Rückblick auf das Jahr 2018 

Mein liebes Tagebuch 

30.12.2018, 08:00 Uhr

2018 hat uns enttäuscht. Und das neue Jahr? Was kommt auf uns zu? Krise oder Chance? (Foto: Andi Dalferth) 

2018 hat uns enttäuscht. Und das neue Jahr? Was kommt auf uns zu? Krise oder Chance? (Foto: Andi Dalferth) 


Es war ein Jahr voller Frust für uns Apothekers. Die ABDA schweigt zum Apothekerhonorar und zum Gutachten, setzt nur aufs Rx-Versandhandelsverbot, entwickelt keine Alternativkonzepte und vergisst die Digitalisierung. Spahn hält nichts vom Rx-Versandhandelsverbot, knallt uns Apothekers sein Lösungspaket auf den Tisch, und wir sollen es schnellstmöglich akzeptieren. Ganz oder gar nicht. Ob es umsetzbar sind, steht in den Sternen. Es war ein Jahr, von dem wir Apothekers viel erwarteten, aber maßlos enttäuscht wurden.

Januar und Februar 2018

Januar 2018

Der ABDA-Präsident Anfang des Jahres in einem PZ-Interview auf die Frage, was er sich von 2018 verspricht: „Angesichts der schwierigen aktuellen Situation erwarte ich für 2018 nicht allzu viel…“. Mein liebes Tagebuch, er sollte Recht behalten. Die ABDA ging voran – mit Schweigen, nichts als Schweigen. Die Schweigestrategie der ABDA zum 2hm-Honorargutachten, vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben,hielt sie nahezu das gesamte Jahr hindurch aufrecht. Das Gutachten habe derart viele falsche Prämissen, die unweigerlich zu falschen Schlussfolgerungen führten. Dies könne keine Grundlage für eine echte politische Auseinandersetzung sein. Mein liebes Tagebuch, das Papier ist zwar Schrott, aber eine Strategie des Totschweigens kann nicht aufgehen. 

Und während andere Branchen landauf, landab im Digitalisierungs-Hype sind, fristet die digitale Revolution bei der ABDA eher ein Nischen-Dasein. Man unterzeichnet zwar eine Absichtserklärung, einen „Letter of Intent“, mit den Berufsverbänden der Ärzte und der Zahnärzte, um deutlich zu machen, wo’s da lang gehen soll, aber dann passiert nicht mehr viel. Doch, bei den Ärzten. Die Landesärztekammer Baden-Württemberg erlaubt die Fernbehandlung im Modellversuch. Bei uns Apothekers sieht Digitales so aus: Wir hängen den ersten digitalen Rezept-Briefkasten auf.  

Februar 2018 

Es hagelt von vielen Seiten Kritik für die ABDA wegen der Schweigestrategie zum Honorargutachten und wegen des passiven Kommunikationsverhaltens. Doch die ABDA ist für andere Argumente nicht zugänglich. Und schon bald muss unsere liebe Standesvertretung feststellen, dass sich das Gutachten nicht in Luft auflöst, es liegt auf den Tischen des Wirtschafts- und Gesundheitsministeriums, es liegt obenauf in den Regierungen der Länder, die Gesundheitspolitiker aller Parteien haben es in ihrer Schublade, auch die Krankenkassen haben es nicht in den Schredder geworfen. 

Das Mega-Thema in diesem Jahr: das Versandverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel (Rx). Im Februar rückt es fast in greifbare Nähe, manche sprechen sogar von einem „Feiertag“ für Apotheker. Als nämlich mit dem neuen Koalitionsvertrag bekannt wird, dass das Bundesgesundheitsministerium an die CDU gehen soll und dass sich die Koalition fürs Rx-Versandverbot einsetzen will, ist das Aufatmen groß. Dieser Kernsatz im Koalitionspapier geht doch runter wie Öl: „Wir stärken die Apotheke vor Ort: Einsatz für Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln.“ Was gibt es Schöneres! Auf dem Papier. Noch-Bundesgesundheitsminister Gröhe macht sogar noch Hoffnung: Er wirbt dafür, dass er das Rx-Versandverbot in den Koalitionsvertrag gebracht hat. Doch die Menschen draußen in der realen und virtuellen Welt verstehen das leider nicht – hat ihnen wohl auch niemand so richtig erklärt, warum das gut sein soll. 
Und dann der Knaller Ende Februar: Jens Spahn wird Gesundheitsminister der neuen Groko. Was Apothekers ihm mit auf den Weg geben: Die Apotheken sind vor Ort und digital, und Päckchen verschicken hat nichts mit Digitalisierung zu tun. Und alles Weitere steht ja schon im Koalitionsvertrag. 

März und April 2018 

März 2018

Verbandschef Fritz Becker macht derweil deutlich: „Wir brauchen den Versandhandel nicht, um die Versorgung auf dem Land sicherzustellen“, denn man habe Rezeptsammelstellen, man fange jetzt zudem mit digitalen Rezeptsammelstellen an, und man habe die Botendienste. Und überhaupt, mit dem OTC-Versand hätten die Apotheken ihren Frieden gemacht, und beim Rx-Versandverbot gehe es in erster Linie um die Gleichpreisigkeit. Einfache Botschaften, man sollte sie mal mit Herrn Spahn besprechen. 
Die Opposition macht schon bald deutlich, dass sie von einem Rx-Versandverbot wenig bis nichts hält. Die Grünen lehnen es ab, die SPD liebt es ebenfalls nicht, will es aber nicht blockieren. So richtig fest an unserer Seite scheint nur noch die Union zu stehen. Doch schon im März fragen Gesundheitspolitiker aller Parteien, ob es richtig ist, dass sich die ABDA aufs Rx-Versandverbot fixiert. Vielleicht sollten die Apotheker auch mal an Alternativen denken, Doch davon will die ABDA nichts wissen. 
Immer häufiger blitzt Skepsis in den Äußerungen der Gesundheitspolitiker zum Rx-Versandverbot auf: Es steht zwar im Koalitionsvertrag und der CDU ist es durchaus ernst damit. Nur, mein liebes Tagebuch, so gaaaaanz oberste Priorität scheint das Thema nun auch nicht zu haben. CDU-Gesundheitspolitikerin Maag meint, ein Entwurf zu einem Verbot sei „im Herbst dieses Jahres wahrscheinlich“. Mein liebes Tagebuch, Politikerworte! Unterstützung kommt von der bayerischen Gesundheitsministerin Melani Huml. Sie ist ist eine Verfechterin des Rx-Versandverbots.
Anders sieht es auf oberster Ebene aus. Das Bundesgesundheitsministerium lässt wissen: Der Meinungsbildungsprozess über die Umsetzung der Koalitionsvereinbarung zu Rx-Versandverbot sei noch nicht abgeschlossen. Mein liebes Tagebuch, unglaublich! 
Und zum Honorargutachten: Die ABDA schweigt noch immer. ABDA-Präsident Schmidt rechtfertigt das große Schweigen: Er sei einfach davon überzeugt, es sei besser, öffentlich nicht darüber zu reden. Nach wie vor gibt’s auch keine Antwort auf die Frage, wie denn das Apothekenhonorar der Zukunft aussehen soll? An dieser Frage arbeitet zwar bereits seit Jahren die Arbeitsgemeinschaft Honorar der ABDA, sichtlich ergebnislos.  

