Brandenburg

Apothekerkammer: Finanzminister blockiert neuen Pharmazie-Studiengang

Berlin - 23.11.2018, 07:00 Uhr

Laut Brandenburgs Kammerpräsident Jens Dobbert soll Finanzminister Christian Görke (Linke, hier im Bild) die Kosten für einen neuen Pharmazie-Studiengang aus dem Doppelhaushalt gestrichen haben. (b / Foto: Imago)

Laut Brandenburgs Kammerpräsident Jens Dobbert soll Finanzminister Christian Görke (Linke, hier im Bild) die Kosten für einen neuen Pharmazie-Studiengang aus dem Doppelhaushalt gestrichen haben. (b / Foto: Imago)


Warum Cottbus? Warum die Lausitz?

DAZ.online hat beim Wissenschaftsministerium in Postdam nachgefragt – ohne Ergebnis: Man könne sich derzeit dazu nicht äußern, so eine Sprecherin. Dobbert hat kein Verständnis für das Vorgehen des Ministers. Er berichtet, dass Görke während des Wahlkampfes in einigen Apotheken als „Praktikant“ unterwegs gewesen sei. „Drei Tage vor der Landtagswahl habe ich von Herrn Görke einen Brief erhalten, in dem er mir mitteilte, wie wichtig wir Apothekerinnen und Apotheker sind und er sich, wenn er wieder in politische Verantwortung kommen würde, für einen Studiengang Pharmazie in Brandenburg einsetzten werde.“ Die nächste Hoffnung der Apotheker ist nun der nächste Koalitionsvertrag. Schaffen es die Pharmazeuten, dass ihr Wunsch dort platziert wird, könnte es den neuen Pharmazie-Standort laut Dobbert in den Jahren 2021/2022 geben.

Dass Cottbus ein guter Standort für den neuen Studiengang wäre, davon ist die Kammer überzeugt. Dobbert erinnerte an den geplanten Kohleausstieg, der viele Menschen in der Region betreffen würde. „Sie wissen, dass das Kohlerevier Lausitz wie auch andere Reviere vor dem Kohleausstieg stehen. Ein Termin dieses Ausstiegs ist noch nicht festgeschrieben, aber wir wissen alle, dass dieser Tag kommen wird. Unsere Gedankengänge gehen in die Richtung, die Lausitz zu einem Wissenschaftsstandort auszubauen und dabei könnte ein pharmazeutisches Institut eine wichtige Rolle spielen.“ An der BTU selbst sei man mit diesem Plan auf offene Ohren gestoßen.

Brandenburg als Modellregion für die duale PTA-Ausbildung?

Aber die Kammer kann sich noch mehr für den Standort Cottbus vorstellen. Dobbert sprach am Mittwoch davon, in der Lausitz „einen zweiten Standort für eine PTA-Ausbildung im Zuge einer dualen Ausbildung“ zu schaffen. Dabei soll es sich allerdings nicht um ein duales Studium handeln. Dobbert erklärte dazu: „Sie wissen, dass auf der Bundesebene gerade über die Novellierung der PTA-Ausbildung gesprochen wird. Wir sind der Meinung: Warum sollte man diese Ausbildung nicht in eine duale Ausbildung umwandeln? Wir in Brandenburg könnten uns sogar vorstellen, eine Modellregion für eine duale PTA-Ausbildung zu werden.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

Ihr Artikel

von Ministerium der Finanzen Brandenburg am 26.11.2018 um 18:09 Uhr

Die Entscheidung, die zusätzlichen Mittel für einen Pharmaziestudiengang nicht aufzunehmen war das Ergebnis einer regierungsinternen Abstimmung und steht damit im Einklang mit früheren Entscheidungen der Landesregierung, die Einrichtung eines Pharmaziestudienganges nicht vor 2025 vorzusehen.
Insofern entspricht Ihre Berichterstattung nicht den Tatsachen. Sehr gerne bieten wir dem Kammerpräsidenten ein persönliches Gespräch beim Minister der Finanzen an, um die tatsächlichen Hintergründe aufzuhellen.

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PTA Ausbildung

von Andreas May am 23.11.2018 um 11:26 Uhr

Mit seinem Vorschlag, die PTA-Ausbildung in eine duale Ausbildung umzuwandeln, kommt Kammerpräsident Jens Dobbert zum Glück zu spät, um noch in die politische Umsetzung der PTA-Novellierung einzugreifen.
Wenn er sich zum einen mit den Interessen und Wünschen der PTA selbst auseinandergesetzt hätte und zum anderen mit den Realitäten des PTA-Praktikums, wäre er auch gar nicht erst auf diese abwegige Idee gekommen. Eine ADEXA-Umfrage vom Herbst 2017 hat gezeigt: Von 739 befragten PTA und PTA-PraktikantInnen haben nur 39 % die Frage bejaht, ob sie in ihrem Praktikum gut ausgebildet wurden. 52 % haben das für bestimmte Bereiche verneint und immerhin weitere 9 % für das gesamte PTA-Praktikum.
Die PTA-Ausbildung muss eine Fachschulausbildung mit praktischem Anteil bleiben. Nur so kann flächendeckend eine qualitativ hochwertige Ausbildung sichergestellt werden, die die aktuellen und künftigen Anforderungen am Arbeitsplatz Apotheke erfüllt.

Andreas May
ADEXA-Die Apothekengewerkschaft

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