Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

25.11.2018, 08:00 Uhr

Der ABDA- und Kammer-Sound unisono: Rx-Versandverbot und Gleichpreisigkeit und pharmazeutische Dienstleistungen. (Foto: Andi Dalferth)

Der ABDA- und Kammer-Sound unisono: Rx-Versandverbot und Gleichpreisigkeit und pharmazeutische Dienstleistungen. (Foto: Andi Dalferth)


Am 11. Dezember ist Nikolaus! Da kommt Spahn zur ABDA-Mitgliederversammlung und bringt seine Pläne für den Apothekenmarkt mit. Gibt’s Apfel, Nuss und Mandelkern – oder Rute? Für Apothekers ist das kein Tag zum Träumen und Liedersingen. Der Kammer- und der ABDA-Chor schallt unisono: Wir fordern ein Rx-Versandverbot, aber Kinder, das wird’s nicht geben. Was wollen wir dann? Die Gleichpreisigkeit, wie auch immer, und ja, pharmazeutische Dienstleistungen, ordentlich honoriert und natürlich on top. So sieht ABDAs Wunschzettel aus.

19. November 2018

Mein liebes Tagebuch, ich freue mich: Endlich macht eine Kammer Druck in Sachen neuer Approbationsordnung. Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen sei Dank, dass sie und ihr gesamter Kammervorstand die Bundesapothekerkammer (BAK) auffordern, endlich die Novellierung der Approbationsordnung für Apotheker in Angriff zu nehmen. Und das ist gut so, denn irgendwie konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die ABDA dieses Thema vor lauter Rx-VV- und Honorardebatten nicht mehr auf dem Schirm hatte. Mittlerweile ist es schon vier Jahre her, dass der Apothekertag mit Verve und Esprit ein Perspektivpapier beschlossen hat mit dem Ziel mehr Patientenorientierung in der Pharmazie – doch getan hat sich bis jetzt nicht allzu viel, Papier ist geduldig. Ist ja noch lange hin bis 2030, oder? Von wegen, mein liebes Tagebuch, wenn hier etwas für unsere apothekerliche Zukunft gerissen werden soll, ist es fünf vor Zwölf. Denn, Hand aufs Herz, wenn wir es mit der Patientenorientierung wirklich ernst meinen (was unsere einzige Zukunftschance ist), so klemmt’s hier doch an einigen Ecken und Enden. Angefangen bei unserer Ausbildung. Klar, wir haben die fünfte Disziplin „Klinische Pharmazie“, die 2001, vor siebzehn Jahren (!), als neues Fach in unserer Approbationsordnung verankert wurde – aber gefühlt wird dieses Fach bis heute als fünftes Rad am Wagen gesehen. Da muss mehr passieren. Ja, ja, sagen die etablierten Hochschullehrer, schon recht, aber muss man da gleich die Approbationsordnung ändern? Und sie verweisen darauf, dass es gefährlich sein könnte, an dieser Ordnung für unsere pharmazeutische Ausbildung zu drehen. Das Kontra-Argument: Dann verlieren wir womöglich unser Staatsexamen und bekommen das Bachelor-Master-System, das wir so nicht wollen. Ist das wirklich so? Aus solchen und ähnlichen Befürchtungen heraus haben sich die Bundesapothekerkammer, die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft und der Bundesverband der Pharmaziestudierenden 2017 als Kompromiss auf einen „Kompetenzorientierten Lernzielkatalog Pharmazie – Perspektivpapier (KLP-P) Apotheke 2030“ verständigt mit dem Ziel, die Klinische Pharmazie zu stärken, ohne gleich die Approbationsordnung novellieren zu müssen. Mein liebes Tagebuch, ein solcher Lernzielkatalog ist eine Absichtserklärung, aber noch lange nicht bindend für unsere Hochschulen.  Und wenn man weiß, wie langsam Hochschulmühlen mahlen… Ohne Druck passiert auch da nicht viel. Also: Jetzt macht die Kammer Niedersachsen Druck auf die BAK, die wiederum mit Druck das Thema „Novellierung der Approbationsordnung’“ aufgreifen soll mit dem Ziel, unseren pharmazeutischen Nachwuchs zukunftsfest zu machen, um Patientenorientierung zu leben. (Übrigens, die Apotheker auf Station stehen schon vor der Tür, sie brauchen mehr Klinische Pharmazie!) Die BAK will das Thema „im nächsten Jahr“ aufgreifen, einen Zeitplan gibt es noch nicht. Mein liebes Tagebuch, da wünscht man sich doch, dass mehr Enthusiasmus an den Tag gelegt wird, denn das klingt noch alles sehr zäh. Hoffen wir auf die niedersächsische Kammer und Magdalene Linz, die dieses Thema nicht aus den Augen verlieren sollte. 