April 2018 

Erste Äußerungen vom neuen Gesundheitsminister Spahn im Gesundheitsausschuss des Bundestags zum Rx-Versandverbot: Mein liebes Tagebuch, man muss genau zuhören und schon weiß man, was er von seiner Realisierbarkeit hält: Nichts, aber auch gar nichts. Er will eigentlich gar nicht. Da ist kein Funken von Zuversicht und Begeisterung zu spüren, wie wir sie von seinem Vorgänger bei diesem Thema kennen. Spahn will den Versandhandel. Und schon im April bereitet er den Weg vor, den er gehen möchte: Das eigentliche Problem im Apothekenmarkt sehe er in der Honorierung, die Honorarstruktur sei „reformbedürftig“, meint er und er wolle zeitnah mit den Apothekern darüber sprechen – er erwarte Antworten und Vorschläge zum Honorar-Thema. Es ist eine Einladung an die ABDA, endlich ihre Vorstellungen zusammenzutragen und anzubieten. Es hätten die Vorstellungen sein können, die wohl die ABDA-Honorartruppe hätte erarbeiten sollen – aber da war nichts. 
Und aus Kreisen des Bundesgesundheitsministeriums ist immer wieder zu hören: Das Versandverbot hat keine Priorität. Mein liebes Tagebuch, während wir warten und warten und warten, pflastern ausländische Versender die Werbewände mit Plakaten zu, die weismachen wollen, dass Rezepte am besten in die Niederlande sollen, und werfen mit Rabatten für Rezepte um sich.
Und immer offener ist von Gesundheitspolitikern, auch von denen der CDU, zu hören: Es wird nichts mit dem Rx-Versandverbot. 

Mai und Juni 2018

Mai 2018 

Unsere ABDA bleibt dabei: Sie hat sich an der Forderung nach einem RX-Versandverbot festgebissen. Zum Rx-Versandverbot gebe es keine Alternative, ist unsere Standesführung überzeugt und sie betet dieses Credo herunter wie eine tibetanische Gebetsmühle. Ohne Rx-Versandverbot, so kommt es mittlerweile über, wird es keine Zukunft der Apotheke mehr geben. Wirklich, mein liebes Tagebuch? Ist das so? Haben wir Forderungen in der Schublade, wie unseren Apotheken geholfen werden kann? Sollten wir für die Zukunft stärker auf Zusatzhonorare setzen? Oder auf Fondslösungen? Oder über ganz andere Lösungen nachdenken? Mein liebes Tagebuch, kein Unternehmen der Wirtschaft würde nur auf eine einzige Strategie setzen…
Apotheker Christian Redmann beispielsweise will sich nicht auf die ABDA-Strategie verlassen, er setzt sich mit seiner Petition „Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel – Stellungnahme zum Koalitionsvertrag“ selbst dafür ein, dass das Rx-Versandverbot erhalten bleiben muss. 
CDU-Gesundheitspolitiker versuchen es mit einem Appell in Richtung Spahn, das Rx-Versandverbot nicht auszusitzen – der Appell bleibt wirkungslos. Derweil bekräftig die „liebe“ FDP, dass sie Apothekenketten will, die Apothekenliberalisierung. Und gegen das Rx-Versandverbot ist sie sowieso. 
Der Glaube der ABDA bleibt unerschütterlich. Auf dem Pharmacon in Meran tönt der Präsident der Bundesapothekerkammer: „Die Große Koalition wird alles dafür tun, das Rx-Versandverbot umzusetzen“, ist sich Andreas Kiefer noch im Mai ganz sicher, „ich bin nach wie vor der Meinung, wir setzen uns mit unseren Argumenten durch.“ 
In der Digitalisierung gehen die Ärzte voran: Sie wollen die Telemedizin und Online-Rezepte, aber so richtig und mit voller Wucht. Und die ABDA, hat sie die Digitalisierung „vergessen“? Oder schaut sie einfach nur weg, wenn in Baden-Württemberg bereits ein Versorgungsmodell Teleclinic anläuft, bei dem Privatversicherte bereits ein Online-Rezept erhalten? 

Juni 2018 

Immer wieder kommt es hoch, das vermaledeite Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums zur Apothekenhonorierung. Dieses Mal holen es die Krankenkassen aus der Schublade. Eine Milliarde Euro – so viel will der GKV-Spitzenverband am Apothekenhonorar sparen mit Hinweis auf das Gutachten. Mein liebes Tagebuch, mit solchen Einsparungen würde man den Apothekenmarkt aber so was von leerfegen – damit gäbe es keine flächendeckende Versorgung mehr. 
Da die ABDA im Juni immer noch zum Gutachten schweigt, wagt die Kammer Schleswig-Holstein sogar eine Resolution gegen das Schweigen der ABDA zu verabschieden. Schweigen im Gesundheitswesen sei noch nie eine erfolgreiche Strategie gewesen, heißt es. Wie wahr! Und zur Digitalisierung mahnen mittlerweile sogar Gesundheitspolitiker Vorschläge von der ABDA an.  Bayerns Gesundheitsministerin Huml erwartet von den Apothekern Vorschläge, wie man die Apotheker in der Telemedizin beteiligen kann. Aber, mein liebes Tagebuch, von dieser unserer derzeitigen Führung kann sie leider nichts erwarten.
Die ABDA denkt da lieber darüber nach, wie sie mehr Geld – insgesamt 560.000 Euro mehr – für ihren Haushalt von den Kammern und Verbänden bekommt.  An der Basis und in einigen Kammerversammlungen wird das nur mit Staunen, Kopfschütteln und Protest quittiert. 
Das große Treffen von Spahn und ABDA: Beide Parteien haben Stillschweigen vereinbart. Gemunkelt wird von großen Deals darüber, wie es mit den Apothekern weitergehen soll. Vermutet wird, dass Spahn die Apotheker-Spitze schon darauf vorbereitet hat, dass es mit einem Rx-Versandverbot wohl nichts wird. Mitte Juni, Spahn auf Facebook: Man erfährt, dass er bis zum Deutschen Apothekertag ein „Gesamtpaket“ vorstellen will, ein Paket mit einer Reform für die PTA-Ausbildung, fürs Apothekenhonorar und eine Regelung zum Versandhandels-Konflikt. Oh, sollte sich da doch noch etwas bewegen? Das motiviert sogar die ABDA, Verständnis für die Unruhe an der Basis zu zeigen und ein Signal zu senden, eine Lösung des Versandhandelskonflikts könne in den nächsten Monaten (!) präsentiert werden, gemeinsam mit dem BMG. Na, mein liebes Tagebuch, sollte die ABDA zur Besinnung gekommen sein? 
Auch in Sachen Digitalisierung. Völlig überraschend, wie aus heiterem Himmel schickt die ABDA ein Zeichen: Wir haben verstanden! Wir arbeiten an einem großen Telemedizin-Projekt mit dem Ziel das E-Rezept zu nutzen. Potzblitz, mein liebes Tagebuch, welch eine Meldung. War die ABDA aufgewacht? 

