Grippe-Impfstoffe

Apothekerkammer Schleswig-Holstein für Sicherheitsreserve

Berlin - 09.01.2019, 10:15 Uhr

Trotz Importen bleiben Grippeimpfstoffe vielerorts Mangelware. ( j / Foto: DXfoto.com / stock.adobe.com)

Trotz Importen bleiben Grippeimpfstoffe vielerorts Mangelware. ( j / Foto: DXfoto.com / stock.adobe.com)


Deutschland hat mittlerweile mehrere Tausend Dosen Grippe-Impfstoffe aus EU-Ländern importiert. Doch nach wie vor gibt es mancherorts Engpässe bei der Versorgung. Frank Jaschkowski, Geschäftsführer der Apothekerkammer Schleswig-Holstein, sprach sich gegenüber der Deutschen Presseagentur dafür aus, eine Sicherheitsreserve für die Impfstoffe anzulegen.

Ende November hatte das Bundesgesundheitsministerium in einer im Bundesanzeiger veröffentlichten Bekanntmachung einen Versorgungsmangel bei saisonalen Influenzaimpfstoffen festgestellt und den Ländern ermöglicht, abseits der strengen Vorgaben des Arzneimittelgesetzes die nötigen Impfstoffe zu beschaffen. In der Folge wurden die Vakzine aus anderen EU-Ländern geordert.  

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Allein nach Berlin seien 3000 Dosen bestellt worden, sagte eine Sprecherin des Landesamts für Gesundheit und Soziales. Das Saarland erhielt nach Auskunft der Landesapothekenkammer „sehr kleine Mengen“ von Impfstoffen aus Polen und Frankreich, dennoch sei nun keiner mehr verfügbar. In Sachsen wurden dem Apothekerverband zufolge bisher 23.000 Dosen bestellt und ausgeliefert. Das Gesundheitsministerium in Sachsen geht davon aus, dass der Engpass beim Grippe-Impfstoff damit behoben ist. Dagegen spricht die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) trotz Importen vornehmlich aus Griechenland aus Polen von einer „fatalen Versorgungssituation“. Die Importe hätten den großen Bedarf nicht decken können. Um eine solche Situation in der kommenden Saison zu verhindern, setzten sich auf Landesebene die Kassenärztliche Vereinigung, Apothekerverband und AOK Anfang dieses Jahres zusammen.

Gar nicht erst zum Arzt gegangen?

Aus Schleswig-Holstein heißt es, Apotheken hätten Impfstoffe „im vierstelligen Bereich“ aus dem Ausland, überwiegend aus Großbritannien bezogen. Der Geschäftsführer der dortigen Landesapothekenkammer, Frank Jaschkowski, sagte der dpa: „Damit konnten kleinere Versorgungslücken geschlossen werden.“ Er  schätzt, dass sich einige Tausend Schleswig-Holsteiner wegen des Impfstoffmangels nicht gegen Grippe impfen haben lassen. Er gehe davon aus, dass viele gar nicht mehr zum Arzt gegangen sind, weil kein Impfstoff mehr da war.

Konsequenzen aus dem Versorgungsmangel

Auf die Frage nach möglichen Konsequenzen aus dem Versorgungsmangel plädierte Jaschkowski dafür, zusätzlich zu dem geschätzten Bedarf eine Sicherheitsreserve von etwa zehn Prozent anzulegen, auch auf die Gefahr hin, dass ein Restbestand übrig bleibt. Fritz Becker hatte als Vorsitzender des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg Anfang Dezember ebenfalls eine „nationale Reserve an wichtigen Impfstoffen“ gefordert.

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Die vergangene Grippewelle hatte das Robert Koch Institut als Stärkste seit Jahren gewertet. Vermutlich starben daran in Deutschland mehr als 20.000 Menschen, vor allem Ältere. Es gab geschätzte neun Millionen influenzabedingte Arztbesuche, zwei Millionen mehr als in den starken Grippesaisons 2012/13 und 2014/15. Dies sehen Experten als einen Grund dafür an, dass sich in dieser Saison so viele Menschen impfen ließen. Ein weiterer dürfte sein, dass die Krankenkassen seit diesem Jahr die Kosten für den Vierfach-Impfstoff übernehmen.

Ob es auch in dieser Saison eine echte Grippewelle geben wird, ist derzeit nicht absehbar. Bislang sind die gemeldeten Erkrankungszahlen noch nicht außergewöhnlich hoch. In Sachsen sind von Oktober bis Anfang Januar 312 Grippeerkrankungen und ein Grippetoter registriert worden. Das baden-württembergische Gesundheitsministerium sprach von bislang 348 bekannten Influenza-Erkrankungen. In Hessen wurden seit Herbstbeginn rund 70 Grippefälle gemeldet. In Brandenburg zählt man bis jetzt 30 an Grippe erkrankte Menschen. In Schleswig-Holstein wurden seit Anfang Dezember nur wenige Influenza-Fälle gemeldet, aus einigen Kreisen noch gar keine.



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