Bestandsaufnahme zum 25-jährigen Berufsjubiläum

PKA: Ein Beruf auf der Kippe?

Stuttgart - 01.08.2018, 10:10 Uhr

PKA arbeiten vor allem im Backoffice: zum 25-jährigen Berufsjubiläum ein Blick in die Vergangenheit und die Zukunft. (Foto: imago)

PKA arbeiten vor allem im Backoffice: zum 25-jährigen Berufsjubiläum ein Blick in die Vergangenheit und die Zukunft. (Foto: imago)


Brauchen wir einen neuen Beruf in der Apotheke?

Wenn alles so weiterläuft wie bisher, wird die Anzahl der für die Apotheken verfügbaren PKA kontinuierlich und drastisch sinken. Die ohnehin schon angespannte Personalsituation in Apotheken wird sich weiter verschärfen. Doch die immer wieder beschworene Qualitätsoffensive der öffentlichen Apotheken ist untrennbar verbunden mit motiviertem, gut ausgebildetem Personal. Auch wenn man von einer zunehmenden Digitalisierung des Gesundheitswesens und speziell der Apotheken ausgeht: Viele typische Apothekenarbeiten verlangen analogen, menschlichen Einsatz. Selbst klassische PKA-Tätigkeitsfelder werden sich in nächster Zeit wohl kaum an Roboter delegieren lassen. Schon eher kann man sich vorstellen, dass es im Bereich Organisation, Einkauf, Marketing zu neuen und weiter gefassten Aufgabenstellungen kommen könnte, die der bisherige Ausbildungsberuf PKA nicht unbedingt abdeckt.

Die aktuellen Konzentrationsprozesse bei den Apotheken (mehr Filialverbünde, größere Einheiten) sowie der Erfolg von Apothekenkooperationen führen schon jetzt dazu, dass immer mehr nichtpharmazeutische Aufgaben von externen Dienstleistern erbracht werden. In den Apotheken selbst erleichtern Kommissionierautomaten mit immer ausgeklügelteren Service-Elementen die Warenwirtschaft ganz erheblich (und machen manche herkömmliche PKA-Arbeit überflüssig). Größere Apotheken mit Zytostatika-Herstellung und angegliedertem Spezialgroßhandel beschäftigen ohnehin kaufmännische Fachkräfte, die nicht für ein PKA-Tarifgehalt zu haben sind. Möglicherweise führt also ein Trend in die Richtung, dass man über eine neue, kaufmännisch und betriebswirtschaftlich ausgebildete Fachkraft für größere Apothekeneinheiten nachdenken muss. Vielleicht eine Fachkraft für Arzneimittel-Logistik, die – gleichwertig an der Seite von Apotheker und PTA – alle logistischen und viele bürokratische Aufgaben wahrnimmt und dem pharmazeutischen Personal den Rücken freihält für die Information und Beratung rund um das Arzneimittel.

Es liegt in der Hand der Apothekenleiter

Aber bei aller Freude an der Innovation – eigentlich muss man keinen neuen Beruf erfinden. Die herkömmliche PKA-Ausbildung hat schon jetzt das Potenzial, hervorragende Fachkräfte auch für zukünftige Aufgaben heranzuziehen. Wer davon profitieren möchte, muss allerdings investieren: in aktive Personalpolitik, in menschlich-pädagogischen Einsatz, aber auch finanziell. Bei fehlendem Engagement in der Ausbildung und zum jetzigen Billigtarif wird die PKA weiter dahindümpeln.

Es liegt in der Hand der Apothekenleiter, ob der PKA-Beruf die nächsten 25 Jahre überlebt. Ein Spiegel der Wertschätzung wären ein attraktiveres Tarifgehalt sowie qualifizierte Fort- und Weiterbildungsangebote. Nur so ließe sich die Abwärtsspirale durchbrechen, nur so hätte die PKA die Chancen, die ihrem Berufsbild entsprechen und der Apotheke nützen. 



Reinhild Berger, Apothekerin
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Zusammenlegung der Berufe

von Lisa Müller am 02.08.2018 um 15:28 Uhr

Man sollte die beiden Berufe PTA und PKA zusammenlegen. Die PTA führen Aktionen durch, übernehmen Marketingaufgaben und kontrollieren Rechnungen. Das Computersystem optimiert die Bestellungen und sendet selbstständig zum Großhandel. Die PTA Ausbildung sollte um eine eine wirtschaftliche Komponente erweitert werden. Die jetzigen PKA mit Berufserfahrung sollten die Möglichkeit bekommen, zur PTA aufzusteigen (z.B. Unterricht an einer PTA schule mit abschließender Prüfung) . So wären auch Hierarchien vermieden.

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Erst mehr Kompetenzen, dann mehr Gehalt

von Hummelmann am 01.08.2018 um 18:44 Uhr

Meine Apothekenhelferin feiert dieses Jahr ihr 40-jähriges Betriebsjubiläum. Eine zweite Kraft mit ihren Befähigungen braucht meine Apotheke nicht. Trotzdem haben wir in den vergangenen 40 Jahren mehrfach neue PKAs ausgebildet. Keine Einzige dieser Damen arbeitet heute in einer Apotheke. Deshalb haben wir es längst aufgegeben Ausbildungsplätze für PKA anzubieten.
In unserer Apotheke gibt es keine Packung, die unsere PKA nach 40 Jahren Vollzeitbeschäftigung nicht in- und auswendig kennt. Trotzdem darf Sie eine Schachtel Fenistil nicht verkaufen? Wir arbeiten seit 12 Jahren mit einem digitalen Dokumenten-Management, die Buchhaltung geschieht außer Haus. Das Warenmanagement macht der Computer besser als es der Mensch je könnte. Alles was die PKA in der Apotheke noch machen darf, kann eine intelligente, aber ungelernte Kraft in weniger als 4 Wochen lernen.
Wenn man den Beruf der PKA dadurch attraktiver machen will, dass er besser bezahlt wird, muss man der PKA zuerst mehr Kompetenzen und Aufstiegschancen bieten. Warum z.B. darf eine PKA mit 15 Jahren Berufserfahrung nicht zur PTA aufsteigen? Bislang muss sie dafür nicht nur auf das Einkommen verzichten, sondern sogar noch 2 Jahre Schulgeld auf der Privatschule bezahlen. Das System macht den Beruf der PKA kaputt, die Apothekenleiter sind unschuldig. Durch den Kostendruck der Politik müssen wir ganz klar folgende Gegenrechnung machen: was kostet mich eine PKA, was nützt mir eine PKA? Wenn diese Rechnung nicht positiv ausfällt, kann man noch lange um den heißen Brei diskutieren. Das Berufsbild der PKA wird es nicht retten.

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