Juli und August 2018

Juli 2018 

Die Bayern haben die Ruhe weg. Es genügt ihnen, wenn ihr Verbandsvorsitzender das Stillhalteabkommen mit dem Bundesgesundheitsminister mit den Worten kommentiert: „Wäre die Entwicklung für die Apotheker bedrohlich, würden wir sicher nicht ruhig bleiben.“ Und er appelliert an seine Verbandsmitglieder, mehr Vertrauen in die Verbandsspitze zu haben, denn „es besteht keine alarmistische Stimmung“. Mein liebes Tagebuch, das nennt man bayerische Gemütlichkeit – oben brennt das Dach und nach unten meldet man: Schön, dass es so kuschelig warm ist.
Im Juli geht’s los: Unsere ABDA legt den digitalen Turbogang ein. Oder tut zumindest so. Der ABDA-Präsident überrascht mit einem Übergangsprojekt, mit dem man dem offiziellen E-Rezept zuvorkommen möchte („wir wollen schnell sein damit… wir streben die inhaltliche Führerschaft an“). Und schwupps antichambriert die ABDA sogar schon mit einer Projektskizze beim Bundesgesundheitsministerium, wie man sich ein E-Rezept vorstellen und es einführen könnte.
Eine neue Sprachregelung im Rx-Versandverbotskonflikt: Da es sich immer stärker abzeichnet, dass es mit dem Rx-Versandverbot nichts wird, kann sich die CDU auch mit „wirkungsgleiche Regelungen“ abfinden. Derweil rückt Spahn immer weiter weg vom Rx-Versandverbot. In einem Interview mit der Apotheken-Umschau sagt er, dass ein Versandverbot nicht die oberste Priorität für ihn habe. Er möchte lieber „alles versuchen, um einen fairen Wettbewerb herzustellen“.

August 2018 

Es verdichtet sich: Das E-Rezept kommt, sagt unsere ABDA, Ende Juni 2020 soll’s schon da sein. Zuvor müssen nur noch ein paar Kleinigkeiten geregelt werden. Beispielsweise müssen die Ärzte von unserem E-Rezept überzeugt werden. Und die Krankenkassen. Und die Politik muss im Zeitplan mitspielen. Dann muss bis dahin die Infrastruktur stehen, ein paar Server müssen eingerichtet und vielleicht noch ein paar Apps programmiert werden. Und alles muss zur offiziellen Telematikinfrastruktur, der gesetzlich vorgegebenen Datenautobahn für die Digitalisierung im Gesundheitswesen, passen. Und vor allem, alle Marktbeteiligten sollten dann schon akzeptieren, dass ein E-Rezept so aussieht, wie wir uns das vorstellen, nämlich: Die freie Apothekenwahl muss erhalten bleiben. Alles super ambitioniert, mein liebes Tagebuch, ABDA goes digital.
Die baden-württembergischen Ärzte gehen derweil voran und testen die Telemedizin, die tapferen Apothekers im Land machen mit und bieten das passende E-Rezept an. 

September und Oktober 2018

September 2018 

Im Herbst dämmert es auch den Letzten, die bisher guten Mutes waren: Die Politik ist weiter denn je davon entfernt, ein Rx-Versandverbot anzustreben. Aus dem BMG ist zu hören, man befinde sich noch immer im Meinungsbildungsprozess. Beim Rx-Versandverbot will er derzeit nicht aktiv werden, sagt unser Bundesgesundheitsminister. 

Oktober 2018 

Der Apothekertag steht bevor, Krisensitzung des ABDA-Gesamtvorstands im Vorfeld. Wie soll es nun im Rx-Versandhandelskonflikt weitergehen? Für welche Richtung soll sich die ABDA stark machen? Festkleben am Rx-Versandverbot? Oder darf auch schon mal an Alternativen gedacht werden? Mein liebes Tagebuch, es darf, zumindest ein bisschen. Na, immerhin traut man sich mal daran zu denken, dass es nicht so kommen könnte, wie man es sich wünscht. Aber andererseits bleibt die ABDA-Hauptlinie nach wie vor bestehen: die Herstellung der Gleichpreisigkeit, der einheitliche Abgabepreis bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln (ist noch immer die gültige Beschlusslage bei der ABDA) – und das geht aus Sicht der Standesvertretung nun mal am besten mit dem Rx-Versandverbot. Und dennoch hört man die kritischen Stimmen, die zu bedenken geben, dass die Chancen für dieses Versandverbot in der Tat schlecht stehen, politisch wie juristisch. Die überwiegende Mehrheit der Kammer- und Verbandsvorstände spricht sich dann in einer geheimen, schriftlichen Abstimmung dafür aus, auf ein Rx-Versandverbot zu verzichten. 
Auf der Pressekonferenz zum Apothekertag räumt die ABDA nun offen ein, dass ihre Hauptforderung – die Umsetzung des Rx-Versandverbots – wohl nicht Wirklichkeit wird. Dennoch klebt man natürlich an der offiziellen Forderung, dass das Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag „politisch adressiert“ werde, wolle sich aber zugleich auf Alternativvorschläge einstellen. 
Der Apothekertag: Leider „vergisst“ Schmidt, über ein Rx-Versandverbot zu sprechen, das die ABDA doch so vehement von Spahn einfordert (der Minister war bei Schmidts Rede im Saal zugegen!). Auch andere Forderungen, beispielsweise nach Honorierung von Dienstleistungen oder Honoraranpassungen erwähnt Schmidt mit keiner Silbe. 
Und dann kommt Spahn – aber außer seinen warmen Worten hat er nichts dabei. Lasst uns reden, diskutieren wir miteinander, ruft er den Pharmazeuten grinsend zu. Denn: „Ich debattiere gern, deswegen bringe ich Ihnen heute auch kein fertiges Konzept mit.“ Ach so, mein liebes Tagebuch, und wir dachten, er schafft Klarheit, wie es mit dem Rx-Versandverbot weitergeht, was man anstatt machen könnte und wie es mit der Honorarfrage aussieht.
ABDA-Hauptgeschäftsführer Schmitz spricht dann noch viel von Gleichpreisigkeit und der ABDA-Präsident schwört die Hauptversammlung erneut aufs Versandverbot ein, man glaubt es kaum. 
Das Fazit des Apothekertags: Spahn will das Rx-Versandverbot nicht, präsentiert aber auch keine Alternativvorschläge. Und die ABDA hat auch keine – zumindest offiziell nicht. Und vermutlich auch nicht wirklich inoffiziell. ABDA-Präsident Schmidt resigniserend: „Im kommenden Jahr werden wirklich große Veränderungen auf uns zukommen.“ Und er räumt ein, dass „wir mit unserer klassischen Haltung nicht mehr weiterkommen“. Wie wahr, mein liebes Tagebuch, letztlich auch ein Eingeständnis, dass die Schweigestrategie nichts brachte, dass das eiserne Beharren auf dem Rx-Versandverbot mit Spahn sichtlich nicht zu machen ist und überhaupt die Erkenntnis: „Wir haben ein unglaubliches Maß an Reformbedarf.“
Apothekers „Gedenktag“: der 19. Oktober. Vor zwei Jahren verkündete der Europäische Gerichtshof sein Urteil zur Aufhebung der Rx-Preisbindung und zementierte damit den unfairen Wettbewerb zwischen deutschen Vor-Ort-Apotheken und ausländischen Versendern. 

