RKI zur Influenzaimpfung 2017/18

Warum wirkte die Grippeimpfung in der vergangenen Saison so schlecht?

Stuttgart - 17.09.2018, 07:00 Uhr

Nur 15 Prozent Impfeffektivität 2017/18 bei Grippeimpfstoffen. Ob sich das mit der Vierfach-Impfung ändert? (b/Foto: ursule / stock.adobe.com)

Nur 15 Prozent Impfeffektivität 2017/18 bei Grippeimpfstoffen. Ob sich das mit der Vierfach-Impfung ändert? (b/Foto: ursule / stock.adobe.com)


Die Grippewelle des vergangenen Winters 2017/18 verlief besonders heftig – das bestätigt auch das Robert-Koch-Institut in seinem aktuellen Influenzasaisonbericht. Die Impfeffektivität des letztjährigen saisonalen Influenzaimpfstoffes lag bei gerade einmal 15 Prozent. Woran lag das?

Jährlich empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor Beginn der Grippesaison eine neue Zusammensetzung des Grippeimpfstoffes. Und jährlich bewertet das Robert-Koch-Institut (RKI) am Ende der Grippesaison die Effektivität dieser Vakzine. Gerade im letzten Winter 2017/18 wütete das Influenzavirus besonders heftig. Woran lag das? War das Virus besonders virulent oder der Impfstoff besonders wirkungsschwach? Vielleicht ein bisschen von beidem.

Mit keiner Impfung lassen sich hierzulande mehr Leben retten“, erklärte das Robert-Koch-Institut erst in der vergangenen Woche. Relativierend muss man hier allerdings klar stellen: Das liegt nicht daran, dass der Influenza-Impfstoff wahnsinnig gut wirkt, sondern vielmehr daran, dass die Virusgrippe eine sehr häufige Infektionserkrankung ist. Aktuell nennt das RKI rund 334.750 labordiagnostisch bestätigte Fälle (Wochenbericht 36/2018) – und damit die höchste Infiziertenzahl seit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes in 2001. Selbst während der Influenzapandemie 2009 litten nicht so viele Menschen an Influenza.

Verantwortlich für den Großteil der Infektionen war bekanntermaßen ein B-Stamm namens Yamagata. Er zeichnete für 69 Prozent aller Influenzainfektionen verantwortlich. Und der Schutz gegen Yamagata war, auch das wurde medial stark diskutiert, nur in der Vierfach-Grippeimpfung enthalten. Mittlerweile hat das Robert-Koch-Institut die letzte Grippesaison ausgewertet – auch die Effektivität des Impfschutzes – und im Influenza-Saisonbericht 2017 veröffentlicht.

Impfschutz gegen Influenza B lag bei 1 Prozent

Bekannt ist, dass das Grippevirus hochvariabel ist. Das bedingt eine jährliche Anpassung des Impfstoffes an die in der bevorstehenden Saison höchstwahrscheinlich zirkulierenden Stämme. Das Influenzavirus ist derart „wandlungsfähig“, dass sich, selbst nachdem die künftigen Impfkomponenten von der WHO bestimmt worden sind, die epidemiologische Situation verändern kann – und folglich die produzierte Vakzine weniger optimal passt. Influenza B ist hier wohl ein besonders schwieriger Kandidat: „Insbesondere lässt sich die Dynamik unterschiedlicher Linien wie bei den B-Viren nicht sicher vorhersagen“, schreibt das RKI hierzu. Und das war wohl in der vergangenen Grippesaison 2017/18 der Fall.

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Influenza-A (H1/N1): 48 Prozent Schutz

So lag die Impfeffektivität der Grippeimpfung 2017/18 bei 15 Prozent: „Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass die dominant zirkulierenden Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie nicht im trivalenten Impfstoff für die Saison 2017/18 enthalten waren“, erklärt das RKI im Saisonbericht.

Das RKI hat auch die isolierte Impfeffektivität für die Stämme Yamagata und Influenza A(H1/N1)pdm09 ausgewertet. Die Impfkomponente für A(H1/N1) passte gut, der Impfschutz lag bei 48 Prozent. Aus diesem Grund hält die WHO auch an dieser Komponente fest – sie wird auch in der Influenzasaison 2018/19 vor (H1/N1)pdm09 schützen. Influenza-A-Viren des Subtyps (H1/N1)pdm09 machten 28 Prozent aller labordiagnostisch bestätigten Influenzafälle 2017/18 aus.
Für Yamagata B lag der Impfschutz bei gerade einmal 1 Prozent. Das überraschte wohl selbst das RKI – denn im Februar schätzten die Infektionsexperten die Impfeffektivität gegen Influenza B noch auf 39 Prozent.

Kreuzimmunität von B-Victoria überschätzt

Mitte Februar 2018 ging das RKI noch von einer gewissen Kreuzreaktivität der im Dreifachimpfstoff enthaltenen Victoria-B-Komponente aus. Auf Nachfrage von DAZ.online erklärte die Sprecherin des RKI damals, die Kreuzimmunität könne einen gewissen Schutz vor der Yamagata-Linie bieten. Zusätzlich könnten „Wiederholungstäter" bei der Influenza-Impfung belohnt werden und frühere Impfungen sich im Nachhinein noch einmal auf den aktuellen Grippeschutz positiv auswirken. Selbst wenn der Patient die Impfkomponente gegen den hauptsächlich zirkulierenden Yamagata-Stamm in dieser Saison nicht erhalten hat. Warum?

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Die B-Yamagata-Linie im Dreifachimpfstoff war bereits in den Impfstoffen früherer Grippesaisons enthalten. Auch hier besteht laut RKI zumindest rein „theoretisch" die Möglichkeit, „dass Menschen, die sich damals haben impfen lassen, noch zu einem gewissen Teil immun sind“. Diese Hypothese schien nun jedoch nicht haltbar.

Reaktivität der B-Viren nahm während der Saison ab

Die zunächst ermittelte partielle Kreuzprotektivität durch die im trivalenten Impfstoff enthaltene B-Komponente aus der Victoria-Linie hat laut RKI nicht mehr ausgereicht, „weil der Kreuzschutz diesem Infektionsdruck bei vielen geimpften Personen nicht mehr standgehalten hat“. Erschwerend kommt wohl hinzu, dass die Dauer des Schutzes nach einer Impfung bei nicht passenden Impfstämmen kürzer ist als bei gut passenden Impfstämmen. Zusätzlich scheint sich das B-Virus auch weiterentwickelt zu haben, denn laut RKI „ging die Anzahl der im NRZ geprüften B-Viren der Yamagata-Linie mit hoher Reaktivität des gegen den Impfstamm gerichteten Immunserums ab der 8. KW 2018 zurück“.

STIKO zieht Konsequenz und empfiehlt Vierfach-Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat aber aufgrund der schweren Grippewelle Konsequenzen gezogen – sie hat die Impfempfehlung präzisiert: Ab sofort empfiehlt die STIKO die tetravalente Grippeimpfung, der G-BA hat diese Empfehlung bereits in der Schutzimpfungs-Richtlinie umgesetzt, so dass auch die Krankenkassen die Kosten hierfür tragen.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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