Peter Ditzel (diz), Apotheker / Herausgeber DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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4 Kommentare

Ein interessanter Schachzug…

von Gunnar Müller, Detmold am 25.11.2018 um 12:13 Uhr

Von Jens Spahn!
Sich am 11. Dezember zur MV in die Höhle des Bettvorlegers ABDA zu begeben zeugt davon, dass er sein Geschäft versteht.
So wird er also dort im kleinen, handverlesenen und erlauchten Kreise exklusiv und ohne Zuschauer das verbreiten, was er eigentlich bereits auf dem DAT verbreiten sollte.
Bereits damals war zu mutmaßen, dass sowohl Jens Spahn als auch Friedemann Schmidt für ihren Auftritt auf dem DAT einen Burgfrieden vereinbart hatten, um ihre beider Köpfe vor der Kritik der Delegierten zu schützen.
Die jetzige Entwicklung bestätigt das nur noch.
Zumal nun auch noch eine weitere MV für den Januar kostenträchtig einberufen werden muss (kein Problem…), um über Spahn‘s Angebot zu befinden.
So vergeht wieder ein Monat Zeit – Zeit, die man auch für die Information der Apothekerbasis und für eine Ur – Abstimmung über Spahn‘s „Vorschläge“ nutzen könnte… Falls uns die hohen Damen und Herren nicht ein ums andere Mal wieder für dumm verkaufen wollen.
Umso mehr gilt insbesondere für den 11. Dezember:
Fürchtet die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen!


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Gleicher Preis, netter Preis, Versandbonipreis?

von Christian Giese am 25.11.2018 um 10:18 Uhr

Ruft mich eine Kundin an, hatte leichten Schlaganfall, nimmt Clopidogrel und Ramipril. Kann sich nicht mehr erinnern, ob sie morgens Clopidogrel genommen oder statt dessen zweimal vielleicht hintereinander im zwei Stundenabstand Ramipril. Will wissen, was tun?
Was machen Herr Spahn?
Nochmal sofort ne Clopidogrel nehmen, auf die Gefahr, dass doppelt und die Gefahr weiterer Gehirnblutung durch dünneres Blut oder Clopidogrel weglassen und dickeres Blut und weiteren Schlaganfall riskieren?
Was machen, Herr Spahn? Weglassen oder doppelt nehmen?
Gibt darauf der Versandhandel aus Holland eine zeitnahe, innerhalb der nächsten halben Stunde notwendige Antwort? Zum Versandbonipreis? Per Postboten, Herr Spahn?
Sie sollten sich eins schämen Herr Spahn. Ihre Jongliererei mit Rx-Versandverbot, Honorarerhöhung, Kassenrabatt, Plan B, finanzielle Abspeisung usw. usw. den Apothekern gegenüber ist mehr als unseriös!

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Erwartungen und Bedenken

von Ulrich Ströh am 25.11.2018 um 9:55 Uhr



-Das Rx-Versandverbot ist mittlerweile eine -Droge - für führende Standesvertreter,obwohl man in diesem Jahr fast 1,5 Millionen Unterschriften dafür in Apotheken gesammelt hat

-Für die geforderte Gleichpreisigkeit gibt es keinen realistischen Vorschlag von uns.

-Das Honorargutachten ist in der. Politik angekommen und bleibt weiter unkommentiert von uns.

Aber vielleicht wird nach dem 17.Januar 2019 alles gut...

Die Erwartungen steigen. Und die Bedenken.

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.

von Anita Peter am 25.11.2018 um 9:03 Uhr

RX Boni? Dürfen nur EU Versender.

Fremdbesitzverbot? Gilt nicht für EU Versender.

Gedeckelte Einkaufsbedingubgen? Gilt nicht für EU Versender

Defizitäre Aufgaben? Gilt nicht für EU Versender

Nacht und Notdienst auf Mindestlohnniveau? Gilt nicht für EU Versender

Temparaturführung bei AMs? Gilt nicht für EU Versender

Kostenlose Beratung? Gilt nicht für EU Versender

Wielange wollen wir uns eigentlich noch veräppeln lassen??

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