Mechanismus im Tiermodell aufgeklärt

Warum Glucocorticoide diabetogen wirken

Berlin - 08.04.2019, 12:15 Uhr

Arzneistoffe können Diabetes mellitus induzieren. (m / Foto: KANDA EUATHAM / stock.adobe.com)
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Arzneistoffe können Diabetes mellitus induzieren. (m / Foto: KANDA EUATHAM / stock.adobe.com)


Auch andere Arzneistoffe sind diabetogen

Neben den Glucocorticoiden wirken weitere häufig eingesetzte Arzneistoffe diabetogen. Regelmäßige Blutzuckerkontrollen wären dann sinnvoll; doch nicht immer findet man in den Fachinformationen entsprechende Hinweise. Vorsicht geboten ist beispielsweise bei Hypertonikern, die mit nicht selektiven Betablockern wie Carvedilol und Propranolol und/oder Thiazid-Diuretika wie Hydrochlorothiazid behandelt werden. Bei letzteren wird die Nebenwirkung auf eine Erhöhung der hepatischen Insulinresistenz und die Stimulation der Glucosefreisetzung aus der Leber zurückgeführt. Broncholytika wie Bambuterol, Clenbuterol und Terbutalin wirken hyperglykämisch, weil sie durch Stimulation von ß2-Rezeptoren die Glykogenolyse in Leber und Muskulatur anregen.

Verschiedene Psychopharmaka und Antikonvulsiva mit einer Gewichtszunahme als Nebenwirkung können ebenfalls die Manifestation eines Diabetes mellitus begünstigen. Deshalb sollten Patienten nach Ein- oder Umstellung auf Wirkstoffe wie beispielsweise Clozapin, Olanzapin, Mirtazapin, Mianserin, Carbamazepin, Valproinsäure oder Lithium diesbezüglich besonders beobachtet werden. Als ein Mechanismus der diabetogenen Wirkung von Statinen (vor allem Simvastatin, Atorvastatin) wird eine Reduktion der Insulinsekretion diskutiert. Der Effekt ist wahrscheinlich dosisabhängig. Ebenfalls dosisabhängig diabetogen wirken Ciclosporin und Tacrolimus, wahrscheinlich durch eine toxische Wirkung auf die Beta-Zellen des Pankreas. Auch das bei Organtransplantationen eingesetzte Sirolimus hemmt die Insulinsekretion. Auch bei antiretroviralen Wirkstoffen muss mit negativen Wirkungen auf den Glukosestoffwechsel gerechnet werden. Beispiele sind der Protease-Inhibitor Lopinavir sowie die NRTI Didanosin, Stavudin und Zidovudin. Levothyroxin erhöht in niedrigen Dosierungen die Glykogensynthese und kann dadurch einen latenten Diabetes mellitus klinisch manifest werden lassen. Auch die Wirkung von Antidiabetika wird abgeschwächt.



Dr. Claudia Bruhn, Apothekerin / Autorin DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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1 Kommentar

Glucocorticoide diabetogen auch bei Haarausfall

von Anette am 08.04.2019 um 12:40 Uhr

Hilft Glucocorticoide diabetogen auch bei akutem Haarausfall? Das wäre sehr wichtig für mich zu wissen. Konnte hier leider noch nichts darüber finden: https://www.haarausfall-loswerden.de

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