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Bläschenalarm – schmieren gegen Lippenherpes 

Stuttgart - 22.11.2018, 16:30 Uhr

Um den Kontakt mit den infektiösen Bläschen zu vermeiden,
empfiehlt es sich, Herpescremes mit einem Wattestäbchen aufzutragen. ( r / Foto: domaskina

/ stock.adobe.com)

Um den Kontakt mit den infektiösen Bläschen zu vermeiden, empfiehlt es sich, Herpescremes mit einem Wattestäbchen aufzutragen. ( r / Foto: domaskina / stock.adobe.com)


Gibt's da auch was Pflanzliches?

Docosanol (Muxan®) soll durch Membraninteraktion die Fusion der Virushülle mit der Zellmembran der Wirtszelle inhibieren und somit die Virusreplikation hemmen. Im Tierversuch wurden zudem antientzündliche Eigenschaften nachgewiesen. Der Wirkstoff ist ab zwölf Jahren zugelassen. Die Behandlung sollte beginnen, wenn noch keine Läsionen sichtbar sind. Laut ABDA-Datenbank konnte, wenn sich bereits Blasen oder Geschwüre entwickelt haben, eine Wirksamkeit zu diesem Zeitpunkt nicht gezeigt werden. Die Anwendung erfolgt fünfmal täglich – etwa alle drei Stunden (während des Wachseins).

Mit Lomaherpan® steht eine pflanzliche Option zur Verfügung. Es enthält einen Trockenextrakt aus Melissenblättern, der virustatische Wirkung hat, indem er durch Bindung an Oberflächenrezeptoren der Hautzellen verhindert, dass Viren in die gesunde Zelle eindringen. Auch hier ist deswegen ein möglichst früher Einsatz wichtig. Behandelt wird vier bis zehn Tage, der Einsatz ist ab einem Alter von einem Jahr möglich.  

Zink und Patches 

Topische Zinkzubereitungen (zum Beispiel Virudermin®) wirken adstringierend, kühlend und wundheilungsfördernd. Zudem wurde für Zinksulfat eine schwache virustatische und antibakterielle Wirkung nachgewiesen. Als Wirkmechanismus wird eine Hemmung der Virusadsorption und -penetration postuliert. Behandelt wird vier bis zehn Tage. Ein weiterer positiver Aspekt von Zinkzubereitungen ist der UV-Schutz. UV-Strahlung kann Lippenherpes begünstigen.

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Herpes-Patches (zum Beispiel von Compeed®) enthalten keinen Wirkstoff. Die Hydrokolloidpflaster halten die Wunde feucht und reduzieren so die Krusten- und Schorfbildung. Außerdem lindern sie den Schmerz und das Spannungsgefühl.

Von Hausmitteln wie Zahnpasta oder Teebaumöl ist abzuraten. Sie können die Haut zusätzlich reizen und austrocknen.

Allgemein gilt: Die Flüssigkeit in den Bläschen ist hochinfektiös. Der Kontakt mit den Bläschen sollte auf jeden Fall vermieden werden. Daher empfiehlt es sich, Herpescremes immer mit einem Wattestäbchen aufzutragen. Auch auf das Tragen von Kontaktlinsen sollte verzichtet werden, da die Viren leicht über die Hände ins Auge gelangen können.

Grenzen der Selbstmedikation

Lippenherpes ist in der Regel selbstlimitierend, und die Symptome können gut in der Selbstmedikation gelindert oder verkürzt werden. In manchen Fällen sollte in der Apotheke jedoch zum Arztbesuch geraten werden: 

  • bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem – krankheitsbedingt oder medikamentös,
  • wenn sich die Läsionen ausbreiten, zum Beispiel in die Mundhöhle, Richtung Auge oder Nase oder gar auf die Genitalien,
  • wenn sich die Beschwerden nach ein paar Tagen nicht bessern,
  • bei der Erstinfektion von Säuglingen,
  • wenn zusätzliche Krankheitssymptome auftreten.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ
jborsch@daz.online


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