November und Dezember 2018

November 2018 

Gegen Ende des Jahres reift mit jedem Tag die Erkenntnis: Das Rx-Versandverbot kommt nicht mehr. Spahns Credo: Versandverbote passen nicht in die Zeit. Endlich fängt unsere oberste Spitze ganz offiziell an, darüber nachzudenken, welche Alternativen, welche Substitute es noch geben könnte. Die Suche nach einem Ersatz läuft an, an dessen Ende ein Verlustausgleich für uns Apothekers, sprich Geld, steht. Also, ganz offiziell: Man darf, auch bei der ABDA, über einen Plan B statt eines Rx-Versandverbots diskutieren, aber nicht zu laut. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt zeigt sich auf Kammerversammlungen, die er besucht, offen dafür. Selbst wenn die eine oder andere Kammer (z. B. Nordrhein und Hessen) noch immer mit einer Resolution am Rx-Versandverbot klebt. Sie sollten Schmidt zuhören, der fragt: Löst ein Beharren auf dem Versandverbot unsere Probleme? Tut es natürlich nicht, mein liebes Tagebuch. Denn der unfaire Wettbewerb mit den ausländischen Versendern ist nur eine der vielen Widrigkeiten, denen wir uns gegenübersehen, als da sind: fehlende Anpassung unseres Honorars, ausstehende Einbindung der Apotheker in honorierte Präventionsleistungen, die honorierte Weiterentwicklung unserer beruflichen Tätigkeiten, die Überbürokratisierung. Außerdem stehen Telemedizin und das E-Rezept vor der Tür. Und auf allen Kammerversammlungen wird fleißig nach Lösungen gesucht, wie man Gleichpreisigkeit oder einen Ausgleich herstellen könnte. 

Ende November ist es soweit: das Ende des Schweigens. Die ABDA spricht wieder mit Apothekern: Wir haben Fehler gemacht, das Apothekerhonorar und die Digitalisierung vernachlässigt. Und: Schminkt Euch das Rx-Versandverbot ab, es ist nicht mehr realistisch, wir setzen auf Dienstleistungshonorare oder ein ganz neues Maßnahmenpaket. Auf der Mitgliederversammlung der Apothekerkammer Westfalen-Lippe sagt ABDA-Präsident Schmidt selbstkritisch: „Wenn man eine Umfrage unter den Verbänden machen würde, bekämen wir sicherlich den Preis der verschlossenen Auster.“ Mein liebes Tagebuch, dem ist nichts hinzuzufügen. Ja, und dann das Eingeständnis: Es war ein Fehler, sich in den letzten Monaten nur aufs Rx-Versandhandelsverbot zu konzentrieren. Das Apothekenhonorar, die Honorierung pharmazeutischer Dienstleistungen, die Digitalisierung seien dadurch hinten runtergefallen. Und Desillusionierung beim Fixhonorar: Derzeit gibt’s keine Chance auf eine Erhöhung, deswegen wolle man die Vergütung pharmazeutischer Dienstleistungen zusätzlich zum Fixum. Drei Lösungsansätze sieht er am politischen Himmel, nämlich den Versand zu regulieren, ohne ihn zu verbieten oder die Folgen des Versands zu kompensieren oder Türen zu öffnen, die in eine bessere Zukunft führen. Und was heißt das nun genau? Vermutlich wird es wohl auf irgendetwas in Richtung zusätzliche Honorierung, wie auch immer hinauslaufen. Der Festzuschlag pro Packung soll bleiben, er wird aber auch nicht mehr, das machen die Politiker nicht mit. Zusätzlich wolle man sich für neue Dienstleistungshonorare einsetzen. 
Ein Überraschungs-Coup des Bundesgesundheitsministers: Spahn kündigt an, höchstpersönlich zur ABDA-Mitgliederversammlung am 11.Dezember kommen zu wollen. 

Dezember 2018 

Apothekers digitale Aktivitäten sehen derzeit so aus, dass weiterhin elektronische Briefkästen als Rezeptsammelstellen aufgehängt werden. Mein liebes Tagebuch, schön, aber leider schon von gestern. Wenn man richtig in die Zukunft denkt, werden sie nichts bringen, wenn das E-Rezept da ist. Dann gibt’s Terminals, in die der Patient seine E-Card mit dem gespeicherten E-Rezept steckt oder – noch bequemer – er hat ein Lesegerät zu Hause, steckt dort seine Karte rein und kann sein E-Rezept an jede Apotheke schicken, die er möchte.
Der 11. Dezember, ein Tag, der Hoffnungen wie ein Kartenhaus zusammenstürzen lässt. Spahn besucht die ABDA-Mitgliederversammlung und bringt seine Vorschläge zur Lösung des Versandhandelskonflikts mit, Vorschläge, die nicht mit seinem Ministerium abgestimmt sind: Kein Rx-Versandverbot, keine Gleichpreisigkeit. Die ausländischen Versender dürfen weiterhin Rabatte auf Rx-Arzneimittel geben. Die Rabatte sollen allerdings auf 2,50 Euro gedeckelt werden. Für diese Kröte sollen die Apotheker Extra-Honorare bekommen, insgesamt in Höhe von 375 Mio. Euro, z. B. für eine verdoppelte Notdienstpauschale und Honorare für pharmazeutische Dienstleistungen u.a. Mein liebes Tagebuch, ein vergiftetes Angebot mit vielen Unbekannten. Wie und ob die Boni-Deckelung für die ausländischen Versender EU-rechtlich überhaupt machbar ist, hat Spahn nicht verraten. Und ob die Millionen Euro für die neuen Honorare die politischen Hürden nehmen, ist vollkommen offen. Das einzige, was die Apothekers mit diesem Angebot wissen: Es gibt kein Rx-Versandverbot und keine Gleichpreisigkeit. Skepsis und große Bedenken an der Basis, aber auch in Kammern und Verbänden. Soll man dazu Ja sagen, ist das Angebot besser als nichts? Oder lassen wir uns damit all unsere Glaubwürdigkeit, unsere Ziele, für die wir zwei Jahre gekämpft haben, abkaufen? Und was wäre die Alternative, wenn wir dazu Nein sagen? ABDA-Präsident Schmidt meinte: „Das Angebot auszuschlagen, wäre aus meiner Sicht nicht zu verantworten.“ Am 17. Januar will sich die ABDA-Mitgliederversammlung entscheiden, wie sie mit dem Angebot umgehen wird. 

