Kritik am TSVG-Referentenentwurf

BPI: Geplante Impfstoffregelung bringt keine Versorgungssicherheit

Berlin - 26.07.2018, 10:36 Uhr

Minister Spahn will bei Impfstoff-Verträgen nachbessern - doch die Hersteller sind mit seiner Idee ganz und gar nicht zufrieden. (b / Foto: miss mafalda / stock.adobe.com)

Minister Spahn will bei Impfstoff-Verträgen nachbessern - doch die Hersteller sind mit seiner Idee ganz und gar nicht zufrieden. (b / Foto: miss mafalda / stock.adobe.com)


Zentgraf: Geringe Einsparungen zulasten optimaler Versorgung

Nun hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) also eingegriffen. Doch  seine Lösung passt dem BPI nicht. Sie sei „ein deutlicher Rückschritt“. Der BPI-Vorstandsvorsitzende Dr. Martin Zentgraf meint: „Nicht ohne Grund wurden Rabattverträge für Impfstoffe trotz der Zweipartnerlösung abgeschafft“. Zwei Anbieter seien zwar besser als einer, aber gerade bei Impfstoffen keine Versorgungsgarantie, falls einer ausfällt – egal in welcher Vertragskonstruktion. Zentgraf weiter: „Wenn der Gesetzgeber die Impfstoffversorgung sicherstellen will, dann müssen die Impfstoffe aller Hersteller zur Verfügung stehen. Exakt dies hatte der Gesetzgeber erst im vergangenen Jahr mit dem AMVSG geregelt.“ Der BPI-Vorsitzende gibt zu bedenken, dass die Kassen ohnehin nur den EU-Durchschnittspreis zahlen müssen. Dennoch orientierten sie sich „mehr an relativ geringen Kosteneinsparungen für die GKV als an einer optimalen Versorgung der Patienten“.

Tatsächlich werden es GSK, Sanofi und auch AstraZenca vermutlich weiterhin schwer mit ihren tetravalenten Impfstoffen haben – in der Vergangenheit waren es die Rabattverträge, nun sind es die Verträge zwischen Kassen und Apotheken auf Landesebene. Ob eines der Unternehmen künftig zweitgünstigster Anbieter in diesem engen Markt sein wird, bleibt abzuwarten.   

Zu bedenken ist auch: Die AOK Nordost fährt ihr Festpreismodell für generisch verordnete Grippeimpfstoffe bereits seit Jahren. In der Vergangenheit gab es stets eine Co-Vereinbarung mit zwei Herstellern: Mylan und Seqirus beziehungsweise den Vorgängerunternehmen, die diesen Firmen ihre Impfstoffe überlassen haben. Dass es diesmal nur Mylan ist, liegt wohl schlicht daran, dass Seqirus für die kommende Saison noch gar keinen Vierfachimpfstoff im Markt hat. Für Mylan ist es das erste Mal, dass das Unternehmen diese Variante produziert. Ihr Influvac Tetra ist allerdings erst ab 18 Jahren zugelassen. Seqirus hat indessen die EU-Zulassung für einen zellbasierten Vierfach-Impfstoff beantragt.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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