Initiative der Trump-Regierung

USA: Hersteller sollen Arzneimittelpreise in Werbung nennen

München - 18.10.2018, 14:30 Uhr

US-Gesundheitsminister Alex Azar und US-Präsident Donald Trump wollen den Pharmaunternehmen in den USA mehr Preisdruck machen, die Hersteller sollen ihre Preise veröffentlichen, wird gefordert. ( r / Foto: Imago)

US-Gesundheitsminister Alex Azar und US-Präsident Donald Trump wollen den Pharmaunternehmen in den USA mehr Preisdruck machen, die Hersteller sollen ihre Preise veröffentlichen, wird gefordert. ( r / Foto: Imago)


Die USA machen Druck auf Pharmahersteller, die Listenpreise für Arzneimittel in ihrer Fernsehwerbung zu nennen. Mit diesem für die USA einmaligen Schritt will die Regierung einerseits mehr Transparenz für die Kunden schaffen, andererseits erhofft sie sich davon, dass die Arzneimittelpreise sinken werden. 

Es ist ein in der internationalen Pharmawelt ungewöhnlicher und beinahe einmaliger Schritt: Die US-Regierung in Gestalt von Präsident Donald Trump und Gesundheitsminister Alex Azar will die Pharmahersteller zwingen, in ihrer Fernsehwerbung künftig die Listenpreise für Arzneimittel zu nennen. Das Gesundheitsministerium HHS veröffentlichte am Montag dieser Woche einen entsprechenden Vorschlag. Demnach wären davon Medikamente betroffen, deren Listenpreis über 35 Dollar liegt und die von den staatlichen Gesundheitsprogrammen Medicare und Medicaid abgedeckt werden. Die Initiative basiert auf einem Plan von US-Präsident Trump vom Mai 2018, in dem er grundlegende Vorstellungen zur Umgestaltung des Gesundheitssystems und zur Senkung der Arzneimittelkosten präsentiert hatte.  

Azar bezeichnete die von Trump initiierten Maßnahmen als historisch. Sie würden für Patienten mehr Transparenz bringen und dazu beitragen, dass die Arzneimittelpreise in den USA, die zu den höchsten weltweit zählen, sinken. Wörtlich sagte er: „Wenn wir einen wirklichen Markt für Arzneimittel haben wollen, warum sollten die Hersteller dann nicht auch die Preise ihrer Produkte in der Werbung veröffentlichen? Die Verbraucher würden dadurch wesentlich umfassender informiert, während die Unternehmen Anreize hätten, ihre Preisgestaltung zu ändern.“

In seiner Mitteilung wies das HHS darauf hin, dass die Listenpreise der zehn am meisten beworbenen Arzneimittel in den USA zwischen 535 und 11.000 Dollar pro Monat beziehungsweise für eine gewöhnliche Therapie liegen.

Azar, der seit Januar dieses Jahres im Amt ist und zuvor unter anderem jahrelang Chef der US-Tochter des Pharmakonzerns Eli Lilly and Company gewesen war, ist zuletzt in die Kritik geraten. Ihm wurde vorgeworfen, die Pharmaunternehmen relativ unversehrt zu lassen und stattdessen andere Teile der pharmazeutischen Lieferkette zu belasten.

Hersteller schlagen Preisinfos auf Websites vor

Nach US-Medienberichten hatte die US-Pharmaindustrie ebenfalls am Montag angekündigt, mit einem eigenen Vorstoß mehr Kostentransparenz erzeugen zu wollen. So schlug die Branche vor, Preisinformationen auf deren Webseiten zu platzieren. Azar kommentierte das mit den Worten: „Es ist kein Zufall, dass die Branche heute eine neue Initiative angekündigt hat. Wir schätzen diese Bemühungen. Aber das Platzieren von Informationen auf einer Website ist nicht dasselbe wie die Preisdarstellung in einer Anzeige. Fünf Monate, nachdem der Präsident seine Blaupause vorgestellt hat, zeigen wir nun, wohin die Reise geht.“ Den Berichten nach wurde Azars Rede bei einem Treffen der National Academy of Medicine von Hunderten von Wissenschaftlern mit Applaus begrüßt.

In den vergangenen Monaten hatten die Arzneimittelhersteller gegenüber der Trump-Administration wiederholt darauf hingewiesen, dass der Listenpreis eines Medikaments nur wenig darüber aussage, wieviel die Patienten letztlich für die Produkte bezahlen müssten. Die Kosten würden durch viele andere Faktoren beeinflusst wie beispielsweise der Erstattungspolitik der jeweiligen Krankenkasse. Letztlich könne es sein, dass der Patient gar nichts zahle oder aber einen Preis, der über dem Listenpreis des Medikaments liege.

Bereits im Frühjahr hatte die US-Zulassungsbehörde FDA eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um die Idee der Preisnennung in Fernsehspots zu untersuchen. Nun, da das Gesundheitsministerium konkrete Vorschläge dazu gemacht hat, soll die FDA bis zu 60 Tage lang Kommentare dazu entgegennehmen. Anschließend werde eine endgültige Regelung getroffen, die bereits einen Monat später in Kraft treten könnte.



Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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