Strategische Allianz

Microsoft-Produkte in Boots-Apotheken

Berlin - 21.01.2019, 09:00 Uhr

Neuer Deal: Walgreens Boots Alliance kooperiert jetzt mit Microsoft. ( r / Foto: Imago)

Neuer Deal: Walgreens Boots Alliance kooperiert jetzt mit Microsoft. ( r / Foto: Imago)


Angesichts des harten Wettbewerbs auf dem US-amerikanischen Gesundheitsmarkt suchen erneut zwei große Marktteilnehmer den Schulterschluss: Der Apothekenkonzern und Pharmahändler Walgreens Boots Alliance kooperiert mit dem Softwareriesen Microsoft. Gemeinsam wollen die Unternehmen neue digitale Gesundheitslösungen anbieten, unter anderem bei der britischen Drogeriekette Boots. Das ist ein deutliches Signal an die Wettbewerber.

Wenn Microsoft eine strategische Entscheidung trifft, sollten Wettbewerber genau hinschauen. Denn in der Regel sind die Handlungen des Softwarekonzerns aus Redmond, Washington, wohl durchdacht. Im jüngsten Fall geht Microsoft eine auf sieben Jahre angelegte Kooperation mit dem Apothekenriesen und Arzneimittelhändler Walgreens Boots Alliance (WBA) ein, einer der größten Apotheken- und Pharmahandelskonzerne der Welt. Da schließen sich also zwei Dickschiffe zusammen, um laut einer gemeinsamen Presseerklärung die medizinische Versorgung zu verbessern, die Kosten im Gesundheitssystem zu senken und eine individuellere Arzneimittelbelieferung zu gewährleisten. 

Als Vehikel dafür wird Microsoft seine IT-Kompetenzen im Bereich Cloud und Künstliche Intelligenz einbringen, während WBA seine Handelslogistik, Apothekenstandorte und Kundenbeziehungen zur Verfügung stellt. Das, so die beiden Unternehmen, soll nicht nur den US-Bürgern, sondern Kunden und Patienten weltweit zugutekommen. 

Vereinfachung für Patienten

Als Beweggrund für ihre strategische Zusammenarbeit verweisen die beiden Konzerne auf die vielfach sehr komplexen Gesundheitssysteme, die insbesondere in den USA eine unübersichtliche Kombination aus Marktteilnehmern des öffentlichen wie des privaten Sektors darstellen. Microsoft und WBA wollen einen Beitrag leisten, die zahlreichen existierenden Systeme miteinander besser zu vernetzen und damit den Umgang für die Patienten und Kunden zu vereinfachen. Digitale Technologien und der geschickte Umgang mit Daten soll dabei eine wesentliche Rolle spielen. 

„Die Verbesserung der medizinischen Versorgung bei gleichzeitiger Senkung der Kosten ist eine komplexe Herausforderung, die einen breiten Ansatz und die Zusammenarbeit von Gesundheits- und technologieorientierten Unternehmen erfordert“, sagt laut der Pressemitteilung Satya Nadella, Vorstandschef von Microsoft.

Digital-Ecken in zwölf Boots-Apotheken

Im Rahmen der strategischen Zusammenarbeit wollen die beiden Unternehmen auch im Bereich Forschung und Entwicklung an einem Strang ziehen. Darüber hinaus erwägen sie, in wichtigen Märkten gemeinsame Entwicklungszentren aufzubauen. Zudem strebt WBA an, in diesem Jahr in zwölf existierenden Standorten sogenannte digitale Gesundheitsecken einzurichten, in denen Microsoft-Geräte aus dem Gesundheitsbereich angeboten werden sollen. Einige dieser Standorte sollen Filialen der britischen Apotheken- und Drogeriekette Boots sein. Nach den Worten von Stefano Pessina, Vorstandschef von WBA, sollen die Walgreens-Apotheken und Geschäfte damit zu „modernen Gesundheits-Anlaufstellen“ in der Nachbarschaft der Kunden weiterentwickelt werden. 

Ein weiterer Fokus soll auf personalisierten Gesundheitsangeboten liegen. So plant WBA beispielsweise, an den jeweiligen Lebensstil angepasste digitale Ernährungs-, Diät- oder Wellnessangebote zu erstellen. Neben Aktivitäten im Bereich der Telemedizin hat die Kooperation auch zum Ziel, dass sich die Medikamenteneinnahme der Patienten verbessert und die Anzahl von medizinischen Notfällen zurückgeht. 

Trend zu Kooperationen

Insbesondere auf dem US-Gesundheitsmarkt gibt es seit geraumer Zeit einen ausgeprägten Trend zu Kooperationen zwischen traditionellen Apothekenunternehmen und Arzneimittelhändlern einerseits und IT-getriebenen Techfirmen andererseits. Erst vor wenigen Tagen hatte Walgreens bekanntgegeben, dass die britische Apotheken- und Drogerietochter Boots die Softwarefirma Wiggly-Amps übernommen hat und damit in das Geschäft mit Online-Rezepten einsteigt. Ende 2018 hatte WBA eine Partnerschaft mit dem IT-Spezialisten Verily mitgeteilt. Gleichzeitig suchen auch Krankenversicherungen zunehmend die Nähe von Apothekenketten und Medikamentenhändlern. Nicht zuletzt mischt der weltweit größte Onlinehändler Amazon wie mehrfach berichtet zunehmend in der Gesundheitsbranche mit und stellt damit völlig neue Spielregeln auf.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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