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Das Mikrobiom und die Darmflora

München - 20.02.2019, 11:30 Uhr

Für ein gesundes Mikrobiom: lieber Karotten und Kartoffeln, statt Fastfood und Eiscreme. (c / Foto: T. L. Furrer / stock.adobe.com)
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Für ein gesundes Mikrobiom: lieber Karotten und Kartoffeln, statt Fastfood und Eiscreme. (c / Foto: T. L. Furrer / stock.adobe.com)


Die Zusammensetzung des Mikrobioms beeinflussen

So können wir die Zusammensetzung unseres Mikrobioms positiv beeinflussen: Der Verzehr von Ballaststoffen, beispielsweise aus Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, erhöht die Anzahl der Darmbakterien, die kurzkettige Fettsäuren ausscheiden. Diese kurzkettigen Fettsäuren, wie Butter- oder Essigsäure, dienen der Darmschleimhaut als Energiequelle. Sie senken die Anzahl der bösen Immunzellen und steigern die Produktion der guten. Sie fördern die Darmbewegungen und bestimmen das Darmmilieu mit.

Um diese wertvollen Effekte zu erzielen, muss ein Erwachsener täglich rund 30 Gramm Ballaststoffe zu sich nehmen. Das ist gar nicht so einfach. Der Durchschnittsbürger kommt eher auf 20 Gramm pro Tag. Es ist es sinnvoll, den Verzehr langsam, gegebenenfalls über Wochen, zu steigern. Sonst können Blähungen und Bauchschmerzen auftreten.

Probiotika und Fermentiertes

Des Weiteren freut sich die Darmflora über probiotische Lebensmittel, wie Joghurt mit lebenden Milchsäurebakterien, und Fermentiertes – zum Beispiel in Salzlake eingelegtes Gemüse. Das Mikrobiom ist also quasi die Verbindung von unserem Kochtopf zu unserem Körper. Es entscheidet mit, ob wir krank oder gesund sind. „Essen zwei Menschen einen Monat lang ganz genau das gleiche, dann ähnelt sich auch ihr Mikrobiom. Identisch wird es nicht werden, da neben der Ernährung, wie gesagt, noch eine ganze Reihe von anderen Faktoren eine Rolle spielen“, ergänzt unser Experte.

„Das Mikrobiom kann uns auch schaden, nämlich dann, wenn die Zusammensetzung gestört ist. Dies wird auch als ‚Dysbiose‘ bezeichnet. Oder wenn sich bestimmte Pathobioten (Darmkeime mit krankmachenden Eigenschaften) ausbreiten. Dann kann das Mikrobiom Krankheiten begünstigen. Hierzu gehören unter anderen entzündliche Erkrankungen und Krebs“, warnt der Magen-Darm-Spezialist.

Die Rolle der Gene

Primär erbt der Mensch sein Mikrobiom von den Eltern. Vor allem bei einer vaginalen Geburt. „Man kann also von Anfang an eher Glück oder Pech haben“, weiß Huber. Aber einen Großteil haben wir dann selber in der Hand. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass übergewichtige Menschen über eine anders zusammengesetzte Darmflora verfügen, als Schlanke. Sie beherbergen in der Regel weniger Bakterienarten. Begünstigt durch Fastfood, Zucker und Alkohol.

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Professor Hubers Traum ist es, das Mikrobiom eines Tages derart zu beeinflussen, dass es Krankheiten verhindern oder heilen kann. Und wir Normalbürger? Beginnen am besten erst einmal mit ein paar Karotten und Kartoffeln statt Chips und Eiscreme.



Ariane Gerlach, Apothekerin, DAZ-Autorin
redaktion@daz.online


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