DAZ.online-Serie „Die Besonderen“

Apothekerin engagiert sich für Stadt und Bürger

Berlin - 10.09.2018, 10:15 Uhr

Engagiert
sich für den guten Zweck: Apothekerin Bärbel Reichert-Fehrenbach während
einer Phytopharmaka-Rateaktion in ihrer
Apotheke. ( r / Foto: BärbelReichert-Fehrenbach)

Engagiert sich für den guten Zweck: Apothekerin Bärbel Reichert-Fehrenbach während einer Phytopharmaka-Rateaktion in ihrer Apotheke. ( r / Foto: BärbelReichert-Fehrenbach)


FDP-Stadträtin, Vorsitzende im Gewerbeverein, soziale Wohltäterin, Heilpflanzenführerin – die Nagolder Apothekerin Bärbel Reichert-Fehrenbach ist vielfältig engagiert. Der rührigen Apothekerin ist es wichtig, sich mit Spaß und in der Gemeinschaft mit anderen für eine nachhaltige Stadtentwicklung und für die Bürger Nagolds einzusetzen. DAZ.online berichtete sie von ihren Beweggründen, ihrem Lebensmotto und ihren besonderen Leidenschaften.

Für Bärbel Reichert-Fehrenbach ist Engagement selbstverständlich – nicht nur in ihrer Apotheke, der Stadt Apotheke Nagold, sondern auch im sozialen und politischen Bereich. „Ich war schon immer der Meinung, dass, wo auch immer ich mich in die Gemeinschaft einbringen kann, es nur sinnvoll sein kann“, erläutert Reichert-Fehrenbach ihre grundsätzliche Motivation. So erleben die Nagolder die aktive Apothekerin nicht nur im Gemeinderat und im Gewerbeverein, sondern auch als Unterstützerin zahlreicher sozialer Vereine. Mit besonderer Leidenschaft führt sie regelmäßig durch den Apothekergarten des Zeller-Mörike-Gartens. Doch was motiviert sie, sich so vielseitig ehrenamtlich einzusetzen?

Der Arbeit wegen nach Nagold – der Liebe wegen geblieben

Das Engagement der Nagolder Apothekerin ist bemerkenswert. Dabei stammt Reichert-Fehrenbach ursprünglich nicht aus Nagold. Ihre Kindheit verbrachte sie in dem damals nur zehn Häuser zählenden Forbach im Murgtal im Nordschwarzwald. Reichert-Fehrenbach berichtet DAZ.online von einer glücklichen Kindheit in idyllischer Umgebung. Im Anschluss ans Abitur auf dem Aufbaugymnasium in Lahr beschloss Reichert-Fehrenbach, in Heidelberg Pharmazie zu studieren. 

DAZ.online-Serie

Die Besonderen

Nach abgeschlossenem Studium verschlug es sie zunächst zurück ins heimatliche Forbach. „Das war schon etwas komisch nach so langer Zeit weg vom Elternhaus“, schmunzelt Reichert-Fehrenbach. Kurz nach ihrem Studium zog sie schließlich im Jahre 1982 nach Nagold, um für ein Jahr eine Schwangerschaftsvertretung in der Stadt Apotheke Nagold anzutreten. Es sollte eigentlich auch nur bei diesem Jahr bleiben. Doch sie lernte in Nagold ihren späteren Mann kennen und gründete eine Familie. Schließlich übernahm Reichert-Fehrenbach 1994 die Stadt Apotheke Nagold, die sie bis zum heutigen Tag erfolgreich leitet. 

Die FDP-Stadträtin und Apothekerin

Quelle: Bärbel Reichert-Fehrenbach

Die Stadträtin Reichert-Fehrenbach ist eine politisch aktive Frau. Im Gemeinderat bestimmt sie als Mitglied der dreiköpfigen FDP-Fraktion die Stadtentwicklung Nagolds mit. Eingetreten sei sie in die Partei, da sie diese damals für die „Partei der freien Berufe“ hielt – lokal sei das auch immer noch so. Dort ständen die Entwicklung der Kommune und eine gute Versorgung der Menschen im Vordergrund. Mit dem Wahlprogramm der Bundes-FDP könne sie sich als Apothekerin insbesondere hinsichtlich der Liberalisierung des Apothekenmarktes jedoch nicht immer identifizieren, versichert sie auf Nachfragen

In den Gemeinderat sei sie durch Empfehlungen gekommen – damals noch parteilos. Geholfen hätten ihr die zahlreichen Kontakte, die sie durch ihr jahrelanges ehrenamtliches Engagement in den Kitas und Schulen ihrer Kinder geknüpft habe. Seit 2009 ist sie Mitglied im Technischen Ausschuss der Stadt. „Es macht Spaß und ist interessant, wenn man an der eigenen Stadtentwicklung ein Stück mitarbeiten kann“, so Reichert-Fehrenbach. 

