Pflanzenporträt

Brennnessel: nützlich bei Rheuma, Harnwegs- und Prostatabeschwerden

01.02.2019, 10:00 Uhr

(Foto: denio109 / stock.adobe.com)
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Testosteron ausgebremst

Als wirksamkeitsrelevante Inhaltsstoffe der Wurzeldroge gelten insbesondere spezifische Lektine (UDA = Urtica dioica Agglutinine), darüber hinaus Polysaccharide, Phytosterole (vor allem β-Sitosterin), Cumarine und Lignane. Ein entscheidender Wirkmechanismus scheint die Interaktion mit einem wichtigen Transportprotein zu sein – dem Sexualhormon-bindenden Globulin (SHBG). Dadurch ist die Bindungsfähigkeit von Dihydrotestosteron vermindert und das Hormon wird in seiner wachstumsfördernden Wirkung auf die Prostata gebremst. Außerdem wurde eine hemmende Wirkung auf das Enzym 5-α-Reduktase festgestellt. Dadurch ist bereits die Synthese von Dihydrotestosteron eingeschränkt. Zu den weiteren pharmakologischen Wirkungen der Brennnesselwurzel zählen eine Hemmung von epidermalen Wachstumsfaktoren sowie eine Entzündungshemmung aufgrund immunstimulierender Effekte.

Symptomlinderung ohne Wachstumsbeeinflussung

Man geht davon aus, dass der therapeutische Effekt der Wurzeldroge vor allem auf einer entstauenden Wirkung mit nachfolgender Symptomverbesserung beruht und nicht auf einer Verkleinerung des Prostatavolumens. Die Droge eignet sich gut zur Langzeitbehandlung. Extraktpräparate stehen hierbei im Vordergrund (z.B. Natuprosta®, Prostaforton® uno, Urol® pros, kombiniert mit Sabal-Dickextrakt: Prostagutt® forte).

Gewinn für Küche und Natur

Traditionell dient die Brennnessel noch einem weiteren Zweck: Sie wird gerne zur Frühjahrskur eingesetzt, vor allem in Teeform oder als Frischpflanzenpresssaft. Inzwischen erlebt die mineralstoffhaltige Pflanze auch in der Küche eine kleine Renaissance. Kenner kochen die jungen Blättchen wie früher üblich als Wildgemüse oder bereiten aus ihnen eine Feinschmeckersuppe. Es lohnt sich also durchaus, dem stickstoffliebenden Kraut im Garten ein gewisses Bleiberecht einzuräumen. Damit tut man auch der Schmetterlingswelt etwas Gutes: Die Brennnessel dient den Raupen zahlreicher heimischer Falter (darunter Tagpfauenauge, Distelfalter, Admiral) als Futterquelle.



Ulrike Weber-Fina, Diplom-Biologin, Autorin PTAheute.de
redaktion@daz.online


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