Bauchschmerzen und Co.

Kinder und Probiotika: Sollte man generell abraten?

Stuttgart - 10.01.2019, 09:00 Uhr

Probiotika: ja oder nein, und welche? Für die Apotheke gilt bezüglich wiederkehrender Bauchschmerzen wohl „ja“, wenn der Kinderarzt
sie als sinnvoll erachtet. Wie ist das aber in anderen Bereichen? (Foto: Juan Aunión / stock.adobe.com)

Probiotika: ja oder nein, und welche? Für die Apotheke gilt bezüglich wiederkehrender Bauchschmerzen wohl „ja“, wenn der Kinderarzt sie als sinnvoll erachtet. Wie ist das aber in anderen Bereichen? (Foto: Juan Aunión / stock.adobe.com)


Viele offene Fragen, sind Probiotika sicher?

Anfang Dezember 2018 berichtete DAZ.online schon einmal über das Thema „Probiotika für Kinder“. Damals ging es um eine Studie aus dem New England Journal, die zu dem Schluss kam, dass es sich bei Lactobacillus rhamnosus in der Indikation Durchfall bei Vorschulkindern (akute Gastroenteritis) wahrscheinlich um ein „probiotisches Placebo“ handelt. 

Etwa zeitgleich wurde eine ähnlich designte Studie veröffentlicht, bei der in Kombination mit Lacotobacillus rhamnosus (wie in der ersten Studie) zusätzlich Lactobacillus helveticus eingesetzt wurde – mit ebenfalls negativen Ergebnissen. 

Bei den Probiotika in Deutschland, die Lactobacillus rhamnosus enthalten, handelt es sich sowohl um Arzneimittel, wie das Monopräparat InfectoDiarrstop®  als auch um Nahrungsergänzungsmittel wie das Kombinationspräparat BactoFlor® für Kinder. Ihre Einnahme scheint den neuen Studien zufolge also die Dauer von Durchfall und Erbrechen nicht zu verkürzen. In der Lauer-Taxe liest man allerdings noch: „Beim Menschen konnten Effekte auf Faktoren der zellulären und humoralen Immunität sowie die Verringerung der Dauer der Virusausscheidung bei Rotavirus-Diarrhö nachgewiesen werden. In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass die Kombination von Lactobacillus und oraler Rehydratation die Dauer der Diarrhö gegenüber einer alleinigen Anwendung von oraler Rehydratation signifikant verkürzt.“ Das könnte daran liegen, dass in den aktuellen Studien weniger Kinder am Rotavirus erkrankt waren. Die Angaben in der Lauer-Taxe entsprechen somit eher den Angaben in der europäischen Leitlinie.  

Gefahren der Probiotika, auch bezüglich ihrer Qualität

Die europäische Leitlinie betrachtet den Einsatz von Probiotika bei Kindern grundsätzlich als sicher, auch in hohen Dosen. Das gilt jedoch nicht für Risikogruppen, wie frühreife, immungeschwächte Patienten, schwerkranke Patienten, Patienten mit zentralem Venenkatheter, Herzklappenerkrankungen und Kurzdarmsyndrom. 
Enterococcus faecium SF68 sollte bei Kindern explizit nicht zum Einsatz kommen, weil so Vancomycin-Resistenzgene übertragen werden könnten.

Besonders kritisch betrachtet die Leitlinie die Qualität der auf dem Markt befindlichen Probiotika, besonders bei Nahrungsergänzungsmitteln, aber auch bei Arzneimitteln. Weil Ärzte und Apotheker hierauf aber keinen Einfluss nehmen können, sehen die Experten die Aufsichtbehörden in der Pflicht. 

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Wann sollte man also Probiotika für Kinder empfehlen? Für die Apotheke lässt sich bezüglich Bauchschmerzen festhalten, dass gerade (chronische) Bauchschmerzen bei Kindern zunächst durch einen Arzt abgeklärt werden müssen. Kann dieser eine ernste Erkrankung ausschließen, sind Probiotika (im Rahmen der ärztlichen Behandlung) bei immer wiederkehrenden Bauchschmerzen einen Versuch wert, solange das Kind keiner Risikogruppe angehört. Der Einsatz von Probiotika bei akuten Bauchschmerzen (Gastroenteritis) könnte hingegen in Kombination mit Rehydratationslösungen nur sinnvoll sein, wenn er früh genug erfolgt. Es bleiben viele Fragen offen.



Diana Moll, Apothekerin und Volontärin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Skepsis?

von Stefan Haydn am 10.01.2019 um 20:07 Uhr

Nur so angemerkt, eine NNT von 8 ist etwas wovon manche anderen Arzneimittel nur träumen können.

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Abraten?

von Klaus Bernd am 10.01.2019 um 9:25 Uhr

Ja, von Kindern schon, die schmutzen so ;-)

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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