Prost Neujahr, mein liebes Tagebuch, wir wünschen allen unseren Lesern  und Kommentatoren ein erfolgreiches 2019. Und lasst uns genau hinschauen, in der Krise stecken Chancen. 



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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11 Kommentare

SS

von Conny am 31.12.2018 um 12:27 Uhr

Möge Gott Schmidt und Spahn vergeben, ich kann es nicht !

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

@ Kirk und @ Herzog

von Thesing-Bleck am 31.12.2018 um 9:20 Uhr

Die Kommentare der beiden Kollegen Kirk und Herzog bringen Aspekte in die Debatte, die meiner Wahrnehmung nach im ganzen Jahr 2018 viel zu wenig berücksichtigt worden sind. Wir brauchen viel mehr dieser „alternativen“ Denkansätze, um die verkrustete Debatte zur Situation der öffentlichen Apotheke aufzubrechen. Das ist die Herausforderung, die offenbar nur noch von der Basis selbst gelöst werden kann.
Für das Jahr 2019 wünsche ich mir von Dir, mein liebes Tagebuch, dass Du Deine wöchentliche sachkundiger Analyse durch umsetzbare Handlungsoptionen erweitern kannst und mit den Kollegen und Kolleginnen, die über den Tellerrand hinaus denken und handeln, eine neue Aufbruchbewegung ins Leben rufen kannst.
In diesen Sinne wünscht einen guten Übergang ins Jahr 2019
Elisabeth Thesing-Bleck geschrieben am Silvestertag.

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Gestaltet werden?

von Reinhard Rodiger am 30.12.2018 um 17:47 Uhr

Das Wort des Jahres könnte "disruptive Transformation" sein.
Für die einen heisst das,dass sie nicht gestalten können, da sie Objekt der Transformation sind.Das sind zunächst die, die von der Standesführung nicht mehr vertreten werden.Ihr Verschwinden (ca 60%) ist das anerkannte Ziel.
Die anderen können vorübergehend davon profitieren,dass viele gewollt verschwinden.Die sind vor ihrer eigenen Transformation die glücklichen Fast-Gewinner.Sie werden von grösseren Einheiten übernommen.Sie merken es nur noch nicht.
Eigentlich sitzen beide Gruppen im gleichen Boot, nur zeitverschoben.Da würde sich Synergienutzung anbieten.Schliesslich ist der gesellschaftliche Wert an die Verteilung gebunden.Wenn sie schwindet steigt die Konzentration.Ungebremst. Bis alle weg sind und die Patienten endlich ausgenommen werden können, wie es sich gehört- nach dem neoliberalen Denken.

Dagegen hilft nur, genau die disruptive Potenz zu entwickeln, die auf der Gegenseite schon lange besteht.

Das bedeutet , den beweis anzutreten, dass Umsicht wichtiger ist als Automatisierung mit ihren Fehlern.Dabei ist die damit verbundene Technik offensiv selbst zu nutzen.Sind wir nicht noch die am Wissenspool des Systems aktiv beteiligt?

Dabei ist der Wegfall lästiger Tätigkeiten wie BZ.- Stäbchen umsonst verteilen eher entspannend.Richtig spannend wird die personalisierte Medizin.Allerdings nur mit entsprechendem
Willen, da mit zumachen.Das kommt.

Davor steht eine Interessenvertretung, die den Namen verdient.Es ist Zeit,ihr auf die Beine zu helfen.Schliesslich gibt es ohne Mitglieder weniger Einnahmen und nichts mehr zu kontrollieren.

Auf gehts.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

2019 - Denkstoff

von Reinhard Herzog am 30.12.2018 um 15:27 Uhr

In den rund 3.280 Worten dieses Tagebuchs - immerhin ein Jahresrückblick 2018 - kommt das Wort "Versandverbot" geschlagene 44 mal vor, "Versandhandel" immerhin noch 11 mal. Während um Rx ein Riesen-Gedöns gemacht wird (konstant gut 1% Marktanteil), "hat man mit dem Non-Rx-Versand seinen Frieden gemacht", bei einem Marktanteil nach Umsatz zu Apotheken-Listenpreisen - nicht zu effektivem AVP des Versands - von rund 20% (!), weiter steigend. Von außen betrachtet kann man da nur staunen.

Den Arzneimittelversand gibt es mittlerweile 15 (!) Jahre. Man schaut zu, eigene branchenweite Lösungen (nicht Bastler- und Insellösungen) Fehlanzeige, jüngst mal erste Gehversuche. Dafür gellende Schreie nach Regulierung, interessanterweise aber nur nach Teilregulierung. Wo bleibt das Non-Rx-Geschäft? Eine 50 Mrd. Euro-Branche verzwergt sich selber ...

Leute, Ihr ruiniert euren schönen Beruf vor allem selbst.
Die "Erfolgsformel":

Regulierungsfetischismus mal
unübertroffener Strukturkonservativismus mal
phobisch geprägte Zukunftssichtweise und Risikoaversion.

Der "Erfolg" liegt auf der Hand ...

Wer nur danach trachtet, etwas zu bekommen, aber nicht, es marktgerecht zu verdienen, wer sich beharrlich weigert, einmal den eigenen Markt und seine Entwicklung in der weiteren Zukunft zu ergründen, der wird eben niemals aktiver Gestalter, sondern Getriebener, Getretener, bestenfalls mitleidig Alimentierter bleiben.
Dieser Gestaltungsunwillen (über das bloße Fordern nach "mehr" hinaus) und das beharrliche Festhalten an immer weniger tauglichen Strukturen führt eben in die heutige Lage.

Zum "Markt" nur ein ganz klein wenig "Denkstoff":

- 8% (steigend) der Pharma-Pipeline Phase Klinik II und weiter sind Gen- und RNA-Therapien. Die gehen nicht mehr über die "Theke" ...

- Die berührungslose Blutparameter-Messung (u.a. Glucose) ist marktreif. Ade, Teststäbchen ...

- In USA - u.a. IBM Watson Health - werden Patientenakten der Zukunft mit rund 1 Terabyte angesetzt. Pro Kopf. Genom-Sequenzierung, Pharmakogenomik, Biomarker, intelligent ausgewertete bildgebende Diagnostik u.a.m. inklusive. Plus die entsprechende IT und "künstliche Intelligenz" ... (ja, da ist ARMIN aber ein ganz kleiner Wicht dagegen ...).

