Sicherheitsdaten

NOAK-Vergleich im Auftrag der EMA: Bayer bezieht Stellung

Berlin - 08.02.2019, 12:30 Uhr

Nachdem die EMA das Abstract einer NOAK-Vergleichsstudie veröffentlichte, ließ die Reaktion von Bayer nicht lange auf sich warten. (Foto: imago)

Nachdem die EMA das Abstract einer NOAK-Vergleichsstudie veröffentlichte, ließ die Reaktion von Bayer nicht lange auf sich warten. (Foto: imago)


Bayer: Sicherheitsdaten alleine sagen wenig aus

Außerdem weist Bayer darauf hin, dass derzeit nur ein Abstract der niederländischen Analyse, aber nicht der komplette Datensatz verfügbar ist. Des Weiteren bemängelt der Pharmakonzern, dass in der Auswertung keine Wirksamkeits- oder Adhärenzdaten eingeflossen sind: „Es ist nicht möglich, unterschiedliche Arzneimittel allein anhand ihrer Sicherheitsdaten, ohne Betrachtung ihrer Wirksamkeit, Dosierung und Adhärenz/Persistenz zu vergleichen.“

Dieser Kritikpunkt erklärt sich wie folgt: Wird ein Gerinnungshemmer nicht oder in zu geringer Dosierung eingenommen, treten in der Regel zwar weniger Blutungen auf, die Gefahr thrombotischer Ereignisse wie beispielsweise ischämische Schlaganfälle ist jedoch erhöht.

Außerdem seien aus Sicht von Bayer die Patientenpopulationen zu berücksichtigen. So hätten multimorbide Patienten ein höheres Schlaganfall- und auch Blutungsrisiko als Patienten mit geringfügigen Vorerkrankungen. 

Gerinnungshemmer nicht eigenmächtig absetzen

Bayer drückt in der Stellungnahme auch Sorge um mögliche Konsequenzen der Berichterstattung aus: „Patienten sollten die ärztlich verordnete Therapie mit einem oralen Antikoagulans nicht eigenmächtig absetzen, sondern ihren behandelnden Arzt konsultieren.“ Diesen Hinweis sollten Apotheker grundsätzlich bei der Gerinnungshemmer-Beratung berücksichtigen. Denn Antikoagulanzien werden selten ohne guten Grund verordnet.

Neben möglichen Verunsicherungen durch Medienberichte gibt es noch einen weiteren psychologischen Aspekt, der die Compliance in der Langzeittherapie beeinträchtigen kann: Während Blutungsnebenwirkungen kaum zu übersehen sind, verursacht ein thrombotisches Risiko zunächst keine Beschwerden. Das heißt: Patienten fühlen sich nicht unbedingt schlechter, wenn sie ihr Antikoagulanz nicht nehmen, bis ein Schlaganfall oder eine Lungenembolie auftritt.

Hier spielen Apotheker eine wichtige Rolle, um gegebenenfalls den Patienten die Notwendigkeit seiner Antikoagulation zu erklären. Probleme mit der Verträglichkeit sollten ernst genommen werden. In manchen Fällen kann ein Gang zum Arzt und ein Substanzwechsel sinnvoll sein.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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3 Kommentare

Substanzwechsel

von Dr Schweikert-Wehner am 09.02.2019 um 6:50 Uhr

Im Falle pharmakokinetischer Interaktionen empfiehlt der Apotheker den Wechsel auf Edoxaban. Bei unerwünschten Wirkungen, unklarerem Therapieerfolg oder Adaerenzproblemen den Wechsel zu Warfarin.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Xarelto

von Dr Schweikert-Wehner am 08.02.2019 um 16:00 Uhr

Ist der letzte Abschnitt auch aus der Stellungnahme von Bayer?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Xarelto

von Bettina Jung am 08.02.2019 um 17:50 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Schweikert-Wehner,

Vielen Dank für Ihre Nachricht! Das Zitat ist Original der Bayer-Stellungnahme entnommen. Im folgenden haben wir den Adhärenz-Aspekt noch redaktionell mit Beratungshinweisen ergänzt.

viele Grüße
Ihre DAZ.online-Redaktion

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