Cannabismarkt

Konsolidierungswelle beim Medizinalhanf: Aphria übernimmt CC-Pharma

Berlin - 10.01.2019, 13:15 Uhr

Die Dynamik im Cannabismarkt ist fesselnd für Anleger – und manchmal stressig für Apotheker. (m / Screens: aphria.com | cc-pharma.de)

Die Dynamik im Cannabismarkt ist fesselnd für Anleger – und manchmal stressig für Apotheker. (m / Screens: aphria.com | cc-pharma.de)


Cannabisproduzent Aphria will auf den deutschen Markt und kauft sich dafür ein Stück Infrastruktur: Am gestrigen Mittwoch gab das kanadische Unternehmen den Vollzug der Übernahme des Importeurs und Pharmahändlers CC-Pharma bekannt. Diese Fusion war in den vergangenen Monaten allerdings nicht die einzige bei den kanadischen Cannabisfirmen. Was bedeutet dies für Apotheker?

Was im November angekündigt wurde, ist nun in trockenen Tüchern: Am gestrigen Mittwoch vermeldete der kanadische Cannabisproduzent Aphria die Übernahme des Importeurs CC-Pharma. Der in Densborn ansässige Importeur soll mehr als 13.000 Apotheken in Deutschland und Europa beliefern. Dem einen oder anderen Apotheker ist CC-Pharma auch im Zusammenhang mit der sogenannten Lunapharm-Affäre bekannt.

Logistik, Klinikanteile und geplanter Anbau

Die Kosten der Transaktion wurden im November mit 24,5 Millionen Euro beziffert. Außerdem hatte Aphria angekündigt, über CC-Pharma 1200 Kilogramm medizinisches Cannabis nach Deutschland zu liefern. Um in Deutschland auch den Verschreibern näher zu kommen, hatte die deutsche Tochtergesellschaft im vergangenen Jahr 25,1 Prozent am Berliner Krankenhaus Schöneberg erworben. Weitere „Kooperationen“ mit Schmerzzentren seien in Planung. Außerdem will das kanadische Unternehmen mittelfristig Cannabis in Deutschland anbauen. Im vergangenen Jahr hatte sich Aphria neben strategischen Zukäufen auch „direkte“ Marktanteile in Form seines Mitbewerbers Nuuvera für knapp 320 Millionen Euro gesichert.

Mit der jüngsten Akquisition von CC-Pharma und dessen Logistik und Vertrieb verfolgt der Cannabisproduzent aus Ontario ehrgeizige Ziele. „CC Pharma beliefert bereits jetzt hunderte von deutschen Apotheken mit medizinischem Cannabis. Dies macht Aphria zu einem der größten, wenn nicht sogar zum größten Akteur im medizinischen Cannabisgeschäft in Europa“, erklärte Vic Neufeld, CEO von Aphria, am gestrigen Mittwoch.

Wie Big Pharma – nur schnelllebiger

Der „größte Akteur“ im medizinischen Cannabisgeschäft werden und vor allem bleiben zu wollen, klingt allerdings vollmundig. Denn die Konkurrenz bei den kanadischen Cannabisriesen schläft nicht. So erwarb Aurora 2017 den Berliner Importeur Pedanios und setzte 2018 seine Einkauftour unter anderem mit der Übernahme von Medreleaf und anderen Cannabisfirmen fort. Auch das in St. Leon-Rot ansässige Unternehmen Spektrum Cannabis gehört inzwischen einem kanadischen Unternehmen, und zwar Canopy Growth. Dieser Cannabisriese aus Smith Falls erwarb kurz vor Weihnachten den Tuttlinger Spezialhersteller für Vaporisatoren, Storz und Bickel.  

Ähnlich wie bei Big Pharma sind Konsolidierungs- und Expansionsprozesse in der Hanfbranche also an der Tagesordnung. Nur laufen diese deutlich schneller ab. Der internationale Markt wächst exponentiell. Denn die gesetzlichen Entwicklungen haben sich in den vergangenen Monaten nicht nur beim Medizinalcannabis überholt.

Kooperationen von Bier bis Big Pharma

Insbesondere in Kanada, wo seit dem 17. Oktober neben der medizinischen auch die Freizeitanwendung möglich ist, wissen die Unternehmen die Synergien beider Märkte zu nutzen oder Kooperationen mit verwandten Bereichen wie beispielsweise der Tabak- oder Brauereiwirtschaft zu schließen. So investierte beipielsweise der Corona-Brauer Constellation Brands im vergangenen August vier Milliarden in Canopy Growth. Der Grundgedanke für solche Umverteilungen: Wo Cannabis legalisiert ist oder wird, wird voraussichtlich weniger Alkohol gebraucht.

Bekannt für Quervernetzungen ist unter anderem Tilray, das in Deutschland standardisierte Cannabisextrakte zum rezepturmäßigen Umfüllen vertreibt. Das Unternehmen aus British Columbia kooperiert seit einigen Monaten mit der Novartis Tochter Sandoz. Kurz vor Weihnachten erklärten Tilray und Sandoz, die Zusammenarbeit bei „nicht-rauchbaren“ Cannabisprodukten auszubauen und beispielsweise gemeinsam global zu vermarkten.

Auch Produkte auf CBD-Basis könnten auf internationaler Ebene einen „Schub“ bekommen: Medienberichten zufolge unterzeichnete US-Präsident Donald Trump kurz vor Weihnachten die sogenannte Farm Bill, die den Anbau von Nutzhanf in den Staaten erlaubt. 

Adrenalin für Aktionäre – Stress für Apotheker?

Die jüngsten Entwicklungen bewegen Anleger und belasten manche Apotheker. Denn durch die Umfirmierungen und Fusionen ist der Cannabismarkt unübersichtlich. Die Firma, bei der man im vergangenen Monat noch Blüten bestellt hatte, kann heute einen anderen Namen tragen oder nicht mehr existieren. Hinzu kommen die ständigen Lieferschwierigkeiten.

Dabei wären insbesondere Stabilität und Zuverlässigkeit im Importgeschäft erwünscht. Denn bis der deutsche Anbau startet, vergeht noch mindestens ein Jahr. Und auch dem BfArM ist bewusst, dass Importe weiterhin nötig sein werden. Lieferversprechen wie seitens Aphria oder dem kanadischen Cannabishersteller Wayland, der den Export von neun Tonnen Cannabis über drei Jahre angekündigt hatte, wecken daher – hoffentlich begründete – Hoffnungen.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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