Das ist halt alles Neuland im klassischen Blechschachtel-Herstellerland und Lobbyistenparadies Deutschland.

"Was geschieht, ist richtig" - im Sinne von folgerichtig. Aber wie lauten die bekannten Sprüche:

"Die glücklichen Sklaven sind die entschiedensten Gegner der Freiheit" - und:

"Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht!"

In diesem Sinne allen gücklichen (und unglücklichen?) "Sklaven" der Krankenkassen und der so vielen "Marktpartner" ein frohes, gesegnetes Neues Jahr - hoffentlich voll guter und kluger Erkenntnisse.

Und vielleicht bewegen sich ja mehr, und spüren dann schmerzhaft ... nun ja, siehe oben ;-)

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Das grosse Schweigen

von Dr.Diefenbach am 30.12.2018 um 13:23 Uhr

,,,,hat uns viel mehr Probleme beschert als es in Berlin geglaubt wurde.Ein massives Auftreten ,auch MIT der Berufsöffentlichkeit,NICHT "wichtig" nur im VerhandlungsHINTERzimmer,wäre besser gewesen.Alle anderen machen es uns dauernd vor.Ärzte,Eisenbahner,Metaller,Beamte(!),um nur einige zu nennen.Unser desaströses Herumlarvieren(ich nenne mal Herrn Kollegen Kiefer in Davos und die wohl gefallenen Worte,dass "Apotheker niemals Egoisten sein könnten"(Einfältiger geht es kaum,dafür devot...))-Die vornehme Zurückhaltung bricht leider viele Knochen.Nun ist es aber zu spät,der Stand muss sich entscheiden.Das Problem der Finanzierung WIRD der Hauptpunkt sein,die WISSENSCHAFT tritt immer weiter in den Hintergrund.Wie die Kollegin Kirk bemerkte,unser Veto war früher fällig.heute nimmt man vieles nicht mehr ernst.Wenn ich noch höre dass Prof. Schulz in der ABDA MV mitteilte,dass eine Mitgliedschaft im GBa zu teuer sei,dafür aber Millionen für Studien verwendet werden,über deren Erkenntnis kaum einer Infos zu haben scheint,wenn wir,wie hundertmal gesagt,brutale und sachlich unkorrekte Studien-worauf gerade in der DAZ immer wieder hingewiesen wurde-nicht "beachteten"(2hm),wenn,wenn wenn....dann ist so ein Spahn doch nur EIN Rad im Getriebe.Hat nicht ein grosser Teil von uns früh realisiert dass der sich gut selbst darstellende Minister kaum greifbar ist?Eloquent und karriereorientiert,den jetzigen Posten als Zwischenstation betrachtend??Bei der Führung schien man dem Herrn viel zu sehr zu vertrauen.Mittlerweile ist genau das eingetreten,WAS sich der Herr von DocMorris und andere Figuren wünschten:WIR sind KEINE Einheit mehr,das will die ABDA Spitze bloss nicht wahrhaben.Der Mantellsche Vorschlag vom APOTAG ,der STRUKTUREN kritisch hinterfragt,ist wichtiger denn je:Die Zeit des Postenbesetzens muss vorbei sein,kritische Geister wie Frau Linz fallen leider zu oft hintenrunter:Merken denn zu wenige,dass längst der Interessenkonflikt "kleinere" gegen "grosse"Apotheken das Handeln INNERHALB vieler der 34er Truppe bestimmt?Dass man somit nie mehr DEN Stand widerspiegelt,wenn der Minister sich die Ehre des Empfangens gibt?Dennoch:Die Einzelapotheke wird es Immer(!) geben,in reduzierter Zahl.Wissenschaft UND Wirtschaft trennen sich immer mehr,und die Hoffnung dass 2019 mehr Sinnhaftigkeit wenigstens in Anfängen statfindet,ich bin mal so optimistisch(!) dass ich DAS zu glauben wage.
Nochmals ALLEN,auch denen,über die "wir" hier immer innerhalb der Berufspolitik unser Missfallen ausdrücken:Ein positives 2019,und viel Rückgrat gegenüber den Ministerchen.Das sind vorübergehende humane Ereignisse,die Apotheke gibt es seit über 750 Jahren..

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Die "verschenkte Zeit" ... kommt nicht zurück.

von Christian Timme am 30.12.2018 um 13:03 Uhr

Die "ABDA" hat ihren Zweck erfüllt ... es hat nur noch keiner der "Betroffenen" bemerkt. Seit Jahren wird berechtigte Kritik geäußert ... wieder und wieder erklingt das "Konzert" der "angeblich Unzufriedenen" ... aber N I C H T S passiert? Wärend andere Marktteilnehmer die zukünftige Gestaltung des Gesundheitsmarktes, seit Jahren, aktiv betreiben ... sogar einschließlich eines Ministers ... bringen sich die "Apothekers" so gut wie nicht ein. Wenn das eine "Zukunftsstrategie" ist ... fresse ich noch einen Besen ...

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RX-Versandverbot

von Dr. Radman am 30.12.2018 um 12:34 Uhr

Der Minister ist so ehrgeizig, dass er die Lösung für die Schieflage der Arzneimittelversorgung unbedingt finden möchte.

Sein Plan B wird aber scheitern. Da bin ich mir sicher. Was bleibt also?.

Entweder wird er zu Plan A zurückkehren oder das ganze einfach lassen, was für ihn ein Makel in seiner Kariere darstellt. Er wird keineswegs das Gesetz nach Plan B aufzwingen, denn das könnte ja schiefgehen. Das verträgt der Minister nicht.

Unsere Forderung ist das, was die höher gestellten Politiker vereinbart haben. Nämlich RX- Versandverbot. Es seine Aufgabe Mehrheiten dafür zu organisieren; Nicht unsere. Dabei soll es bleiben und nach keinen weiteren Alternativen gesucht werden.

Der Ball liegt nun beim Minister. Punkt.

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Das Rx-Versandhandelsverbot aus Verbrauchersicht: warum eigentlich?

von Beate Kirk am 30.12.2018 um 12:31 Uhr

Sehr geehrter Herr Ditzel,

Ihren Überblick über das Jahr 2018 aus berufspolitischer Sicht finde ich genial formuliert. Sehr treffend!

Da ich selbst nicht mehr im Berufsleben stehe, fällt mir auf, dass für Nichtpharmazeuten und Nichtpharmazeutinnen nicht zu erkennen ist, was denn am Rx-Versandhandel so schlimm sein soll. Im Vordergrund der Argumentation für ein Verbot des Rx-Versandhandels stehen Existenzsicherung der Apotheken vor Ort und Gewährleistung einer flächendeckenden Versorgung mit Arzneimitteln. Die Versorgung mit Arzneimitteln sehen deutsche Verbraucher und Verbraucherinnen nach meinem Eindruck ganz und gar nicht gefährdet.

