Gesundheitsausschuss Brandenburg

Lunapharm-Affäre: Welche Taskforce-Empfehlungen werden umgesetzt?

06.09.2018, 07:00 Uhr

Schweres Erbe: Nach dem Rücktritt von Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) hat ihr Parteikollege, Interims-Nachfolger und hautptamtlicher Justizminister, Stefan Ludwig viele Entscheidungen zu treffen. (s / Foto: Imago)

Schweres Erbe: Nach dem Rücktritt von Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) hat ihr Parteikollege, Interims-Nachfolger und hautptamtlicher Justizminister, Stefan Ludwig viele Entscheidungen zu treffen. (s / Foto: Imago)


Landesamt-Chef unter Druck

Mohr, der an den beiden Sondersitzungen im August nicht teilgenommen hatte, steht unter heftiger Kritik. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, dass er im Frühjahr 2017 über den Fälschungsverdacht informiert wurde, jedoch nicht gehandelt habe. Der Landesamtschef wies am vergangenen Mittwoch die Schuld von sich. Aus den Ausführungen seines Dezernatsleiters sei die Dramatik nicht zu erkennen gewesen, verteidigte sich Mohr. Hier ist allerdings zu bedenken, dass es die Aufgabe des Landesamtschefs ist, die Einschätzung seiner Mitarbeiter zu hinterfragen.

Außerdem kritisieren die Mitglieder des Gesundheitsausschusses, dass der Landesamtschef in den fast zwei Monaten seit Bekanntwerden des Skandals zu wenig zur Aufklärung beigetragen habe. Andere Bundesländer, wie etwa Berlin, seien effektiver.

Sind andere Bundesländer schneller?

So habe das Land Berlin bereits Mitte August 223 Patienten mithilfe von Berliner Apotheken identifiziert, während die elf Patienten in Brandenburg erst in dieser Woche bekannt wurden. Dieser Unterschied erklärt sich aus Sicht der Brandenburger Behörden wie folgt: Lunapharm habe Brandenburger Apotheken nicht direkt, sondern über Zwischenhändler beliefert, was die Suche verlangsamt habe. In Berlin dagegen seien die Apotheken direkt Kunden von Lunapharm gewesen, was die Identifizierung vereinfacht habe.

Auch was die Personalaufstockung betrifft, scheint das benachbarte Bundesland zeitlich die Nase leicht vorn zu haben. So hat die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) vergangene Woche im Interview mit dem Tagesspiegel angekündigt, die Zahl der Apotheker in der Arzneimittelaufsicht im Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales zu verdoppeln. Obwohl die Berliner Behörde nicht von den Ermittlungen betroffen war. Nach Auskunft eines Sprechers der Berliner Senatsverwaltung sei diese Maßnahme schon vor Bekanntwerden der Lunapharm-Affäre geplant gewesen. Die aktuellen Vorkommnisse hätten die Umsetzung der Pläne allerdings beschleunigt.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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