Saarland und Hessen gegen das Spahn-Paket

„Wir Apotheker lassen uns nicht kaufen!“

Berlin - 10.01.2019, 17:30 Uhr

Claudia Berger, Vorsitzende des Saarländischen Apothekervereins, und Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen. (b/Fotos: ABDA)

Claudia Berger, Vorsitzende des Saarländischen Apothekervereins, und Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen. (b/Fotos: ABDA)


Hessen: Gleichpreisigkeit ist unverhandelbar

Schon am gestrigen Mittwoch hatten mehrere Apotheker bei einer Sitzung der Kammer Niedersachsen darauf hingewiesen, dass Rx-Boni Sparinstrumente im Arzneimittelbereich – insbesondere Zuzahlungen – ad absurdum führen würden. Auch SAV-Chefin Berger meint nun: „Auf der einen Seite versucht der deutsche Gesetzgeber, durch zum Teil drastische Zuzahlungen Patienten zu einem verantwortungsvollen Arzneimittelkonsum anzuhalten, auf der anderen Seite erhalten Patienten, nunmehr gesetzlich ‚geadelt‘, Boni je Arzneimittel – widersprüchlicher geht es nicht mehr!“ Auch die Kammer im Saarland hatte sich schon deutlich gegen den Spahn-Plan ausgesprochen. In einem Brief an seine Mitglieder hatte Präsident Manfred Saar auch kritisiert, dass Spahn indirekt mit dem 2HM-Gutachten gedroht habe, falls die Apotheker sein Eckpunktepapier nicht akzeptierten. Berger spricht nun von „Nachbesserungsbedarf“: Man sei zwar bereit, mit dem Minister an Lösungen zu arbeiten, die müssten aber „rechtlich zuverlässige Rahmenbedingungen“ enthalten.

Funke: Wir werden gegen das Gesamtpaket stimmen

Und auch in Hessen hat sich die Landesapothekerkammer festgelegt: Gegenüber DAZ.online erklärte Kammerpräsidentin Ursula Funke, dass man einen „Workshop“ mit den Delegierten der Kammerversammlung zu dem Thema durchgeführt habe. Die Beschlusslage sei nun klar: „Wir fordern die uneingeschränkte Gleichpreisgkeit. Diese ist für uns nicht verhandelbar. Sollte es also dazu kommen, dass die ABDA von uns ein Votum zum gesamten Eckpunktepapier haben möchte, würden wir es ablehnen.“

Schon kurz nach Bekanntwerden des Papiers hatte Funke ihren Mitgliedern eine Rundmail geschrieben. In der hieß es: „Nach dem Motto ‚Zuckerbrot und Peitsche‘ macht der Bundesgesundheitsminister finanzielle Angebote. Der Knackpunkt oder die Sollbruchstelle dieses Plans ist die Tatsache, dass wir keine Gleichpreisigkeit in der Versorgung der Patientinnen und Patienten haben werden, was die Tür öffnet, die Preisbindung komplett aufzuheben. Ein ‚Kuhhandel' Geld gegen Struktur ist gerade für unsere jungen Kolleginnen und Kollegen nicht zukunftsweisend.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Statement der LAK Hessen

von Dr.Diefenbach am 10.01.2019 um 18:36 Uhr

Es war eine Sitzung,in der mit grossem Sachverstand die Eisplatten des Herrn Spahn aufgearbeitet wurden.Es wurde,nicht zuletzt durch unseren Kammerjuristen Herrn Laut,der Gesamtkomplex innerhalb einer halben Stunde SO klar dargestellt,dass man sich fragte,warum so etwas bei der Zentrale in Berlin nie möglich war.Damit fiel auch die einhellige Ablehnung des unsittlichen Päckchens nicht schwer.Zu danken ist auch Frau Funke,die ihre Delegierten transparent MIT in die Angelegenheit JS einbezog.Es braucht also keiner zu meckern,er hätte nicht die Möglichkeit gehabt,sich zu äussern.Ausgesprochen mies ist allerdings die Faktenlage,dass der HAV eine solche Transparenz gegenüber den Delegierten offenbar für überflüssig hielt.Schade.Man kann nur hoffen,das die zukünftige Politik im hessischen Verband nicht-anders als früher.zu einem closed shop,in dem Wenige Alles,vor allem aber besser,zu wissen glauben,endet.Das nebenbei.Gerade bei derartigen Einschnitten in die Wirtschaft steht absolute Offenheit gegenüber denen,die den Verband finanzieren,normalerweise oben auf der Agenda

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