Meine persönliche Meinung im Jahre 32 nach der Approbation als Apothekerin:
Arzneimittelsicherkeit ist für viele Apotheker und Apothekerinnen in Deutschland nicht so wichtig, die kaufmännische Seite des Apothekerberufes umso mehr.

Im begründeten Einzelfall kann ich das nachvollziehen.

Für den Berufsstand insgesamt ist dieses Desinteresse verheerend.

Wann wird denn mal ein Arzneimittel aus pharmazeutischen Bedenken heraus nicht abgegeben? Auch ich habe in der Praxis oft im voraus resigniert, weil ich mir die wohl aussichtslose Diskussion mit dem verordnenden Arzt ersparen wollte.

Der Berufsstand hat zuwenig Selbstbewußtsein. Die ABDA akzeptiert nach meinem Eindruck einfach alle Zumutungen. So wurden die unsäglichen Rabattverträge hingenommen und verwirklicht, die zumindest mir die Freude am Beruf genommen haben.

Die Argumentation, dass die Patientencompliance gefährdet sei und dass ein Austausch von wirkstoffgleichen Arzneimitteln aus pharmazeutischer Sicht als bedenklich zu bewerten ist (wegen anderer Hilfsstoffe, anderem Preßdruck bei Tabletten, anderer Freisetzungsgeschwindigkeit usw.): diese Argumentation hätte auf der Hand gelegen.

Das Statement, dass der Postbote Sicherheitsbedenken bei der Abgabe von Arzneimitteln nicht beurteilen kann: tja, heutzutage zieht das wohl nicht mehr, denn welcher Arzneimittelskandal der Vergangenheit wurde denn durch Apotheker aufgedeckt oder verhindert? Wie sieht es denn in der Gegenwart aus mit Negativ-Infos über Arzneimittel? Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Bei Abgabe von Kontrazeptiva der 3. und 4. Generation: eine sinnvolle pharmazeutische Info an die Kundin (von wegen "besser wären wohl andere "Pillen" mit mutmasslich niedrigerem Thromboserisiko") kann ich mir mit viel Phantasie durchaus vorstellen. Klar, die Gynäkologin ist evtl. nicht erfreut. So what? Die "Aufklärung" über derartige UAWs von Arzneimitteln gibt es indes doch eher im STERN oder in der BRIGITTE als in der Apotheke vor Ort.

Berichte über das sinkende Ansehen des Apothekerberufs in der Wertschätzung durch die Bevölkerung entsprechen in vollem Umfang auch meinem persönlichen Eindruck.

Schade. Ich war mal stolz, das fordernde Pharmaziestudium bewältigt zu haben. Im Rückblick war die Entscheidung für Pharmazie für mich ein Fehler. Zuviel "Verkäuferin", zuwenig "Gesundheitsfachfrau". Und nein - es liegt nicht daran, was jede daraus macht. Zumindest nicht bei einem teilweise als Angestellte in der öffentlichen Apotheke verbrachten Berufsleben.

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AW: Das Rx-Versandhandelsverbot aus

von Peter am 31.12.2018 um 11:20 Uhr

Alles was Du geschrieben hast trifft es, jedoch sind diese Vorschläge nicht mehr umzusetzen. Der Sinn eines freien Berufes ist und war es eigentlich, die finanzielle Seite SO auszugestalten, dass man eben auch mal Nein sagen KANN OHNE(!) persönlichen Schaden davonzutragen.

Freie Berufe waren und sind durch ihre Voraussetzung IMMMER ein Geben und Nehmen. Man ermöglicht das NEIN UND trotzdem ein Auskommen aber halt nicht jedem X beliebigen Max Müller, denn um diesen Anspruch zu erwerben muss man zunächst hohe Anforderungen erfüllen.

Dass man uns gegenüber so borniert auftritt und so tut als wären unsere Forderungen total unbegründet, unsere Leistung die uns überhaupt erst dazu berechtigt Apotheker zu spielen lieber auf dem Niveau eines MoPro Maxi Müller anzusiedeln, haben wir hingegen selbst verbockt. Irgendwie sind wir in der Wahrnehmung auf der Stufe des MoPro Verantwortlichen eines Supermarktes angekommen nur das wir halt die Pillen Verantwortlichen sind. Ob Pillen oder Quark, wo ist denn da der Unterschied, wasse erlaube' Strunz?

Jetzt kann man sich natürlich noch fragen, wieso wir nicht in der Vergangenheit so agiert haben wie von Dir als Wunsch beschrieben.

Schätze das liegt am deutschen Verständnis von Arzt und Apotheker. Der Arzt befiehlt, der Apotheker hat zu buckeln, er WURDE dafür dereinst auch reichlich monetär entschädigt, devot gegen cash, why not? Passt zwar nicht zu dem Spruch "lieber aufrecht sterben als gebückt leben" aber passt zum Durchschnittshabitus DER Apotheker.

Der Halbgott in weiß ist aber trotzdem mMn eine urdeutsche Erfindung für den es in anderen Sprachen genauso wenig Ersatz gibt wie für Kindergarten und Zeitgeist.

Die Ärzte hatten in unserer "goldenen" Vergangenheit einfach zu viel Macht über unser Wohl und Wehe.

Der Apotheker, der bei dem es für Medizin nicht gereicht hat? Der schärfste Spruch eines Arztes war mal, dass ER studiert hat. Ähh, ja, mhh wir auch? Doppelgähn.

WIR wissen, dass für die beiden Studiengänge die relativ gleichen Voraussetzungen gelten, wer noch? Der Arzt mit der eben erwähnten Aussage wohl nicht und diese tat er sogar öffentlich kund, war irgendwie "er als Akademiker würde nicht auf Apotheker hören", lol was ein Vollpfosten, Medizinschule Tschechei weil Geld vom Papa da aber kein NC für ne deutsche Uni, naja :D

Die Kassen hingegen wissen das ganz sicher, aber wenn man tritt und tritt und keine Reaktion kommt? Höhö, diese Apotheker, da stellt man sie als überflüssig und überbezahlt im Vergleich zum MoPro Beauftragten hin und die reagieren nicht mal, sie betteln weiter lieb gehabt zu werden anstatt Kontra zu geben.

Dass die Ärzte zudem immer noch zu einem großen Teil in ihren halbgöttlichen Spähren schweben merkt man sehr schön an der strikten Weigerung einer Wirkstoff/Stärkenverordnung sprich, die Rabattverträge haben sich wohl zu einem guten Teil immer noch nicht zu den Ärzten herumgesprochen was UNS im Rahmen des Rabattvertragsgelabers aber extrem geholfen hätte und nach 12 Jahren helfen würde. Was soll's, wir haben trotzdem noch die Umsatzsteuerabzugsberechtigung, ÄTSCH.

