DAZ-Adventsrätsel – Tag 1

Lizenz zum Löschen 

Stuttgart - 01.12.2018, 01:00 Uhr

In der Weihnachtszeit schreiben die Menschen oft wieder mit Tinte, die dabei
der Stoff ist, aus dem die Träume sind – oder wenigstens mit dessen Hilfe sie
festgehalten werden können. (Foto: BillionPhotos.com / stock.adobe.com)

In der Weihnachtszeit schreiben die Menschen oft wieder mit Tinte, die dabei der Stoff ist, aus dem die Träume sind – oder wenigstens mit dessen Hilfe sie festgehalten werden können. (Foto: BillionPhotos.com / stock.adobe.com)


Spätestens mit Beginn der Vorweihnachtszeit holen viele Menschen wieder edles Schreibzeug hervor. Für die meisten ist das nämlich die Gelegenheit im Jahr, ihre Grüße, Wünsche oder Erinnerungen zu Papier zu bringen. „Wer schreibt, der bleibt“, aber was geschrieben ist, bleibt nicht unbedingt ewig – bei Fehlern ist das ja durchaus erstrebenswert. Schon Grundschüler wissen die Dienste eines Tintenkillers zu schätzen. Doch die Funktionsweise dahinter versteht man frühestens im Grundkurs Chemie der Oberstufe – oder nach dem Öffnen von Türchen Nummer 1 des DAZ-Adventskalenders.

Das erste Rätsel

Für das Werkzeug, das Tinten-Geschriebenes unsichtbar machen kann, existieren bekanntlich verschiedene Bezeichnungen, die von martialisch bis relativ praktisch klingen: Tintentod, Tintenlöscher, Tintenlöschstift, Tintenkiller oder kurz „Killer“. Der Stift zur Vornahme von Korrekturen besteht meistens aus zwei Teilen: Mit dem einen Ende wird die Tinte „unsichtbar“, mit dem Filzstift am anderen Ende kann – wenn erforderlich und bekannt – die jeweilige Korrektur vorgenommen werden. 

Doch wie funktioniert ein Tintenkiller? Um das verstehen zu können, muss man sich zunächst bewusst werden, warum Tinte überhaupt blau ist. Tinte ist ein Farbstoff, dessen Grundgerüst aus einem zentralen Kohlenstoffatom mit drei aromatischen Resten besteht. In diesem Farbstoffmolekül, dem Triphenylmethan, existieren viele frei bewegliche Elektronen, die sich über den gesamten Bereich verteilen können.  

Sichtbares Licht regt diese Elektronen energetisch an. Daraufhin absorbieren sie bestimmte Farbanteile des Lichts. Was wir sehen, ist dagegen das reflektierte Licht, in dem die absorbierten Wellenlängen fehlen. Im Fall von Tinte ist also die Komplementärfarbe zu dem absorbierten Licht blau. Für die Anregung und Farbe ist es wichtig, dass sich die Elektronen über die Molekülstruktur frei bewegen können. Voraussetzung dafür ist, dass das Molekül planar ist.

Tintenkiller macht planare Moleküle pyramidenförmig

Benutzt man einen Tintenkiller, der im Wesentlichen aus einem Reduktionsmittel wie beispielsweise Natriumsulfit besteht, verändern sich die Farbstoffmoleküle in der Tinte auf dem Papier. Ein negativ geladenes Teilchen (z.B. das Hydrogensulfit-Ion) greift als Nukleophil am zentralen Kohlenstoffatom an und wird gebunden. Dadurch verändert sich die ganze Geometrie, und das ehemals planare Molekül wird pyramidenförmig. Die Elektronen können sich dann nicht mehr frei über das gesamte Molekül verteilen. Sichtbares Licht tritt nicht mehr in Wechselwirkung mit den Elektronen und wird vollständig reflektiert. Wir sehen statt blauer Tinte nur noch weißes Papier. 

Gelöschtes wieder sichtbar machen

Neben dem Löschen mit Sulfiten, wie Natriumsulfit, Natriumhydrogensulfit oder Kaliumsulfit, existiert die Methode mit Carbonaten (Natriumcarbonat, Natriumhydrogencarbonat), die etwas weniger effektiv ist, oder die Verwendung von Thiosulfaten und Dithioniten. 

Übrigens wird die Tinte beim Löschvorgang nicht zerstört, sondern tatsächlich nur unsichtbar gemacht. Eine Rückumwandlung ist also prinzipiell möglich. Dazu können Aldehyde oder der Dampf von etwa 36%iger Salzsäure genutzt werden. Auch eine Alternative mit Essigdampf wird beschrieben. Ohne chemische Einwirkung können Heißluft oder einfach die Zeit dafür sorgen, dass Tinte (z. B. in alten Schulheften) teilweise wieder sichtbar wird. 

Schon Cicero berichtete von einem Tintenrezept, das sich sogar zum Färben von Lebensmitteln eignet und erst im 18. Jahrhundert zum Schreiben verwendet wurde. 

Wie lautet der Gattungsname dieses braunschwarzen Farbstoffes?

Der Gattungsname des gesuchten braunschwarzen Farbstoffes lautet Sepia.

Gewonnen hat Melanie Bengel aus Nennslingen.



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