Neben ihrer Arbeit im Gemeinderat ist die rührige Apothekerin auch Vorsitzende des Gewerbevereins Nagold e.V., der ein Zusammenschluss der Selbstständigen Nagolds darstellt. Gegliedert in verschiedene Fachgruppen setze sich der bereits seit 1848 bestehende Gewerbeverein für eine positive Entwicklung der Stadt Nagold ein, erläutert Reichert-Fehrenbach. Es ginge zum Beispiel darum, der Konkurrenz aus dem Internet nachhaltige Lösungen entgegenzusetzen: „Es ist die Aufgabe des Gewerbevereins, dafür zu sorgen, dass die Qualität in Nagold so bleibt, wie sie ist.“ 

Soziales Engagement – und ein großes Herzensprojekt

„Ich schaue immer, wo ich was machen kann – und dann tue ich das auch“ – einer der Lebensgrundsätze der überzeugten Ehrenamtlichen. So habe sie schon immer viele Vereine im sozialen Bereich unterstützt. Ihre Unterstützung und ihre Spenden erreichen so unter anderem die Lebenshilfe Oberes Nagoldtal e.V., die sich für Menschen mit Behinderungen einsetzt. „Es ist einfach schön, mit Menschen in Kontakt zu sein, sich auszutauschen, deren Lebenswege kennenzulernen – und auch zu sehen, dass es Menschen gibt, denen es nicht so gut geht, wie es einem selber geht.“

Ein besonders tiefgehendes Engagement verbindet Bärbel Reichert-Fehrenbach mit dem Verein Stationäres Hospiz Region Nagold e.V.. Dieses Herzensprojekt begleitet sie schon seit der Gründung des Fördervereins im Jahre 2011. Als Gründungsmitglied war sie von Anfang an dabei und hat zusammen mit ihren Mitstreitern dafür gesorgt, dass das Drei-Millionen-Euro-Projekt, ein eigenes stationäres Hospiz für die Region Nagold, zu einem guten Ende kommt. Im September nächsten Jahres soll das Hospiz eröffnet werden, erläutert Reichert-Fehrenbach den Stand des Projektes. Viel Zeit habe die Arbeit für das Hospiz in Anspruch genommen, aber es habe sich gelohnt. „Zu sehen, wie Menschen letzte schöne Tage im Leben bereitet werden kann, hat mich einfach überzeugt, da mitarbeiten zu wollen“, resümiert die Nagolder Apothekerin.

Der Zeller-Mörike-Garten

Ihrem großen Vorbild, dem Nagolder Apotheker Gottlieb Heinrich Zeller (1794-1864), fühlt sich Bärbel Reichert-Fehrenbach gleich in zweifacher Hinsicht verbunden: Einerseits sei sie von dem großen sozialen Engagement ihres Kollegen aus früheren Zeiten begeistert, andererseits teile sie dessen Interesse für ätherische Öle, denen sie sich zum Beispiel im Bereich der Aromatherapie in der Apotheke intensiv widme. „Das hat mich natürlich sehr mit ihm verbunden“, erläutert sie ihr Interesse an Zeller und seinem Wirken. „Er war damals, zu einer Zeit, die hoch pietistisch geprägt war, sehr sozial aktiv. Das hat mich beeindruckt.“ Zudem habe er sich in Bereichen und für Themen engagiert, die auch heutzutage wieder aktuell seien. 

Ausleben kann Reichert-Fehrenbach die Verbindung zum Apotheker Zeller auch im Arzneigarten des Zeller-Mörike-Gartens in Nagold. Dieser Garten soll seine Besucher in die Zeit um 1862 entführen, als sich Gottlieb Heinrich Zeller und der Dichter Eduard Mörike in diesem Garten getroffen haben sollen. Das kleine Apothekergärtchen im Zeller-Mörike-Garten ist Ort von arzneipflanzenkundlichen Führungen, die Reichert-Fehrenbach ehrenamtlich hin und wieder durchführt. „Mir geht es einfach darum, dass die Menschen, die heutzutage wieder sehr naturorientiert sind, verstehen, dass die Arzneipflänzlein was Besonderes sind“, so die begeisterte Apothekerin.

Bärbel Reichert-Fehrenbach hält arzneipflanzenkundliche Führungen im Apothekergarten des Zeller-Mörike-Gartens in Nagold.

„Zur richtigen Zeit am richtigen Ort das Richtige tun“

„Ich denke, es kommt schon aus der Kindheit, dass man dort, wo man ist und gebraucht wird, auch tut, was man kann. Also zur richtigen Zeit am richtigen Ort das Richtige tun“, erklärt Bärbel Reichert-Fehrenbach ihr Lebensmotto. Sie gibt aber auch unumwunden zu, dass sie Engagement nur durch ihre vielen guten Mitarbeiter durchführen könne, die es ihr erlaubten, sich auch mit einem guten Gefühl aus der Apotheke auszuklinken, um ihren vielen Ehrenämtern nachkommen zu können. Ihre Apotheke wird selbstredend mit eingeschlossen: „Wir haben viele Dinge, die wir natürlich auch in der Apotheke für gute Zwecke tun – und in den letzten Jahren auch verstärkt zum Beispiel für das Hospiz getan haben.“ Zahlreiche Spenden sind auf diesem Wege schon zustande gekommen. „Ich finde, man muss sich auch selber einbringen, wenn man will, dass irgendwo etwas funktioniert.“



Inken Rutz, Apothekerin, Autorin DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

FDP

von Conny am 10.09.2018 um 10:55 Uhr

Ist ja in der richtigen Partei

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