Deutsch-Griechischer Arzneimittelskandal

Ministerium erhält 535 Anrufe in vier Tagen – auch wegen Valsartan

Berlin - 24.07.2018, 16:15 Uhr

Das Vertrauen in die Arzneimittelaufsicht Brandenburg hat durch die Lunapharm-Affäre gelitten. Das Gesundheitsministerium will Transparenz beweisen und hat eine Infohotline eingerichtet. (s / Foto: dpa)

Das Vertrauen in die Arzneimittelaufsicht Brandenburg hat durch die Lunapharm-Affäre gelitten. Das Gesundheitsministerium will Transparenz beweisen und hat eine Infohotline eingerichtet. (s / Foto: dpa)


Lunapharm-Ware ging an Händler und Apotheken

Bekannt ist dagegen, an welche Kunden Lunapharm geliefert hat. Zwar sind die potenziell geschmuggelten Arzneimittel deutschlandweit sowie nach Litauen und Polen vertrieben worden. In Deutschland ging die Ware in diverse Apotheken, aber auch an den Großhändler Gehe und Importeure wie CC-Pharma. Bei CC-Pharma waren bereits im Jahr 2014 in italienischen Kliniken gestohlene Arzneimittel  aufgetaucht. Das Unternehmen hat am heutigen Dienstag einen Rückruf über die AMK gestartet – im Zusammenhang mit aktuellen Überprüfungen zu Unstimmigkeiten in der Lieferkette, wie es heißt. Auch onkologische Großhändler wie etwa CK Pharma oder Omnicare waren Kunden von Lunapharm.

Behörden ziehen personelle Konsequenzen

Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt gegen Lunapharm zwar schon seit anderthalb Jahren wegen des Verdachts auf Hehlerei und Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz. Doch an die breite Öffentlichkeit gelangte der Skandal erst vor knapp zwei Wochen durch die Sendung des ARD-Magazins Kontraste. Noch am Folgetag des Fernsehbeitrags dementierte das Ministerium, dass eine Gesundheitsgefahr bestanden habe. Die zuständige Aufsicht, das dem Ministerium unterstellte Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) hätte korrekt gehandelt.  

Am darauffolgenden Mittwoch warf Landesgesundheitsministerin Diana Golze (Linke) auf einer Pressekonferenz dem LAVG hingegen schwere Versäumnisse vor. Zwei Tage später entzog das Ministerium Lunapharm die Betriebs-, Herstellungs- und Großhandelserlaubnis und gründete eine Task Force zur Aufklärung der Vorfälle, unter anderem unter Beteiligung von AMK-Präsident Professor Martin Schulz. Zudem ergriff Golze in ihrem Ministerium Umstrukturierungsmaßnahmen und erstattete gegen einen Mitarbeiter des zuständigen FachbereichesStrafanzeige. Die komplette Aufgabe der Arzneimittelaufsicht entzog sie der bisherigen Abteilungsleitung und wies sie einer anderen Abteilung  zu. Mittlerweile wurde offenbar eine weitere Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin gestellt, die nach eigenen Angaben derzeit den Anfangsverdacht prüft. Die Neuruppiner Behörde ist Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung der Korruptionskriminalität.  



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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