Die letzte Woche 

Mein liebes Tagebuch

20.01.2019, 08:00 Uhr

Nein zu Boni – jetzt muss nur noch die Politik Ja sagen. (Foto: Andi Dalferth) 

Nein zu Boni – jetzt muss nur noch die Politik Ja sagen. (Foto: Andi Dalferth) 


15. Januar 2019

Eine gemeinsame Vergangenheit schwappt immer wieder hoch, die kann man nicht ausradieren: Jens Spahn und Max Müller von DocMorris. Die beiden waren zusammen mit Spahns ehemaligem Büroleiter Markus Jasper an der Agentur Politas, die vor allem Pharmaunternehmen beriet, beteiligt. In den letzten Monaten war es zwar recht ruhig darum geworden, gab ja auch keinen Anlass und keine unmittelbaren Verquickungen. Aber jetzt, mit dem Spahn-Paket, bekommt so etwas Gemeinsames doch eine andere Geschmacksnote. Wenn Spahn den ausländischen Versendern die Erlaubnis gesetzlich verbriefen will, Boni zu gewähren und von einem Rx-Versandverbot so gar nichts wissen will, drängt sich dem einen oder anderen doch mal der Gedanke auf, ob da nicht irgendwie alte Freundschaften mitspielen könnten – die vielleicht ein klitzekleinbisschen befangen machen. Apotheker Uwe Hansmann hat sich das auch gefragt und mal die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag (CDU), angeschrieben, wie sie denn das sieht. Hansmann spricht in seinem Brief von einer „unsäglichen Verknüpfung persönlicher Interessen zwischen Jens Spahn und dem Vorstand einer großen, aus Holland agierenden Versandapotheke mit Finanzsitz in der Schweiz und Aktiensponsoring aus Wüstenstaaten“. Maag aber stellt sich hinter den Bundesgesundheitsminister, sie weist den Vorwurf, „dass es sich bei seinen Eckpunkten um eine Verknüpfung persönlicher Interessen handele“, zurück. Mein liebes Tagebuch, das lassen wir dann mal so stehen. Allein, warum poppen dann bei mir so Gedanken an alte Freundschaftslieder auf? Etwa „Count on me“ oder "Friends never say goodbye“ oder „Ein Freund, ein guter Freund“… Wir werden doch nicht sentimental?



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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7 Kommentare

Hetze

von Karl Friedrich Müller am 21.01.2019 um 6:54 Uhr

Die Hetze gegen Apotheken geht schon los. Süddeutsche. Mehr braucht man nicht sagen zu dem Thema:
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/millionen-euro-teurer-gesetzesvorschlag-herr-spahn-fragt-nur-die-apotheker-1.4295156

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Killing me softly ...

von Reinhard Herzog am 20.01.2019 um 14:55 Uhr

Der AMPreisV geht es wie der "freien Fahrt für freie Bürger" auf der Autobahn oder dem Bankgeheimnis:
Brick by brick, irgendwann ist das Konstrukt ausgehöhlt wie ein Holzbau mit Termitenbefall. Bis es dann irgendwann vollends in sich zusammenbricht.

So ist es mit dem Bankgeheimnis bereits geschehen. Mit dem Tempolimit ist man recht nahe dran. Wir können jetzt Wetten darauf abschließen, wer früher kippt: Die AMPreisV oder das unlimitierte Autobahnfahren.

Mit der Überführung der AMPreisV ins SGB V dürfte ein weiterer Erosionsschritt gegeben sein.

Wer kann z.B. die Gewährung von Vorteilen aller Art insbesondere im Privatrezeptbereich kontrollieren bzw. das abstellen? Bei ausländischen Anbietern? Das müssen ja nicht nur Bar-Boni sein, da gibt es auch die Möglichkeit von Sonderrabatten auf OTC im Falles eines Rezepts, diverse Sammelmodelle usw.

