Probiotika

Lactobacillus rhamnosus bei Kinderdurchfall – ein probiotisches Placebo?

Berlin - 04.12.2018, 15:25 Uhr

Mit Probiotika kann man als Empfehlung bei Kindern nichts falsch machen, oder? Neue Studienergenisse legen nahe, dass Lactobacillus rhamnosus bei Kinderdurchfall wenig nutzt. (m / Foto: imago)

Mit Probiotika kann man als Empfehlung bei Kindern nichts falsch machen, oder? Neue Studienergenisse legen nahe, dass Lactobacillus rhamnosus bei Kinderdurchfall wenig nutzt. (m / Foto: imago)


Lactobazillen auf Placeboniveau

In der Studie war das Risiko für eine moderate bis schwere Gastroenteritis unter Lactobazillen mit 11,8 Prozent vergleichbar wie unter Placebo (12,6 Prozent). Auch bei den Sekundärparametern gab es keinen statistisch signifikanten Vorteil für Lactobacillus rhamnosus GG: So dauerte der Durchfall im Median in beiden Gruppen etwa 50 Stunden an. Mit oder ohne Lactobazillengabe fehlten die Kinder im Median zwei Tage in der Kita. Dieselbe Forschergruppe veröffentlichte etwa zeitgleich eine ähnlich designte Studie, bei der Lacotobacillus rhamnosus in Kombination mit Lactoacillus helveticus eingesetzt wurde – mit ähnlich negativen Ergebnissen.

Die Ergebnisse der beiden Studien von Freedman, Schnadower und Kollegen stehen im Widerspruch zu früheren Studien, auf die sich unter anderem auch die oben genannten Leitlinienempfehlungen beziehen. Die Wissenschaftler erklären diesen Widerspruch damit, dass die Patientenzahlen in diesen Studien geringer waren und teilweise verschiedene Probiotika gemischt eingesetzt wurden. Außerdem wurde nach Auffassung der Autoren in den anderen Studien die Qualität der Probiotika nicht immer überprüft.

Nur für immunkompetente Patienten

Die Studienergebnisse von Freedman, Schnadower und Kollegen unterstützen den Gebrauch von Lacotobacillus rhamnosus GG bei Kinderdurchfall jedenfalls nicht. Auf andere Mikroorganismen wie etwa Saccharomyces-Hefen (z.B. Perenterol) sind die Ergebnisse zwar nicht übertragbar. Doch der Nutzen für diese Probiotika müsse erst in ähnlich großen Studien gezeigt werden, erklärt Gastroentereologe J. Thomas LaMont vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston, der die Studien von Freedman, Schnadower und Kollegen kommentierte.

Wie Probiotika genau wirken, ist nur teilweise geklärt. So soll die Milchsäure, die Lactobazillen bilden, pathogene Keime zurückdrängen. Auch immunmodulatorische Effekte werden diskutiert. In der Apotheke ist es wichtig zu beachten, dass diese Präparate bei immunsupprimierten Kindern schwere Nebenwirkungen verursachen können.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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