Wirtschaftsanalyse der AOK

Milliarden sparen durch Biosimilars

Berlin / Stuttgart - 01.02.2019, 16:45 Uhr

Die AOK sieht milliardenschweres Einsparpotenzial bei Biologicals. (Foto: Sket)

Die AOK sieht milliardenschweres Einsparpotenzial bei Biologicals. (Foto: Sket)


Die AOK möchte sparen – und sieht im GSAV Potenzial dafür. Das wissenschaftliche Institut der AOK (WiDO) sieht vor allem den mangelnden Wettbewerb bei Biosimilars als vermeidbaren Kostentreiber bei biologischen Arzneimitteln. Die im GSAV vorgesehene verpflichtende Substitution in drei Jahren durch Apotheker weckt Spar-Hoffnung bei den Ortskrankenkassen.

Es ist noch Luft nach oben, findet die AOK und meint damit Einsparungen bei Biologicals. Zu diesem Schluss kommen die Ortskrankenkassen aufgrund einer Analyse ihres wissenschaftlichen Institutes WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK). Derzeit geben die gesetzlichen Krankenversicherungen laut dem WIdO-Bericht vier Milliarden Euro für patentfreie Biologicals aus. „Käme konsequent das preiswerteste vergleichbare biosimilarfähige Arzneimittel in der Therapie zum Einsatz, könnten jährlich 750 Millionen Euro zusätzlich gespart werden“, heißt es in der Wirtschaftsanalyse. Dass dies derzeit nicht rigoros verfolgt wird, schiebt das WIdO unter anderem dem mangelnden Wettbewerb zu. Hoffnung setzen die Krankenkassen nun auf das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV).

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Der Kabinettsentwurf des GSAV sieht langfristig eine automatische Substitution biosimilarfähiger Arzneimittel in der Apotheke vor. Für die nächsten drei Jahre behalten jedoch die Ärzte noch die Hoheit über Biologicals. Diese Zeit soll aber genutzt werden, um mehr Daten zur Austauschbarkeit von Biologicals zu sammeln. Leitfaden für die geplante Austauschbarkeit soll dann eine vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erstellte Liste sein, die genau vorgibt, welche Biologicals gegeneinander austauschbar sind.

Derzeit erreichen biosimilarfähige Arzneimittel mit vier Milliarden Nettokosten einen Marktanteil von 10 Prozent des gesamten GKV-Arzneimittelsektors in Höhe von 39,4 Milliarden Euro. Diese hohen Kosten liegen jedoch nicht daran, dass Biologicals mengenmäßig sehr häufig verordnet werden. „Die Herausforderungen sind dabei weniger die Verordnungsmengen des Wirkstoffes als vielmehr die konstant hohen Preise für Originalbiologika, die sich oftmals auch nach Auslauf des Patentschutzes halten“, schreiben die Wirtschaftsanalysten der AOK. Zudem würden Biosimilars zurückhaltend verordnet, sie machten nur 15 Prozent am Verordnungsanteil aus.

Biosimilars: 70 Prozent Preisnachlass zum Original möglich

Wie viel Einsparpotenzial brach liegt, macht das WIdO an dem wohl prominentesten Biological Humira® (Adalimumab) fest. Als Abbvie noch Alleinanbieter von Humira® war, schaffte es Adalimumab zum umsatzstärksten Arzneimittel der Welt und bescherte dem Hersteller jährlich 16 Milliarden US-Dollar an Umsatz. 

Warum es Humira® so weit gebracht hat, hat jedoch auch einen Grund und initial ließ sich Abbvie das auch etwas kosten. Denn der Hersteller untersuchte den humanen TNF-alpha-Antikörper an zahlreichen Krankheitsbildern und Humira® durfte sodann nach Zulassung auch recht breit eingesetzt werden – wie beispielsweise bei Arthritiden, Morbus Crohn und Psoriasis.

Preisspannen bis 40 Prozent bei Humira

Doch Humira® schaffte es nicht nur zum umsatzstärksten Arzneimittel, sondern auch zum Vorreiter, welche Margen der Wettbewerb freilegt. Liegen nach WIdO die Preisnachlässe im Mittel über alle Biologika bei 17,1 Prozent, werden bei Adalimumab bereits 37 Prozent erreicht. Das erklärte auch Dr. Katja Knauf vom Fachbereich Ambulante Versorgung der AOK Sachsen-Anhalt bereits im Rahmen des BMC-Kongresses im Januar in Berlin:  „Auffällig ist, dass es bei den Adalimumab-Biosimilars eine andere Preispolitik als bisher gibt. Früher aus Kassensicht eher zögerlicher Preisabschläge, nun sehr deutliche von 40 Prozent“, so Knauf damals. Und auch Dr. Stephan Eder, Country Head Sandoz Germany der Hexal AG, betonte beim BMC-Kongress das  „riesige Einsparpotenzial für die Krankenkassen, alleine 500 bis 600 Millionen Euro pro Jahr in Deutschland für Humira®.“

Wie viel kann man sparen?

Würden konsequent Preisnachlässe von 30 Prozent zum Originalanbieter realisiert, würden sich daraus ein Einsparvolumen von mehr als einer Milliarde Euro ergeben, so rechnet der WIdO. Und mit 30 Prozent ist wohl die Fahnenstange nach Ansicht des WIdO längst nicht erreicht, andere Länder wie Norwegen und Großbritannien zeigten, dass „sogar Preisnachlässe con mehr als 70 Prozent möglich“, seien – das würden den Krankenkassen 2,9 Milliarden sparen.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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