Embryotox-Serie (2)

Embryotox berät kostenlos – aber wer finanziert Embryotox?

Stuttgart / Berlin - 24.10.2018, 17:45 Uhr

Sollte nicht die Pharmaindustrie für Daten zur Arzneimittelsicherheit in der Schwangerschaft sorgen? (m / Foto: Zffoto/ stock.adobe.com)

Sollte nicht die Pharmaindustrie für Daten zur Arzneimittelsicherheit in der Schwangerschaft sorgen? (m / Foto: Zffoto/ stock.adobe.com)


Arzneimittelsicherheit in der Schwangerschaft – nicht Aufgabe der Pharmaindustrie?

Die Mitarbeiter werten Daten von Schwangeren aus, um möglichst sichere Arzneimitteltherapien zu empfehlen. Sollte in Fragen der Arzneimitteltherapiesicherheit bei Schwangeren die pharmazeutische Industrie bei ihren Präparaten nicht mehr in die Pflicht genommen werden? Immerhin verdient die Pharmaindustrie an den Präparaten. Wäre es da nicht recht und billig, jene neben der Datenerhebung auch zur Beratung zu verpflichten? Diese Ansicht teilt Schaefer nicht, im Gegenteil: „Ich bin absolut unzufrieden mit dem Arzneimittelgesetz, das Herstellern vorschreibt, im Rahmen der Sicherheits-Surveillance Schwangerschaftsregister zu führen und auszuwerten“, erklärt Schaefer. Die Vergangenheit zeige, dass diese Daten qualitativ oft nicht gut sind: Das Fachpersonal fehle und jeder Hersteller erstelle seine eigene Datenbank – in unterschiedlichem Umfang und mit unterschiedlicher Qualität. „Es muss eine strikte Trennung geben zwischen der Produktion von Arzneimitteln und der Pharmakovigilanz“, findet Schaefer.

Arzneimittelaufsicht sollte von Arzneimittelherstellung strikt getrennt werden

Wie ginge es besser? „Ich wünsche mir, dass die Hersteller freigenommen werden von der Datenerhebung zur Arzneimitteltherapiesicherheit in der Schwangerschaft“, sagt Schaefer. Jedoch sollte jeder Pharmaunternehmer in den Gebrauchsinformationen seiner Arzneimittel explizit auf Embryotox hinweisen – für den Fall, dass es unter Arzneimitteleinnahme zu einer Schwangerschaft kommt. „So würden wir in noch größerem Umfang von Schwangerschaften unter Therapiebedingungen berichtet bekommen“, was insbesondere für neue Medikamente hochrelevant sei. Außerdem können produktübergreifend Studien durchgeführt werden, also Einflüsse von Wirkstoffen und mütterlicher Erkrankung besser getrennt werden.

Doch ganz außen vor lassen will Schaefer die pharmazeutische Industrie nicht. Sinnvoll wäre es seiner Ansicht nach, wenn die Hersteller zum Zweck der Arzneimitteltherapiesicherheit in der Schwangerschaft Gebühren an das BfArM zahlen, die das Bundesinstitut dann wiederum Institutionen wie zum Beispiel Embryotox zur Verfügung stellen kann. Somit wäre eine direkte Korrelation Industrie-Embryotox vermieden.

Was ist das Besondere an den Daten von Embryotox im Vergleich zu anderen embryonaltoxokologischen Portalen? Das lesen Sie morgen im dritten Teil der DAZ.online Serie zu Embryotox.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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