WHO empfiehlt Influenzavakzine 2019/20

So sieht der Grippeimpfstoff 2019/20 aus – bis auf Influenza A(H3N2)

Peking / Stuttgart - 26.02.2019, 15:15 Uhr

Die WHO nennt bislang nur drei Komponenten des neuen Grippeimpfstoffes 2019/20. Influenza A(H3N2) fehlt. Warum? ( j / Foto: imago)

Die WHO nennt bislang nur drei Komponenten des neuen Grippeimpfstoffes 2019/20. Influenza A(H3N2) fehlt. Warum? ( j / Foto: imago)


Die Weltgesundheitsorganisation hat getagt. Thema: Die Zusammensetzung der neuen Influenzavakzine 2019/20 für die Nordhalbkugel. Welche Grippevirusstämme bleiben? Was ändert sich? Und warum fehlt die Empfehlung für Influenza A(H3N2) noch?

Zweimal pro Jahr treffen sich internationale Influenza-Experten bei der Weltgesundheits-Organisation (WHO), um die Zusammensetzung der Influenzavakzine für die kommende Saison festzulegen. Im September empfiehlt die WHO die Grippeimpfstoffzusammensetzung für die Südhalbkugel, im Februar entsprechend für die nördliche Hemisphäre. Die Empfehlungen der WHO sind bindend, jeder Grippeimpfstoffhersteller muss sich daran halten.

Influenza A(H1/N1) ändert sich

In der aktuell noch andauernden Grippesaison dominierten im Zeitraum September 2018 bis Januar 2019 Influenzaviren des Subtyps A(H1N1), zumindest in Mittel- und Nordamerika, den meisten europäischen Ländern, Asien und Ozeanien. Hingegen zirkulieren in einigen Ländern Afrikas und Asiens vorwiegend Influenza A(H3N2)-Viren. Influenza-B-Viren, Victoria- und Yamagata-Linie, spielen in der aktuellen Grippesaison eher untergeordnete Rollen.

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Die überwiegende Mehrheit der zirkulierenden Influenza-A(H1N1)pdm09-Viren entsprechen in  ihren antigenen Eigenschaften dem Impfstoffvirus A/Michigan/45/2015-Virus –  wenn dies mittels Frettchen-Antiserum überprüft wurde. Humane Antiseren, die nach erfolgter Grippeimpfung gewonnen wurden, passten laut WHO jedoch nicht optimal. Das ist wohl der Grund, weswegen „Michigan“ weichen muss und im neuen Grippeimpfstoff 2019/20 Platz machen für „Brisbane“.

Influenza-B: Alles bleibt beim Alten

Im Gegensatz zu dem Influenza-(H1/N1)-Stamm hält die WHO an beiden Influenza-B-Stämmen fest: Influenza-B/Colorado/06/2017-like virus (B/Victoria/2/87 lineage) und Influenza B/Phuket/3073/2013-like virus (B/Yamagata/16/88 lineage) werden 2019/20,wie auch aktuell, in den Grippeimpfstoffen 2018/19, enthalten sein. Die WHO begründet ihre Entscheidung, dass die überwiegende Mehrheit der zirkulierenden Yamagata-Linie gut von Frettchen-Antiserum inhibiert wurden – und zwar sowohl, wenn die Frettchen mit eibasierten als auch mit zellkulturbasierten Grippeimpfstoffen immunisiert wurden.

Influenzaimpfstoff 2019/20

  • A/Brisbane/02/2018 (H1N1)pdm09-like virus;
  • A(H3N2) virus to be announced on 21 March 2019*;
  • B/Colorado/06/2017-like virus (B/Victoria/2/87 lineage);
  • B/Phuket/3073/2013-like virus (B/Yamagata/16/88 lineage).

Die trivalente Vakzine verzichtet auf den Schutz gegen Influenza B Yamagata:
 

  • A/Brisbane/02/2018 (H1N1)pdm09-like virus;
  • A(H3N2) virus to be announced on 21 March 2019*;
  • B/Colorado/06/2017-like virus (B/Victoria/2/87 lineage.

Influenza A(H3N2) folgt am 21. März 2019

Bei den aktuell zirkulierenden Grippeviren der Linie B Victoria konnten nach Angaben der Influenza-Experten eine signifikante Zunahme hinsichtlich deren Diversität festgestellt werden. Diese zeigt sich im Hämagglutinin, und es gibt sowohl Influenza-B-Viren mit keiner, mit zwei oder mit drei Aminosäure-Deletionen in diesem Oberflächenprotein, was die antigenen Eigenschaften des Virus verändern kann. Allerdings reagierten humane Antiseren ähnlich gut für alle drei Influenza-B-Victoria-Varianten, weswegen die WHO auch an diesem Stamm festhalten will.

Influenza A(H3N2): folgt

Noch nicht äußern möchte sich die WHO zum aktuellen Zeitpunkt zu Influenza A(H3N2). Die Weltgesundheitsorganisation erklärt, dass sie die Influenza-A(H3N2)-Komponente erst am 21. März 2019 bekannt geben wird. „Influenza-A(H3N2)-Viren stellen eine zunehmende Herausforderung für die Auswahl von Impfstoffviren dar“, erklärt die WHO in ihrem Bericht. Influenza-A(H3N2) scheint besonders wandlungsfähig, was die Voraussage der Mutationen und der in der nächsten Saison dann tatsächlich zirkulierenden Viren erschwert.

 

In Diskussion sind auch, ob Eiadaptionen während der Impfstoffherstellung in vorbebrüteten Hühnereiern, die antigenen Eigenschaften des Impfvirus derart verändern, dass die daraufhin vom Menschen produzierten Antikörper nicht optimal auf die eigentlich zirkulierenden Viren passen.

Auch die Influenza-Experten der WHO fanden, dass Frettchen-Antiseren, die nach einer Impfung mit zellkulturbasierten Grippeimpfstoffen gewonnen wurden, die aktuell zirkulierenden Viren besser inhibierten als Antiseren, die nach einer Impfung mit in Hühnereiern hergestellten Grippeimpfstoffen gewonnen wurden.

 

Somit nimmt sich die WHO noch etwas Zeit, um geeignete Impfviren für die kommende Saison 2019/20 auch bei Influenza A(H3N2) zu identifizieren. Derzeit kozirkulierten mehrere Varianten, so die WHO. „Angesichts der jüngsten Veränderungen im Verhältnis von genetisch und antigenisch unterschiedlichen Influenza-A(H3N2)-Viren, wurde die Empfehlung für die Komponente A(H3N2) verschoben", erklärt die WHO die Verzögerung.
 



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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