HIV/AIDS

Mosaik-Impfstoffe – neue Hoffnung in der HIV-Forschung

Berlin - 30.07.2018, 08:50 Uhr

Eine Impfung gegen den humanen Immundefizienz-Virus
(HIV) - daran arbeitet die Wissenschaft seit mehreren Jahren. Hoffnung machen nun sogenannte Mosaik-Vakzine. ( r / Foto: Imago)

Eine Impfung gegen den humanen Immundefizienz-Virus (HIV) - daran arbeitet die Wissenschaft seit mehreren Jahren. Hoffnung machen nun sogenannte Mosaik-Vakzine. ( r / Foto: Imago)


Mehr als drei Jahrzehnte nach der Identifizierung des humanen Immundefizienz-Virus (HIV) haben es die Wissenschaftler noch nicht geschafft, einen präventiven Impfstoff zu entwickeln. Jedes Jahr kommen weiterhin fast zwei Millionen Neuinfektionen weltweit dazu. Erfolgreiche Studien mit „Mosaik-Vakzinen“ könnten neue Hoffnungen wecken.

In der vergangenen Woche fand in Amsterdam die Welt-AIDS-Konferenz 2018 statt, bei der auch die neuesten Erkenntnisse zur Prävention von HIV-Infektionen vorgestellt werden. Als eines der Highlights heben die Veranstalter die Langzeit-Ergebnisse der APPROACH-Studie hervor, die Anfang Juli in The Lancet veröffentlicht wurden.

APPROACH ist das Ergebnis der Zusammenarbeit einer internationalen Forschergruppe mit Beteiligung des Beth Israel Deaconess Medical Center (BIDMC), der Harvard Medical School, des United States Military HIV Research Programs (MHRP) am Walter Reed Army Institute of Research (WRAIR), des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), der International AIDS Vaccine Initiative, des HIV Vaccine Trials Network (HVTN), Janssen Vaccines & Prevention BV und zahlreicher weiterer Partner. 

Patchwork von Gensequenzen

Im Rahmen der multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Phase 1/2a-Studie testete das Forschungsteam insgesamt sieben verschiedene Impfregimes nach dem Prime-Boost-Konzept. Die Regimes basierten auf einem modifizierten Adenovirus Serotyp 26 (Ad26) als Primer, der mit verschiedenen Boostern kombiniert wurde (Komponenten: adenovirus serotype 26-Mosaic-Human Immunodeficiency Virus (Ad26.Mos.HIV), Modified Vaccinia Ankara (MVA)-Mosaic) und Clade C glycoprotein 140 drug product (gp140 DP)).

Der eingesetzte „Mosaik“-Impfstoff enthält ein Patchwork von Gensequenzen, die bei verschiedenen HIV-Stämmen gefunden wurden. Zielparameter waren die Sicherheit, Verträglichkeit und die Fähigkeit, Immunreaktionen auszulösen.

Robuste Immunreaktionen ausgelöst

In die Studie waren gesunde erwachsene Freiwillige in Ruanda, Südafrika, Thailand, Uganda und den USA eingeschlossen. Zwischen Februar 2014 und Oktober 2016 erhielten die 393 Probanden im Alter von 18 bis 50 Jahren intramuskulär jeweils vier Injektionen der Impfstoff-Komponenten bzw. Placebo (Woche 0, 12: Primer, Woche 24 und 48: Booster). Alle Impfregimes waren gut verträglich und induzierten bei den Teilnehmern robuste Immunreaktionen. Dabei erzeugte die Kombination des Mosaik-Ad26-Primers mit Boostern, die wiederum den Mosaik-Ad26-Impfstoff und zusätzlich eine hohe Dosis des Oberflächen-Proteins gp140 enthielten (mosaic-Ad26/Ad26 plus high-dose gp140 Boost-Vakzine) die stärkste immunogene Wirkung.

In einer ähnlich konzipierten Untersuchung (NHP 13-19) testete das Team fünf verschiedene Regimes auf ihre Fähigkeit, Rhesusaffen vor Infektionen mit einem HIV-ähnlichen Virus zu schützen. „Die Studien zeigen, dass die mosaic-Ad26/Ad26 plus gp140-Variante bei Menschen und Affen robuste und vergleichbare Immunreaktionen induziert“, resümiert Studienleiter Dan H. Barouch, Direktor des Zentrums für Virologie und Impfstoffforschung am BIDMC. „Außerdem produzierte die Kombination bei den Affen einen 67prozentigen Schutz gegen den viralen challenge.“

Folgestudie „Imbokodo“ läuft bereits

Auf Grundlage dieser Daten wird die Vakzine nun in Sub-Sahara Afrika bereits in einer klinischen Wirksamkeitsstudie der Phase-2b (Imbokodo) weiter untersucht.  „Wir erwarten die Ergebnisse in 2021“, sagt Barouch und betont weiter: „Dies ist erst das fünfte Konzept für einen HIV-Impfstoff, das in der mehr als 35jährigen Geschichte der weltweiten HIV-Epidemie beim Menschen auf Wirksamkeit getestet wird.“ Eine Übersicht über sonstige neuere Ergebnisse der HIV-1-Impfstofforschung findet sich hier.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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