Niederländische Statistik

Hausärzte verschreiben weniger Medizinal-Cannabis

Remagen - 24.01.2019, 10:20 Uhr

In den Niederlanden haben Apotheker zuletzt weniger Medizinalhanf abgegeben. ( r / Foto: Imago)

In den Niederlanden haben Apotheker zuletzt weniger Medizinalhanf abgegeben. ( r / Foto: Imago)


Niederländische Apotheken haben im vergangenen Jahr weniger medizinisches Cannabis abgegeben, weil die Ärzte es nicht mehr so oft verordnen. Dabei hat der Anteil von Cannabis in getrockneter Form stark ab- und der Einsatz von medizinischem Cannabisöl etwas zugenommen.

Der rasante Anstieg bei der Verwendung von Medizinal-Cannabis, der in den Niederlanden in den vergangenen Jahren beobachtet wurde, ist vorbei. Dies berichtet die Niederländische Stiftung für pharmazeutische Statistik (SFK) im Pharmaceutisch Weekblad. Mit 49.500 Abgaben in 2018 verzeichnete die SFK sogar einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr 2017 (53.300), dem bisher „besten“ Jahr, um rund 7 Prozent. Im Zeitraum zwischen 2013 und 2017 hatte die Zahl der Cannabis-Patienten stetig zugenommen.

Die Stiftung führt diese Entwicklung auf die Veröffentlichung eines Standpunktes niederländischen Gesellschaft der Allgemeinmediziner (Nederlands Huisartsen Genootschap NHG) zur Verschreibung von medizinischem Cannabis im Juni 2018 zurück. Schon im März hatte eine Entwurfsfassung der NHG-Position vorgelegen. Offenbar haben die Verordner hierauf postwendend reagiert, denn schon im Mai wurden fast 700 Cannabis-Abgaben weniger gezählt als im gleichen Monat 2017 (-13 Prozent). Im Juni waren es sogar tausend weniger (-21 Prozent).  

Nur in der Palliativphase

Die Hausärzte, Haupt-Verordner von medizinischem Cannabis, hatten sich zu einer solchen Stellungnahme veranlasst gesehen, weil die Anzahl der Verschreibungen ebenso stark zugenommen hatte, wie die Verwendung von frei verfügbarem Cannabisöl über Apotheken, Drogerien oder Bioläden. Außerdem kamen immer häufiger Fragen von Patienten, deren derzeitige Therapie nicht ausreichend wirksam war oder zu viele Nebenwirkungen aufwies.

Das NHG empfiehlt den Hausärzten, bei der Verschreibung von Cannabis vorsichtig zu sein, da keine ausreichenden wissenschaftlichen Beweise für eine Schmerzlinderung oder eine Verbesserung der Lebensqualität vorlägen. Sie sollten die Verwendung von medizinischem Cannabis lediglich für Patienten in der Palliativphase in Betracht ziehen. Außerdem wird dazu geraten, nur medizinisches Cannabis aus der Apotheke zu verwenden und keine anderen Produkte aus Coffeeshops oder Cannabisöl aus Drogerien oder Reformhäusern.

Wofür wird Cannabis verschrieben?

Nach Angaben des NIVEL-Forschungsinstituts von September 2018 erhielten in den Niederlanden im Jahr 2017 durchschnittlich 54 von 100.000 erwachsenen Patienten mindestens ein Rezept für Cannabis. Dies ist etwas mehr als ein Patient einer Allgemeinpraxis mit durchschnittlich 2000 registrierten Patienten. Medizinal-Cannabis wurde hauptsächlich bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, aber auch bei neurologischen oder psychischen Beschwerden verschrieben, und zwar etwas häufiger für Frauen (57 Prozent) als für Männer. Ein etwa gleich großer Anteil der Verordnungen entfiel auf die Altersgruppen der 45 bis 64-jährigen und darüber (43 bzw. 42 Prozent) und 15 Prozent auf die 18 bis 44-jährigen.

Apotheken geben mehr Cannabisöl ab

Geregelt wird die Produktion und Lieferung von Cannabis zum therapeutischen Einsatz in den Niederlanden durch das Büro für Medizinal-Cannabis (BMC), das dem Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport unterstellt ist. Der Zulieferer Bedrocan vermarktet getrocknete Cannabisformen (Blüten). 

Einige Apotheken stellen Cannabisöl her, das mit unterschiedlichen Konzentrationen der Wirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) erhältlich ist. Die Abgabe dieser Ölsorten erhöhte sich im Jahr 2018 um etwa 1100 (+ 4 Prozent), während die der getrockneten Formen um 5000 zurückging (-19 Prozent).



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Nur die halbe Wahrheit

von Jan Elsner am 24.01.2019 um 20:39 Uhr

Der Autor sollte vielleicht noch mal ein wenig nach recherchieren... die Fakten stimmen so nicht ganz.

Die Niederländischen Krankenkassen übernhemen fast nur noch in Palliativfällen die Kosten. Bis mitte 2018 wurde Diagnose unabhängig übernommen. Als kletztes Jahr eine Gesetzesänderung bezüglich Cannabis in kraft getreten ist, die es Patienten ermöglicht bis zu 4 Pflanzen legal anzubauen, haben die Kassen entschieden nur noch in Fällen zu übernehmen wo dem Patienten der Eigenanbau nicht mehr zuzumuten ist, oder eben wirklich eine gleichbleibende Dosis und medizinische Qualität Voraussetzung für den Therapieerfolg von Nöten ist...

In folge dessen ist der Markt für medizinisches Cannabis in NL stark eingebrochen.... Was momentan ein Segen für die deutschen Patienten ist weil eben Bedrocan noch liefern kann und NL wesentlich großzügiger reagiert wenn Herr Spahn mal wieder außerhalb der vereinbarten Lieferkontigenten einen Notstand anmeldet...

Mit diesen Hintergrundwissen sieht die Meldung ein wenig anders aus...

Liebe DAZ lernt endlich recherchieren nicht immer alles Abtippen was die Lobbyverbände an kostenlosen PM´s liefert... T

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