Pflanzenporträt

Brennnessel: nützlich bei Rheuma, Harnwegs- und Prostatabeschwerden

01.02.2019, 10:00 Uhr

(Foto: denio109 / stock.adobe.com)
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Unterstützend bei rheumatischen Beschwerden

Die Wirkungen von Brennnesselblatt- und -krautdroge (Urticae folium, Urticae herba) sind einem breiten Inhaltsstoffspektrum zuzuschreiben. Zu den relevanten Substanzen zählen insbesondere Kaffeesäureester wie die seltene Caffeoyläpfelsäure, Flavonoide, ungesättigte Fettsäuren, Gerbstoffe, Kieselsäure und Mineralsalze. Für Brennnesselkrautzubereitungen wurden hemmende Wirkungen auf die Cyclooxygenase und die 5-Lipoxygenase beschrieben. Durch diese Enzyminhibition kann die Synthese schmerz- und entzündungsfördernder Prostaglandine und Leukotriene verringert werden. Darüber hinaus unterdrückt Brennnesselkraut offenbar die Freisetzung weiterer proinflammatorischer Mediatoren wie Tumor-Nekrose-Faktor-α (TNF-α) und Interleukin-1β. Urticae herba/folium ist daher zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden indiziert. Dies gilt gemäß Kommission E und auch gemäß der Dachorganisation nationaler Phytotherapiegesellschaften ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy). Das Phytotherapiekomitee der Europäischen Arzneimittelagentur EMA – das HMPC (Committee on Herbal Medicinal Products) – erkennt die Droge lediglich als traditionell zu verwendendes Arzneimittel an und nennt als Einsatzgebiet: leichte Gliederschmerzen. Extraktpräparate aus Brennnesselblättern (z.B. Hox alpha®, Rheuma-Hek®) können kombiniert werden mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Deren Dosis lässt sich dann häufig reduzieren.

Zur Durchspülung der unteren Harnwege

Brennnesselkraut- und -blätter haben auch eine aquaretische Wirkung. Diese wird unter anderem dem hohen Gehalt an Mineralstoffen zugeschrieben. Die Droge hat deshalb ein zweites Einsatzgebiet: zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege (gemäß Kommission E und ESCOP) bzw. traditionell zur Durchspülung bei leichten Harnwegsbeschwerden (gemäß HMPC). Darreichungsformen von Brennnesselkraut und -blättern sind vor allem Extraktpräparate (z.B. Natulind®) und Teezubereitungen. Für eine Tasse Tee werden circa 1,5 g fein geschnittenes Kraut mit kochendem Wasser übergossen und nach 10 min abgeseiht. Zur Diurese trinkt man mehrmals täglich eine Tasse (mittlere Tagesdosis 8–10 g Droge). Brennnesselblätter-Fertigteepräparate gibt es zum Beispiel von H&S®, Salus® und Sidroga®.

Wurzeldroge hilft der Prostata

Bei Gartenbesitzern ist die Brennnessel nicht nur wegen ihres nesselnden Krauts verhasst. Auch ihre unterirdischen Teile bereiten Verdruss. Das weitverzweigte Rhizom mit den vielen dünnen Wurzeln lässt sich nur schwer aus dem Boden entfernen. Phytotherapeutisch sind diese Organe jedoch von großem Nutzen. Urticae radix ist bei Miktionsbeschwerden bei benigner Prostatahyperplasie (BPH) indiziert (gemäß Kommission E und ESCOP). Das HMPC formuliert ähnlich: Linderung von Beschwerden der ableitenden Harnwege im Zusammenhang mit benigner Prostatahyperplasie. Dies gilt laut HMPC für den traditionellen Gebrauch.  



Ulrike Weber-Fina, Diplom-Biologin, Autorin PTAheute.de
redaktion@daz.online


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