Forschung zu Fluorchinolonen

Wie entstehen Ciprofloxacin-Nebenwirkungen?

Stuttgart - 11.10.2018, 10:00 Uhr

Ciprofloxacin greift nicht selektiv an der bakteriellen Topoisomerase 2 an. (s / Foto: imago)

Ciprofloxacin greift nicht selektiv an der bakteriellen Topoisomerase 2 an. (s / Foto: imago)


Sind Mitochondrien der Schlüssel für Fluorchinolon-UAW?

Mitochondrien sind essenzielle Zellorganellen, die unter anderem für die ATP-Produktion und somit die Energieversorgung der Zellen verantwortlich sind, aber auch Zelldifferenzierung und Apoptose regulieren. Mitochondrien besitzen als semiautonome Organellen eine eigene genetische Information, die typischerweise als ringförmige und doppelsträngige DNA vorliegt. Ähnlich bakteriellen Plasmiden kann auch die mitochondriale DNA (mtDNA) unterschiedliche Konformationen annehmen – supercoiled oder linear mit offenem oder geschlossenem Ring. Diese unterschiedlichen Konformationen beeinflussen die Transkription der mtDNA und folglich die Proteinbiosynthese. Die Topologie der DNA wird von Topoisomerasen kontrolliert, unter anderem der Topoisomerasen 2α (Top2α) und Topoisomerase 2β (Top2β). Diese sind in der Lage, beide DNA-Stränge zu schneiden. Vor allem aber ähneln die mitochondrialen Topoisomerasen Top2α und Top2β den bakteriellen Topoisomerasen 2, den Gyrasen – und diese sind Angriffspunkt der Fluorchinolone.

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Ciprofloxacin beeinflusst bakterielle Gyrase nicht selektiv

Den Wissenschaftlern gelang es nun, zu zeigen, dass Ciprofloxacin nicht nur die bakterielle Gyrase, sondern auch die mitochondriale DNA in ihrer Replikation und Transkription beeinflusst und sich so auf Teilung und Differenzierung der Zelle auswirkt. Und so letztlich auch für unerwünschte Flurochinolon-Wirkungen verantwortlich zeichnet.

Fluorchinolon-Nebenwirkungen wie Tendopathien, Muskelschwäche oder neuropathische Symptome, werden immer wieder auf einen erhöhten oxidativen Stress zurückgeführt, wobei diese Prozesse auf molekularer Ebene bislang unklar geblieben sind. Dabei ist der mitochondriale Erklärungsansatz der Wissenschaftler plausibel: Eine veränderte Topologie der mtDNA, damit verbunden eine Reduktion der mtDNA-Kopien und deren Transkription, kann zu starken Veränderungen in der Elektronentransportkette, zu einer Dysfunktion in der Atmungskette und so zu erhöhtem oxidativen Stress führen.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Was tun wenn Nebenwirkungen aufgetreten sind ?

von Melanie am 27.11.2019 um 18:33 Uhr

Ich leide seit 11 Monaten unter den Nebenwirkungen von Levofloxacin was mir im Januar wg Blasen Entzündung verordnet wurde. Sehnen Muskel und Gelenk Schmerzen plagen mich seit dem.
Ich habe unvorstellbare Schmerzen schlafe nachts nicht mehr wirklich und quäle mich Tag für Tag.
Was tun ????

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