„Prognose eines anhaltenden, profitablen Wachstums“

Burda-Medium „Focus Money“ rät zum Investment in Versandapotheken

Stuttgart - 22.10.2018, 07:00 Uhr

„Focus Money“-Analysten zufolge lohnt es sich in EU-Versandapotheken zu investieren. (j /Foto: v.poth / stock.adobe)

„Focus Money“-Analysten zufolge lohnt es sich in EU-Versandapotheken zu investieren. (j /Foto: v.poth / stock.adobe)


Ein anhaltendes, profitables Wachstum prognostizieren Analysten laut „Focus Money“ den Versandapotheken Zur Rose Group und Shop Apotheke Europe. In einem vor Kurzem erschienenen Beitrag erklärt das Magazin seinen Lesern, warum „Apotheken aus dem Netz außer der Gesundheit auch dem Depot guttun“. Verlegt wird „Focus Money“ vom Burda-Verlag, der kürzlich mit der Noweda den „Zukunftspakt Apotheke“ geschlossen hat.

DocMorris wächst, ebenso wie der größte Wettbewerber, die Shop Apotheke Europe. Erst vergangene Woche gab DocMorris-Mutter Zur Rose die Übernahme der deutschen Versandapotheke Medpex bekannt. Walter Oberhänsli, Vorstandschef der Zur Rose-Gruppe, sagte laut einer Pressemitteilung, dass Zur Rose innerhalb eines Jahres seinen Marktanteil im Arzneimittelversand im Kernmarkt Deutschland inklusive Medpex von 18 Prozent auf 31 Prozent erhöht habe. Die Zahl der aktiven Kunden in Deutschland steige durch die Übernahme auf mehr als fünf Millionen.

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Und Analysten sehen offenbar noch viel Luft nach oben. So sagen sie den beiden Versandapotheken laut „Focus Money“ ein anhaltendes, profitables Wachstum durch weitere Akquisitionen und zunehmende Internationalisierung voraus. Der ganz große Vorteil der EU-Versender sei, schreibt das Magazin, dass sie sich nicht an die deutsche Preisbindung halten müssen und ihre Kunden mit attraktiven Boni und Rabatten locken können.

Und wenn dann noch das elektronische Rezept kommt, wird laut „Focus Money“ alles noch komfortabler und vielversprechender. Bezüglich des Rx-Versandverbots, das von vielen als einzige Möglichkeit zur Wiederherstellung der Gleichpreisigkeit gesehen wird, gibt man sich relativ entspannt. In dem vor dem Deutschen Apothekertag erschienenen Heft wird auf die erwartete Rede von Jens Spahn hingewiesen: Die Geschehnisse um diesen Tag sollten Anleger beobachten, heißt es. Aber der Minister habe sich ja bislang auch immer nur vage zum Thema geäußert und sich lediglich für faire Wettbewerbsbedingungen ausgesprochen.  Nur wenn dies nicht gelinge, müsse er ein Verbot in Betracht ziehen, heißt es.

Und weiter: „Mit möglichen Folgen rechnen Analysten in Form von Regulierungen wie etwa der Begrenzung der Höhe und der Anzahl der Rabatte und Boni, nicht jedoch mit einem endgültigen Verbot.“ „Focus Money“ verweist hier auf von manchen gehegte europarechtliche Bedenken sowie auf die Tatsache, dass das gegen die Digitalisierungsgpläne der Regierung spräche. Und selbst wenn ein Verbot käme: 70 Prozent der beiden Versender konzentrierten sich auf Geschäfte, die den Rezept-Versandhandel in Deutschland ohnehin nicht berührten, heißt es.

Anlageempfehlung versus „Zukunftspakt Apotheke“ 

Eine mögliche Bedrohung sieht „Focus Money“ in Amazon. Der „Online-Gigant“ baue gerade sein Arzneimittelgeschäft in den USA aus, heißt es. Die Expansion nach Europa könnte als nächstes kommen. Kapitalkraft, um sich in den Markt einzukaufen, wäre vorhanden. Doch auch hier beruhigt „Focus Money“ die potenziellen Anleger. Aber, so fragt das Magazin, wollten Kunden ihre vertraulichen Daten, die verschreibungspflichtige Medikamente nun mal darstellen, in die Hände eines amerikanischen Megakonzerns legen oder lieber in die von Versandapotheken aus Europa? 

Das Ganze wäre vermutlich wenig aufsehenerregend – ein Wirtschaftsmagazin empfiehlt eine lukrative Geldanlage. Allerdings stammt Focus Money aus dem Haus Hubert Burda Media, das vor kurzem mit der Apothekergenossenschaft Noweda den „Zukunftspakt Apotheke“ gegründet hat, eine nach Aussage der beiden Unternehmen „umfassende Initiative zur Stärkung der Apotheken vor Ort, die als Rückgrat des deutschen Gesundheitssystems die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln und die notwendige qualitativ hochwertige fachliche Beratung sicherstellen“. Darüber hinaus kooperieren der Burda Verlag und die Apothekergenossenschaft Noweda schon seit einiger Zeit. So wurde bereits im Jahr 2017 die ­gemeinsame Bestellplattform ­IhreApotheken.de angekündigt. Im Sommer 2018 startete dann die Noweda eine großangelegte PR-Kampagne zur Erhaltung der Apotheken vor Ort im Burda-Flaggschiff „Focus“. „Focus“, von dem „Focus Money“ ein Ableger ist.

Und es ist nicht das erste Mal, dass ein Medium aus dem Burda-Verlag sich explizit auf die Seite der Versender stellt. Bei „Focus online“ war direkt nach dem EuGH-Urteil ein Beitrag zu lesen, in dem explizit die vermeintlichen Vorteile des Versandhandels gegenüber der Apotheke vor Ort herausgestellt wurden. Allerdings lag das Magazin dabei an einigen Stellen falsch, DAZ.online hatte damals einen Faktencheck durchgeführt. 



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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3 Kommentare

Doc Morris Aktien

von Conny am 22.10.2018 um 10:50 Uhr

Habe mir jetzt auch für 100 000 Euro Aktien von Doc Morris Aktien gekauft. Vielleicht wird Spahn ja doch noch mein Lieblingspolitiker.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Doc Morris Aktien?

von Dr Schweikert-Wehner am 22.10.2018 um 13:52 Uhr

Woher hast Du die Kohle? Onkel ein Saudi oder Max Müller. Die Kohle gehört bestimmt der GKV.

AW: Doc Morris Aktien

von Conny am 22.10.2018 um 14:51 Uhr

@schweikert-Wehner : erstmal warum du? Zweitens habe ich früher richtig viel Kohle verdient, sodas ich auch für eine Million Aktien kaufen könnte. Und nur deshalb, weil wir auch früher schon richtig gut waren !

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