschen unter gegebenen Umständen Probleme hab, will ich trotzdem noch kurz ansprechen:
Die Außenwirkung ist bestenfalls positiv, erwartungsgemäß null und im schlimmsten Fall geht sie sogar gen " Seht her, gut verdienende Protestler wollen sich ihre Pfründe sichern!" Natürlich sind unsere Forderungen für Insider verständlich, aber wie wirkt eine solche Protestaktion auf Menschen, die sich nicht neben viel größeren Problemen wie Klimawandel, Armut, Digitalisierung, Krieg noch mit den verhältnismäßig mikrig wirkenden Problemen der Apothekers beschäftigen wollen? Und Verständnis können wir nur erwarten, wenn sich die Leute eingehend damit beschäftigen, was wir wiederum nicht erwarten dürfen, besser noch: was gar eine ziemlich dreiste Erwartungshaltung unsererseits wäre. Ein flüchtiger Blick auf ein Protestplakat wird an unserer Situation nicht viel ändern!
Wir müssen mehr strategisch handeln und nicht aus Frust rein aktionistisch! Was haben wir die letzten Jahre selbst versemmelt? Wir haben massenweise hausgemachte Verkomplizierungen die unnötig sind, wir haben schlecht verhandelt und das aus meiner Sicht größte Problem: Wir schenken den Versicherungen seit Jahren aus Angst, dass der Kunde zur anderen Apotheke rennt Versorgungsleistungen. Von der Briefmarke eines nicht richtig ausgestellten Rezepts über Inkonti und Hilfsmittel im Bereich des EK's bis hinzu dreisten Form-Retaxationen. Und ich erlebe es nicht selten, dass wir uns dabei noch einreden, dass wir selbst an der Retax Schuld sind. Will sagen: Wir müssen die KUNDEN für uns protestieren lassen. Dort wo kein unmittelbarer Kontrahierungszwang besteht, aber gleichzeitig ein Retaxrisiko oder eben einfach nur Unwirtschaftlichkeit müssen wir alle gemeinsam die Kunden mit den Worten "Das bezahlt ihre Krankenkasse nicht auskömmlich" wieder wegschicken. Protestmärsche von Kunden zu den Krankenkassen wären viel hilfreicher für uns, und viele der lächerlichen Bürokratiegespinste würden dann vermutlich auch von interessierten Medien an eine breitere Öffentlichkeit transportiert werden. Das Kunde ist König Prinzip muss für Apotheken ausgesetzt werden. Nicht zu verwechseln mit dem Kümmer-Prinzip, was uns von den Versandapos abhebt. Sämtliche Gratisproben, Zeitungen, Kalender müssen weg! Sämtliche Mauscheleien wie ich geb ihnen ausnahmsweise nen Blister vorab ohne Rezept, weil sie ja sonst zur Konkurrenz rennen müssen aufhören. Erst wenn wir bereit sind WIRKLICH kollegial alle an einem Strang zu ziehen und diese Urängste vor dem netten Kollegen eine Straße weiter, die den Ängsten vor den großkapitalgesteuerten Versendern oft in nichts nachstehen, gegen einen Arsch in der Hose eintauschen, haben wir ne Chance ernst genommen zu werden.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Wir sind abissl zuviel selbst schuld, um

von Marco Busch am 19.03.2019 um 8:51 Uhr

Danke, sehr gut!

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