Politische Diskussion

Becker, Bender, Hermann und Maag auf der Interpharm

Berlin - 08.03.2019, 15:15 Uhr

Bei der politischen Diskussion auf der Interpharm geht es in diesem Jahr um die apothekenpolitische Lage in Baden-Württemberg und auf Bundesebene. Mit dabei sind: Dr. Christopher Hermann, Karin Maag (CDU), Biggi Bender (Grüne) und Fritz Becker. (m / Fotos: Külker, Schelbert, imago)

Bei der politischen Diskussion auf der Interpharm geht es in diesem Jahr um die apothekenpolitische Lage in Baden-Württemberg und auf Bundesebene. Mit dabei sind: Dr. Christopher Hermann, Karin Maag (CDU), Biggi Bender (Grüne) und Fritz Becker. (m / Fotos: Külker, Schelbert, imago)


Die Interpharm ist die größte pharmazeutische Fortbildungsmesse in Deutschland. Doch auch (berufs)politisch ist einiges geboten – auch in diesem Jahr. Denn in Stuttgart werden in der kommenden Woche vier für Apotheker bedeutende Akteure aus der Gesundheitspolitik miteinander diskutieren: DAV-Chef Fritz Becker, Baden-Württembergs vdek-Chefin Biggi Bender, AOK-Chef Dr. Christopher Hermann sowie Karin Maag, die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion.

Baden-Württemberg ist für den Apothekenmarkt ein besonderes Land. Nicht nur, dass der Chef des Deutschen Apothekerverbandes, Fritz Becker, aus dem „Ländle“ kommt. Nein, im Südwesten zeigen sich auf regionaler Ebene einige Entwicklungen, die exemplarisch für den gesamten Apothekenmarkt in Deutschland gelten.

Da wäre zum Beispiel die Apothekenzahl: Seit 2007 ist die Apothekenzahl in Baden-Württemberg um mehr als 10 Prozent geschrumpft. Ende 2017 gab es noch 2506 Apotheken im Land. Fast jede dritte Gemeinde ist inzwischen ohne eigene Apotheke. Ein ähnlicher Wert gilt für die Bundesebene. Zweitens ist das Land seit über zwei Jahren Schauplatz eines juristischen Streites zwischen dem EU-Versender DocMorris und den Apothekern – es geht um einen Arzneimittel-Automaten, den DocMorris in einer Gemeinde errichtet hat, in der die Apotheke weggefallen ist. Wie auf Bundesebene testet das Unternehmen auch dort die bestehenden Regelungen im Apothekenmarkt aus. Doch auch die Apotheker in Baden-Württemberg sind umtriebig: Kammer und Verband entwickeln derzeit eines der ersten großen Modellprojekte in Sachen E-Rezept und wollen dies auch auf Bundesebene einbringen.

Programm-Infos

Politische Diskussion

E-Rezept, Hüffenhardt, Versandhandelskonflikt. Diskussion zur apothekenpolitischen Lage.

Fritz Becker, LAV-Präsident und DAV-Vorsitzender, Pforzheim

Birgitt Bender, Chefin der vdek-Landesvertretung, Stuttgart

Dr. Christopher Hermann, Vorsitzender der AOK Baden-Württemberg

Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Stuttgart

Samstag, 16. März 2019, 10:30 Uhr, im Rahmen der Interpharm in Stuttgart.

Das ausführliche Programm der gesamten Interpharm finden Sie unter www.interpharm.de.

Ein weiterer spannender Aspekt an Baden-Württemberg: Einige der wichtigsten Akteure für die Apotheker in der Gesundheitspolitik kommen aus dem Land. Auf der Interpharm werden vier dieser Gesundheitsexperten miteinander über die aktuelle Apothekenpolitik in Baden-Württemberg und auf Bundesebene diskutieren.

Kurzporträts der vier Diskussionsgäste

Fritz Becker: Der 67-Jährige ist Präsident des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg und Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes. Becker betreibt drei Apotheken in Pforzheim – eine Stadt, in der bestimmte Stadtteile inzwischen ganz ohne Apotheke auskommen müssen. Im DAV ist eines von Beckers Hauptthemen die Apothekenhonorierung.

Biggi Bender: Birgitt (Biggi) Bender ist Leiterin der Landesvertretung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) in Baden-Württemberg. Zwischen 2002 und 2013 war sie gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag und setzte sich in dieser Funktion mehrfach für die Deregulierung des Apothekenmarktes ein. In der aktuellen Apothekenpolitik kennt Bender sich bestens aus: Bis vor ihrer Beschäftigung beim vdek war die Grünen-Politikerin als gesundheitspolitische Beraterin tätig, unter anderem für den Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA).

Dr. Christopher Hermann: Der „Erfinder der Rabattverträge“. Der Chef der AOK Baden-Württemberg war zwischen 2004 und 2007 sehr eng in die Etablierung der Arzneimittel-Rabattverträge eingebunden. Seine AOK schreibt heute noch stellvertretend für das gesamte AOK-System die Generika-Verträge aus. Auch Hermann würde den Apothekenmarkt gerne deregulieren: Auf das EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung reagierte der Kassenchef mit der Forderung, die Rx-Preisbindung aufzuheben und ein Preisvergleichsportal für Apotheken zu schaffen. Kürzlich wurde bekannt, dass Hermann Ende 2019 aus seinem Amt ausscheidet.

Karin Maag: Die gebürtige Stuttgarterin ist seit 2009 Mitglied des Bundestages und seit dieser Legislaturperiode die gesundheitspolitische Sprecherin in ihrer Fraktion. Maag tritt für eine Erhaltung des Systems der Arzneimittelversorgung durch die inhabergeführte Apotheke vor Ort ein. Nach dem EuGH-Urteil machte sie sich monatelang für ein Rx-Versandverbot stark. Als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seinen ersten Plan für eine Apotheken-Reform vorstellte, der eine gesetzliche Etablierung von Rx-Boni enthielt, kritisierte Maag ihren Parteikollegen offen. Maag ist in diesen Wochen unmittelbar an Gesprächen innerhalb ihrer Fraktion und mit dem BMG zur Apotheken-Reform beteiligt.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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