Nach Bottroper Zyto-Skandal

Bundestagspetition fordert strengere Kontrollen in Zyto-Apotheken

Berlin - 05.10.2018, 10:20 Uhr

Der Paritätische
Wohlfahrtsverband und Selbsthilfegruppen aus Bottrop haben eine Petition beim Bundestag eingereicht, nach der es neue bundesweit geltende Vorschriften zur Überwachung von Zyto-Apotheken geben soll. (m / Foto: benicoma / adobe.stock.com)

Der Paritätische Wohlfahrtsverband und Selbsthilfegruppen aus Bottrop haben eine Petition beim Bundestag eingereicht, nach der es neue bundesweit geltende Vorschriften zur Überwachung von Zyto-Apotheken geben soll. (m / Foto: benicoma / adobe.stock.com)


Petenten: Patienten müssen Vertrauen in Therapie zurückgewinnen

Warum die derzeitigen Kontrollregeln aus Sicht der Petenten nicht ausreichen, wird so erklärt: „Der Gesetzgeber erlaubt schon jetzt, im Rahmen dieser Überwachungsmaßnahmen Proben zu ziehen und diese untersuchen zu lassen. Dies geschieht aber nicht ohne konkreten Verdacht, da es sich um zerstörende Proben handelt und das Medikament dem Patienten an diesem Tag dann nicht mehr zur Verfügung stünde. In einem System, das in der Regel keine unangekündigten Kontrollen der Apotheken vorsieht, ist es für Mitarbeiter/innen schwierig, anonym Missstände anzuzeigen, da die darauf folgende unangekündigte Kontrolle die Frage aufwirft, wer seitens der Mitarbeiterschaft, diese veranlasst hat.“ Den Petenten geht es nach eigener Aussage darum, das „Vertrauen der Patienten in ihre Therapie zurückzugewinnen“.

Wenn die Petition innerhalb von vier Wochen 50.000 Unterstützer findet, können die Antragsteller ihre Forderungen in einer öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages zur Diskussion stellen.

Zyto-Prozess: Bottroper Apotheker wurde drei Jahre lang nicht kontrolliert

Im Prozess gegen den inzwischen verurteilten Bottroper Zyto-Apotheker war herausgekommen, dass seine Herstellung jahrelang schlichtweg gar nicht überprüft wurde. Die zuständige Amtsapothekerin erklärte vor Gericht, dass von 2012 bis 2015 gar keine Inspektionen in Apotheken durchgeführt wurden, sie begründete dies mit der Änderung der Apothekenbetriebsordnung. Anschließend waren die Kontrollen der Zyto-Apotheken in NRW auch Thema im Landtag. Die SPD-Landtagsfraktion hatte einen Antrag zur strikteren Überwachung gestellt, in dem ähnliche Forderungen enthalten waren wie in der aktuellen Bundestagspetition. Die Regierungsfraktionen von CDU und FDP hatten diesen Antrag aber abgelehnt.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erklärte damals, dass er auf neue Vorschläge zur Überwachung aus den Apothekerkammern hoffe. „Wir haben Kammern auch dafür, um staatliche Aufgaben zu übernehmen. Ich glaube einfach, dass Vertrauen nur durch Transparenz entsteht – und nicht durch verdecken“, so der CDU-Politiker im Mai 2018. Eine Arbeitsgruppe aus Apothekern, Ärzten, Behörden und Vertretern der Selbsthilfegruppen hatte für Zyto-Apotheker in der Folge eine Selbstverpflichtung entworfen, in der die Unterzeichner zusicherten, die gesicherte Qualität der Zytostatikaherstellung sichtbar machen zu wollen.

Die unangekündigte Kontrolle aller Zyto-Apotheken in ganz Nordrhein-Westfalen war ebenfalls eine Maßnahme, die das NRW-Gesundheitsministerium nach dem Zyto-Skandal veranlasste. Die Ergebnisse dieser Kontrollen wurden im August veröffentlicht.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

Kontrollen von Zyto Apotheken

von Jürgen Barth am 08.10.2018 um 7:15 Uhr

Wenn Zyto Apotheken "besser" kontrolliert werden sollen, dann bräuchte man aber sachkundige Personen, die mehr können als keinen Jota von der Fachinformation abweichen. Z. B. Einarbeitung + Validierung der Prüfer + ½ Jahr unter "scharfen" Bedingungen in einer solchen Apotheke selber zubereiten.. Wetten dass dann die Welt wieder anders aussähe? Aber dafür haben wir ja keine Zeit und lassen uns auch nicht dafür herab.

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Priorisierung

von Ratatosk am 05.10.2018 um 18:16 Uhr

Es ist immer schon das Problem deutscher Behörden gewesen, daß alles gleich kontrolliert wird und die sensiblen Bereiche wie die Herstellung einer läppischen Pflegecreme.

Man muß auch Hackfleisch enger kontrollieren als die Mehl und Zuckerpäckchen.
Erstaunlicherweise sind für Allerweltskontrollen immer genügend Beamte auf den Beinen, wenn es um schwierige Bereiche geht, fehlt auf einmal das Personal.
Die Polizei schaut auch öfter beim Drogenkartell nach, als beim Renter auf dem Sofa.

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