Und dass bei Privatrezepten die Boni dann den privaten Kostenträgern bzw. der Beihilfe zustehen, stimmt so regelhaft nicht. Das Zauberwort heißt Selbstbehalt, und der ist i.d.R. gegeben, oft sogar ziemlich hoch. Da läuft vieles gar nicht über die Erstattung. Bei Dingen wie Lifestyle-Verordnungen erst recht nicht.

Und wie sieht es mit der Abänderbarkeit des SGB samt Apothekenhonorar aus, wenn mal ein(e) wenig apothekenfreundliche(r) Arbeits- und Sozialminister(in) wirkt? Heute sind immerhin das BMG und das Wirtschaftsministerium involviert. Kann dann noch ein Bundesrat einschreiten?
Fragen über Fragen ...

Man wird wieder irgendeinen halbwegs gesichtswahrenden Deal hinbekommen, der über einige Jahre rettet. Auf längere Sicht stehen die Zeichen anders. Wie beim Bankgeheimnis oder Tempolimit. In Deutschland sind das halt jahrzehntelange Prozesse. Aber Flughäfen, Bahnhöfe und selbst simple Umgehungsstraßen dauern hierzulande ja auch etwas länger ...

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Warum bei uns nix läuft und wir alles vergessen können

von Karl Friedrich Müller am 20.01.2019 um 13:52 Uhr

„Wegen des Rüstungsembargos gegen Saudi-Arabien droht der Waffenhersteller #Rheinmetall offenbar mit einer Klage. Es geht um Forderungen in Millionenhöhe.“
Eine ähnliche Schlagzeile würde nie heißen: Apotheken drohen mit Klage wegen entgangen Geschäften
Schon eher: DocMorris klagt. Wegen entgangener Geschäfte trotz Zusicherung hoher Politiker.,,
Wir sind vollkommen egal. Es wird noch geredet bis zum St. Nimmerleinstag. Ändern wird sich nix

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Was bleibt?

von Christian Giese am 20.01.2019 um 9:58 Uhr

Was lernen wir daraus?
Was lernt die ABDA daraus?
Wird sie endlich kapieren, dass der einzige Rettungsring in dieser schnelllebigen politischen Interessenswelt "Öffentlichkeit" heisst?

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Der nächste Zug ... welches Boni-Surrogat kommt jetzt zum Versand?

von Christian Timme am 20.01.2019 um 9:38 Uhr

Die „Versandabteilung“ wird sich schon was „einfallen“ lassen ... die Kassen „rechnen“ schon ... die Politik „windet“ sich erneut und die Apotheker sollten jetzt „am Ball“ bleiben ...

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Kuschelsocken vor dem Verwaltungsgericht

von Ulrich Ströh am 20.01.2019 um 9:07 Uhr

Mit Kuschelsocken auf Inländerdiskriminierung vor dem Bundesverwaltungsgericht klagen...
Gab es da nicht schon was mit Röstis?

Gibts nur bei Apothekers.

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Manchmal braucht es nicht nur den Druck der letzten Minute -

von Gunnar Müller, Detmold am 20.01.2019 um 8:25 Uhr

...sondern vor allem den Druck der Basis!

Schön, dass sich die ABDA-MV entschlossen hat, sich nicht ein viertes Mal hinter die Fichte locken zu lassen und ebenso wie wir einen eigenen gesichtswahrenden Gegenvorschlag zu formulieren.

Jetzt sind die Politiker dran, daraus etwas zu machen – und ihren frommen Schwüren nun endlich auch einmal Taten folgen zu lassen und die deutschen Apotheken zu retten…

Und falls nicht:
Zur Not gäbe es dann ja auch noch den von uns BasisApothekern aus Westfalen-Lippe vorgelegten Plan C, über einen gestaffelten Apothekenabschlag endlich die seit Jahren notwendige Strukurreform herbeizuführen, die leicht umsetzbar wäre und den kleineren Apotheken wirklich hilft …

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