Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

23.09.2018, 08:00 Uhr

Es geschehen noch Wunder: Unsere Berufsvertretung fragt uns mal, wie' s uns eigentlich geht! ( r / Foto: Andi Dalferth)

Es geschehen noch Wunder: Unsere Berufsvertretung fragt uns mal, wie' s uns eigentlich geht! ( r / Foto: Andi Dalferth)


18. September 2018 

Über 52.000 haben die Petition zum Rx-Versandverbot auf der Plattform openPetition schon unterzeichnet, das Quorum ist erfüllt, aber Apotheker Redmann, der Initiator dieser Petition, macht weiter. Er will noch mehr Mitstreiter finden, will mehr Druck aufbauen und er will Kontakt zum Petitionsausschuss des Bundestags aufnehmen. Er möchte die Apotheke nicht zur Abgabestelle degradiert sehen, ihm fehlt die gesellschaftlich-politische Wertschätzung des Apothekerberufs, er möchte nicht „der Depp des Gesundheitssystems sein“. Mein liebes Tagebuch: Er kämpft.

19. September 2018

Die Freigabe von Cannabis für medizinische Zwecke war der Kristallisationskeim. Wie erwartet geht die Liberalisierungsdiskussion weiter: Sogar aus der CDU kommen Gesprächssignale und die SPD Berlin will sich mit einem Antrag für Cannabis-Modellversuche beschäftigen – als mögliche Abgabestelle wird die Apotheke vorgeschlagen. Auch die SPD-Gesundheitspolitikerin Sabine Dittmar, selbst Ärztin, spricht sich für Modellprojekte aus, für sie beginne nun eine „neue Ära“ im Umgang mit Cannabis. Mein liebes Tagebuch, eine neue Ära? Wie sehen das eigentlich unsere Oberen? Mit einem klaren Jein: Die Standesvertretung erklärt, dass sie gegen eine solche Liberalisierungslösung ist, „aus fachlichen Gründen“. Aber sollte es dazu kommen, sollte es also einen gesellschaftspolitischen Konsens geben, Cannabis für Genusszwecke zu legalisieren, wolle die ABDA bei einer Lösung behilflich sein, auch wegen Qualitäts- und Sicherheitsaspekten. Na, mein liebes Tagebuch, das lässt sich mal ganz platt so übersetzen: Eigentlich sind Genuss-Suchtmittel nicht unser Job, aber bevor andere daran verdienen, machen wir das. So sieht’s aus. Ich kann mich noch daran erinnern, als ein Kollege in Würzburg Frankenwein in der Apotheke verkaufte unter dem Motto „Frankenwein ist Krankenwein“. Die Reaktion der Überwachungsbehörden war damals noch eindeutiger: Er musste seine Weinregale in der Offizin schneller räumen als ihm lieb war… 


Die Lunapharm-Affäre hat es ausgelöst, das Nachdenken über die Importförderklausel. Kritiker dieser Förderklausel halten sie für zu bürokratisch, sehen nur geringe Einspareffekte und außerdem ein Einfallstor für Fälschungen. Auf Kassenseite machte sich bisher Christopher Hermann, AOK Baden-Württemberg, für eine Abschaffung der Importförderung stark. Jetzt meldet sich auch Martin Litsch, Chef des AOK-Bundesverbands, zu Wort: „Ganz ehrlich, ich brauche sie nicht.“ Ihm sind die 120 Mio. Euro, die mit Importen gespart würden, zu wenig angesichts der Sicherheitsrisiken, die man dafür in Kauf nehme, es sei „kein überzeugendes Geschäftsmodell“. Mein liebes Tagebuch, das lassen wir jetzt so stehen. Fein, dass die Erkenntnis bei den Kassen wächst. Solche Stimmen könnte die ABDA doch nutzen und bündeln, um Druck bei Spahn zu machen. Ein Plan für eine Bundesratsinitiative zur Abschaffung der Importquote soll bereits in Brandenburg in der Mache sein. 



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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6 Kommentare

Vivy

von Thomas Beck am 23.09.2018 um 15:40 Uhr

"Hinter dem für Patienten kostenlosen App-Angebot stehen 14 Krankenkassen, z. B. auch die DAZ und IKK."

Wir sind für einmal hoffnungsfroh: es war vielleicht doch die DAK und nicht die DAZ!

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Vivy

von Peter Ditzel am 23.09.2018 um 16:22 Uhr

Vielen Dank für den Hinweis auf den Tippfehler. Muss natürlich DAK heißen. Hab ich sofort korrigiert!

zu Herrn Ströh

von Dr.Diefenbach am 23.09.2018 um 12:38 Uhr

....war vor vielen Jahren alles mal angedacht,von der Steuerberatung über Bestellplattform bis zur Logistikplanung.Es scheiterte mW nach an der humanen Interaktion einzelner Männer.AUCH deswegen machen uns Kaufleute nun vor wie Apotheke geht.So verfestigt sich das doch zur Zeit in den Köpfen vieler Entscheider.Ach was bin ich gespannt auf die Einstimmigkeiten beim Apotag......

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Sie kamen in weiß,und sie kamen zu spät!

von Ulrich Ströh am 23.09.2018 um 8:58 Uhr

Amazon und Zur Rose stehen vor der Tür und werden
bald ,ohne anzuklopfen ,eintreten.

Und was machen wir?
Rezept direkt, Deine Apotheke, Linda24/7 und,und...
Alles gut gemeint,aber alle diese Angebote werden zukünftig nur niedlich bleiben.
Marktbedeutung erlangt keiner.

Jedes weitere Angebot wird weiteres Geld in der Entwicklung verbrennen.

Warum nicht endlich eine medienstarke Bestellplattform für alle Präsenzapotheken entwickeln ?

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Sie kamen in weiß,und sie kamen zu spä

von Conny am 23.09.2018 um 9:19 Uhr

Noweda ?

AW: Sie kamen in weiß,und sie kamen zu spä

von Ulrich Ströh am 23.09.2018 um 10:13 Uhr

Ob nun Noweda oder ein anderer....

Wichtig ist,dass wir in Sachen Bestellplattform endlich bundesligareif werden!

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