Und die Patienten?
"Der Arzt hat aber EXTRA diese Firma aufgeschrieben, der wird sich schon was dabei gedacht haben, wäre es ihm egal hätte er ja das aufgeschrieben was sie mir verkaufen wollen"

ICH habe kein Problem damit meinen Tätigkeitsschwerpunkt vom Kaufmann zum Dienstleister zu verlagern, WENN die Bezahlung stimmt. Ungern, ja, denn hätte ich akademisch bezahlter Dienstleister werden wollen hätte ich Medizin studiert aber wenn es denn so sein soll dann soll es mir Recht sein. Aber, wie bereits erwähnt, wenn wir vom Kaufmann abgekoppelt werden sollen dann nur zu einem Einkommens-Tarif unwesentlich geringer (haben ja noch OTC) als zu dem eines selbstständigen Arztes. Im selben Atemzug könnte man die Vergütung unserer angestellten ApothekerInnen in der Offizin gleich mit auf ein der Ausbildung angemessenes Maß hochfahren, weg von der Kohle für Schachtelschubserei hat also auch was Positives.

Das erstrebenswerte Gehalt der angestellten ApothekerInnen wiederum müsste auch nicht zu 100% von der Versichertengemeinschaft getragen werden, denn den Apotheker als Kaufmann will ja irgendwie eh keiner mehr, also braucht man für die popelige Pillenabgabe auch keine PTA mehr, das kann dann ein umgeschulter MoPro Verantwortlicher übernehmen der deutlich günstiger zu haben ist weil die ApothekerInnen den pharmazeutischen Teil erst nach dem ordinären Verkauf übernehmen. Was ich an der einen Stelle weniger bezahle kann ich an der anderen mehr ausgeben. Ups, da war er wieder, der Kaufmann.

Guten Rutsch zusammen :)

Der Point of no Return ist überschritten

von Karl Friedrich Müller am 30.12.2018 um 10:55 Uhr

Zunächst: toller Kommentar Herr Müller. Ja, Spahn setzt sich ohne Not ins Abseits. Einen Poltiker, der mit Ultimaten und Drohungen arbeitet, sollte man auch erst mal da lassen.
Unverständlich, dass die ABDA das auch noch mit macht.
Überhaupt verstehe ich das ganze Szenario nicht.
Whatever, es sollen Apotheken in ihrer Zahl reduziert werden. Auch das wird von der ABDA gefördert. Vordergründige Erhöhung der „Qualität“, in Wirklichkeit Druck, um auszusieben. Für Qualität interessiert sich zunächst mal nur der Kunde, nicht die Politik, nicht die KK, die nur billig wollen.
Wenn sich die hohen Herren ein wenig Zeit lassen, dann ergibt sich die Ausdünnung von selbst. Viele „alte“ Kollegen werden keinen Nachfolger finden. (Unsägliche Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten, was die Jungen nicht mehr wollen) Im Gegenzug werden verbleibende Betriebe wachsen, vielleicht so sehr, dass nur noch Konzerne den Preis einer Übernahme bezahlen können. Wie bei den Zahnärzten. Der Weg zur Kette ist vorgezeichnet. Wenn dann noch Kk auf online Belieferung mit Selektivverträgen bestehen...
Auch die neolieberale Förderung des AM Versands wird weitergehen.
Warum haben Politik und KK Interesse daran, das Gesundheitswesen zu zerschlagen? Es betrifft ja nicht nur uns, sondern auch Ärzte, Kliniken. So regt sich im Spiegel ein Chefarzt darüber auf, dass Geld bei den Investoren verschwindet und nicht dem Patienten zur Verfügung steht. Und über die Arbeitsbedingungen, dem Zwang, mehr „lohnende“ Fälle zu bekommen. (Sauerei)
Werden dann die KK in normale Versicherungen überführt? Mit dem gleichen Gehabe? 2 x eine Leistung eingefordert, dann die Kündigung erhalten?
Die Jetzigen Kassen“Manager“ stehen dann natürlich auf der Straße. Sie werden vorgesorgt haben, sich reichliche Abfindungen und Ruhestandsgehälter genehmigt haben.
Lange Rede, kurzer Sinn: auf Grund der Altersstruktur, des „uneigennützigen“ Einsatzes der Politiker und der KK Vorstände, und ihrer Borniertheit, ist der Weg schon seit Ulla Schmidt vorgezeichnet. Dazu die totale Unfähigkeit unserer Vertreter... Die Bahn hat ihrer Gleise um 16% reduziert, nichts geht mehr. So wird es auch im Gesundheitswesen sein, bzw. ist es schon. Das kann auch den online Doc nicht ändern. Die Bürger sollen ruhig gestellt werden. Das wird nicht gelingen. Irgendwann wird man die Proteste und die aufkommende Wut nicht mehr ignorieren können.
Ja, Wandel bietet auch Chancen. Eine Zeit lang.
Dann ist zu hoffen, dass die Politik rechtzeitig zur Vernunft kommt.

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3x hinter die Fichte mit Jens reicht ...

von Gunnar Müller, Detmold am 30.12.2018 um 10:14 Uhr

Jens Spahn (vor dem DAT / auf dem DAT/ und Ende November):
- Ich komme zum Apothekertag mit einer Lösung des Versandhandelskonflikts
- Wir besprechen alles und ich erstelle schnellstmöglich ein Konzept
- Ich lade mich zu Ihrer MV ein und stelle Ihnen dort ein paar mit meinem Ministerium nicht abgestimmte Ideen vor, die Sie dann als Paket akzeptieren dürfen - oder nicht.

Es kann und sollte jetzt jede/r für sich entscheiden, für wie glaubwürdig man diesen Minister halten darf.

Was bleibt nun der Apothekerschaft:
- Wir sollten das Amt des BMG respektierend selbstverständlich ‚gesprächsbereit‘ bleiben - natürlich ganz und nur in diesem vorgenannten, Spahn’schen Sinne
- Wir sollten endlich unsere eigenen Konzepte zur Zukunft der deutschen Apotheken und unseres schönen und wichtigen Berufes erarbeiten, um diesen wieder zu dem zu machen, was er bis vor gar nicht allzu langer Zeit einmal war
- Und wir sollten diese Konzepte als Gegenangebot zu den Spahn'schen Faseleien zielgerichtet der Politik und der breiten Öffentlichkeit vorlegen.

Jens Spahn hat sich mit seinem ‚Angebot‘, das ausländische Rx-Versender kunstvoll protegiert statt für die inländischen Apotheken die Zukunft zu sichern, ohne Not selber ins Abseits gestellt.
Dass einige dafür bekannte Claqueure wie Lauterbach und Co. ihm dabei noch zustimmen, sollte uns nur anspornen...
P. S. Dass auch andere (außer der ABDA) schweigen können, hat mir das Tagebuch vom 9. Dezember mit seinen Kommentaren zum Stuttgarter Schweigen – leider auch – gezeigt…

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