Januar bis September 2018

IQVIA: Rx-Versandhandel stagniert

Berlin - 19.11.2018, 10:15 Uhr

Der OTC-Versandhandel boomt nach wie vor, die Rx-Zahlen der Versender sind allerdings auf einem konstanten Niveau geblieben in den ersten neun Monaten des Jahres 2018. (Foto: BVDVA)

Der OTC-Versandhandel boomt nach wie vor, die Rx-Zahlen der Versender sind allerdings auf einem konstanten Niveau geblieben in den ersten neun Monaten des Jahres 2018. (Foto: BVDVA)


Das Marktforschungsinstitut IQVIA hat den Apothekenmarkt des ersten Dreivierteljahres 2018 analysiert. Der Umsatz mit Arzneimitteln aus den Vor-Ort-Apotheken und dem Versandhandel betrug in den ersten neun Monaten des Jahres 26,5 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das eine Steigerung um 5 Prozent. Während der OTC-Versandhandel weiter wächst, stagniert der Rx-Versand. Laut IQVIA blieb die Zahl bestellter Rx-Packungen nahezu konstant.

Insgesamt wurden laut IQVIA-Marktbericht zwischen Januar und September 1,2 Milliarden Packungen in Apotheken und über den Versandhandel verkauft, etwa 1 Prozent mehr als in den ersten drei Quartalen 2017. Bei den rezeptpflichtigen Präparaten gingen 554 Millionen Packungen (+ 1 Prozent) im Wert von 23 Milliarden Euro (+ 5 Prozent) über Apotheken an Patienten. Das entspricht 86 Prozent des Gesamtumsatzes der Apotheken. Der Umsatz mit OTC-Arzneimitteln (Basis: effektiver Verkaufspreis) betrug im Dreivierteljahr 3,8 Milliarden Euro (+ 6 Prozent). Der Absatz lag bei 639 Millionen Packungen (+ 4 Prozent). Gemessen am Pharma-Gesamtumsatz von 32,5 Milliarden Euro entfallen rund 86 Prozent (+5 Prozent) des Umsatzes auf  Apotheken (Basis: Abgabepreis pharmazeutischer Unternehmer, ApU), der Rest auf Klinikapotheken.

Versandhandel: Rx stagniert

Knapp 900 Millionen Euro Umsatz wurde in den ersten neun Monaten des Jahres mit Arzneimitteln im Versandhandel gemacht, eine Steigerung um 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Drei von vier Präparaten sind dabei rezeptfrei. Das OTC-Segment verbucht eine Umsatzsteigerung von 8 Prozent. Der Umsatz mit rezeptpflichtigen Präparaten ging um knapp 1 Prozent zurück. Während der Absatz mit OTC-Arzneimitteln um 6 Prozent zulegte (87,8 Millionen Packungen), blieb die Nachfrage nach Rx-Arzneimitteln nahezu konstant bei 6,2 Millionen Packungen, (+ 0,4 Prozent).

Die drei absatzstärksten Präparategruppen im OTC-Versandhandel mit zum Teil zweistelligen Zuwächsen sind topische Rhinologika (+ 12 Prozent), Präparate gegen trockene Augen (+ 10 Prozent) und Hypnotika beziehungsweise Sedativa (+ 9 Prozent). Rückgänge verbuchen unter anderem topische Antirheumatika (- 2 Prozent). Die führenden Gruppen im Rx-Versandhandel sind laut IQVIA Angiotensin-II-Antagonisten als Monopräparate, Lipidregulatoren und Diuretika, aber auch Thyreoidpräparate konnten leichte Zugewinne verzeichnen.

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Wie verlässlich diese Zahlen in Bezug auf den EU-Versand sind, ist aber unklar. DocMorris, Medpex und die Shop Apotheke gründen gerade ein Unternehmen, das – so wie IQVIA – regelmäßig die Marktzahlen und Marktentwicklungen analysieren soll. Die Versender selbst sind der Meinung, dass sie die Zahlen in ihrem Marktsegment besser und genauer erfassen können, als dies derzeit Marktforschungsunternehmen wie IQVIA oder Insight Health machen. Im Januar 2019 will das von den EU-Versendern gemeinsam gegründete Unternehmen erstmals Daten präsentieren und an die Pharmaindustrie verkaufen.

Patentgeschützte treiben die GKV-Ausgaben

Die Einsparungen der GKV durch Hersteller- und Apothekenabschläge bei Rx-Arzneimitteln liegen im ersten Dreivierteljahr 2018 mit 3,8 Milliarden Euro um 16 Prozent über dem Vorjahreswert. Mit 2,9 Milliarden Euro Abschlägen entfällt der Großteil der GKV-Einsparungen auf Herstellerabschläge. Die Apothekennachlässe gegenüber der GKV liegen auf Vorjahresniveau und belaufen sich auf 845 Millionen Euro.

Insgesamt stiegen die Kassenausgaben für Arzneimittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 4 Prozent. Der Absatz, der bei den Kassen abgerechneten Packungen, ist mit 526 Millionen Euro aber nahezu unverändert geblieben. Den größten Anteil an den Ausgabensteigerungen von rund 1,1 Milliarden Euro haben mit 18 Prozent die direkten Faktor-Xa-Hemmer. Es folgen die Hochpreiser-Gruppen der sonstigen Antineoplastika und die der MAB Antineoplastika.

Insgesamt wuchs der GKV-Umsatz bei den patentgeschützten Arzneimitteln um knapp 11 Prozent. Der GKV-Umsatz mit Generika wuchs hingegen nur um knapp 3 Prozent.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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1 Kommentar

"Die Bevölkerung will den RX-Versandhandel!"

von Carsten Moser am 19.11.2018 um 16:29 Uhr

Diese Zahlen kann man jedem Politiker um die Ohren hauen, der behauptet, dass die Bevölkerung den RX-Versand will.

Jetzt muss man noch dazu rechnen, mit welchem irren Werbeaufwand und -boni (Bereicherung des Einzelnen auf Kosten der Versichertengemeinschaft) dieser Umsatz zu stande gekommen ist, dann weiß man, dass RX-Versand beim Wähler keinen wirklichen Eindruck hinterlässt.

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